Wer sich mit den Angeboten für Strom beschäftigt, der wird schnell feststellen, dass die Konzerne den Endverbrauchern erstaunlich wenig Individualisierungsmöglichkeiten bieten. Abgesehen vom Preis gibt es in der Regel fast keine Punkte, die beeinflusst werden können. Der Verbraucher wird von den Konzernen daher kaum als mündiger Partner behandelt, sondern eher als Anschlusspunkt gesehen, der das nehmen muss, was angeboten wird. In Zeiten, in denen Kunden zum Beispiel Nahrungsmittel nach Bio-Standards auswählen können, sollten auch im Bereich Strom mehr Entscheidungskriterien zur Verfügung stehen.

Mehr als nur über den Preis entscheiden

Grundsätzlich muss man festhalten, dass viele Verbraucher sich relativ wenig Gedanken über den Strom abseits der Preise machen. Die Tatsache, dass man sein Produkt aber nur anhand dessen differenzieren kann, würde jedoch praktisch nirgendwo anders auf gleiche Weise akzeptiert werden. Dabei sind durchaus Möglichkeiten vorhanden, mit denen man den Kunden mehr Entscheidungsmöglichkeiten bieten kann. Zum einen sollte der tatsächliche Verbrauch in einem Haushalt eine größere Rolle spielen. Die Pauschalen für Strompreise werden in der Regel sehr weit gefasst und haben selten etwas mit den tatsächlichen Verbrauchern zu tun. Eine genauere Beratung, die auch die tatsächliche Anzahl der Verbraucher mit einbezieht, könnte hier bereits erhebliche Unterschiede zutage fördern.

Weiterhin sollte der Kunde auch die Möglichkeit besitzen zu entscheiden, aus welchem Kraftwerk sein Strom kommt. Dabei geht es nicht nur darum, dass es eine Alternative gibt, die Art und Weise der Stromerzeugung zu beeinflussen. Es spielt auch die Tatsache eine Rolle, dass Kunden die lokale Stromerzeugung unterstützen können. Gerade bei den großen Stromkonzernen weiß der Verbraucher in der Regel überhaupt nicht, an welchem Ort sein Strom erzeugt wurde. Viele Kunden würden es jedoch sicherlich bevorzugen, wenn sie durch den Kauf von Strom lokale Arbeitsstätten unterstützen.

Die Energiewende mitbestimmen

Eines der großen Themen in der Bundesrepublik in den vergangenen Jahren ist die Energiewende. Kaum ein anderes Land treibt so konsequent den Ausbau der erneuerbaren Energien voran wie Deutschland. Grundsätzlich werden dabei vor allem Wind- und Sonnenenergie gefördert, allerdings wiederum ohne den Kunden in irgendeiner Form mit einzubeziehen. Die Möglichkeit, selbst zu entscheiden, aus welcher Quelle der eigene Strom kommt, wäre ein wichtiger Faktor für Verbraucher, um ebenfalls Einfluss auf die Energiewende zu nehmen. So besteht zum Beispiel durchaus Skepsis bei einigen Stromverbrauchern über die starke Nutzung von Solarenergie in Deutschland. Trotzdem haben diese Personen jedoch keine Möglichkeit diese Art des Stromes nicht zu nutzen und stattdessen eine alternative Form zu wählen. Dabei wäre es sicher auch interessant, wenn Preise nach Verfügbarkeit variabel angepasst würden. Aktuell ist der Preis für Strom grundsätzlich identisch, unabhängig davon, ob er am Ende über Wind, Sonne, Wasser, Kohle, Gas oder in einem Atomkraftwerk erzeugt wurde. Eine individuelle Preisgestaltung würde hier sicherlich für große Veränderungen in der Nachfrage nach der jeweiligen Erzeugungsart sorgen.

Fazit

Den mündigen Stromkunden gibt es aktuell nicht. Trotzdem wären einige Möglichkeiten vorhanden, um den Endverbrauchern mehr Einfluss auf ihren Strom zu geben. Wichtig ist aber auch, dass diese sich dafür aktiv einsetzen. Die Tatsache, dass ein Verbraucher heute primär nur den Preis und den Anbieter beeinflussen kann, hat einen Grund. Viele Kunden sind damit durchaus schon zufrieden. Der mündige Stromkunde benötigt also nicht nur mehr Möglichkeiten, er muss sie aktiv fordern und am Ende tatsächlich nutzen.

Den Beitrag "Leserbrief eines mündigen Strombürgers offline Lesen:

Kommentar hinterlassen

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong> 

benötigt