blog.stromhaltig hat schon sehr oft über die Standardlastprofile geschrieben. Bei einem privaten Stromtarif sorgt der Energieversorger dafür, dass entsprechend eines sogenannten H0 Lastprofils für den Kunden immer Strom irgendwo in das Netz eingespeist wird. Durch das Fehlen zeitgemäßer Verfahren und Prozesse, stimmt diese Menge nicht mit dem Verbrauch des Kunden überein. Das Netz muss irgendwie diese Mengendifferenz ausgleichen, da immer nur soviel Strom erzeugt werden darf/kann, wie genau zu diesem Zeitpunkt entnommen wurde.

Einige Schwächen der Standardlastprofile wurden bereits in den vorhergehenden Beiträgen angesprochen. So ist die Grundlast in der Nacht tendenziell zu hoch, wodurch in der Nacht für private Haushalte mehr Strom eingespeist wird, als tatsächlich entnommen wird. In diesem Beitrag sollen vier Profile auf die Treffsicherheit (= Profiltreue) untersucht werden.

Jeder Stromkunde kann mit einem einfachen Strommessgerät selbst herausfinden, ob im jeweiligen Verteilnetz gerade zuviel, oder zuwenig Energie vorhanden ist. Dazu ist die Spannung im Tagesverlauf zu beobachten. Nicht selten stellt man dabei fest, dass in der Nacht höhere Werte Gemessen werden, als am Tage oder am Abend. Ursache ist der starke Rückgang des Stromverbrauchs in der Nacht.

Für die Abrechnung zwischen dem Energieversorger wird in Deutschland in 15 Minuten Blöcken gearbeitet. Entsprechend wird in der Analyse der Treffsicherheit geprüft, ob der Sollwert (H0-Lastprofil) und der Istwert (Kundenverbrauch) über bzw. unterschritten werden.

blog.stromhaltig hat die Verbräuche von vier Musterverbrauchern über die Dauer von  einem Jahr untersucht.

Überdeckung Unterdeckung
Verbraucher A 94% 6%
Verbraucher B 85% 15%
Verbraucher C 65% 35%
Verbraucher D 89% 11%

Der Idealwert ist eine Überdeckung zu 50% der Zeit und eine Unterdeckung zu 50% der Zeit.  Erstaunlich ist, dass am nähsten der Stromanschluss C trifft, der in der Liste der einzige Anschluss ist, bei dem kein Standardlastprofil H0 hinterlegt ist. Es handelt sich um eine Wärmepumpe, die auf eine optimale Ausnutzung von Solarstrommengen optimiert ist.

Bei Verbraucher A,B und D wurde untersucht, zu welchen Zeiten die Unterdeckung stattfindet. D.h. der Stromkunde mehr Strom verbraucht, als zum gleichen Zeitpunkt für diesen Kunden eingespeist wird.

Spitzenreiter in den Zeiten, bei denen es zu einer Unterdeckung kam, waren die Stunden von 18:00 bis 20:00 Uhr, bei der auch das Standardlastprofil eigentlich eine Verbrauchsspitze vorsieht, die allerdings bei den analysierten Verbrauchern deutlicher ausfällt.

Individuelle Nutzung von Großverbrauchern, wie Waschmaschine, Föhn, Computersysteme, hatten kaum Auswirkungen auf das Lastprofil. Abweichend zum Standard Lastprofil H0 des BDEW konnten bei den untersuchten Profilen keine Veränderungen zwischen den Jahreszeiten festgestellt werden.

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4 Gedanken zu “Lastprofile – 4 Profile und ihre Treffsicherheit zu Max-Musterhaushalt

    • Letztes Jahr gab es hier im Blog bereits eine Auswertung von über 2.000 Verbrauchern, bei der das Ergebnis leider nicht besser war. Ist natürlich nicht repräsentativ, aber verdeutlicht, wie schwierig das Thema Profile ist.

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  1. Ich denke dass die Untersuchung, die hier gemacht wurde wenig aussagekräftig ist, oder die Formulierung des Artikels zumindest irreführend ist. Diese Tatsache soll anhand eines Beispiels erklärt werden:

    Der Maximalwert, den das VDEW-Standardlastprofil annimmt, liegt bei ca. 700 Watt (3 Personen). Schalten Sie zu einer beliebigen Uhrzeit nur einen Wasserkocher ein, so verbrauchen Sie für den Zeitraum von ein paar Minuten ca. 1500 Watt – Ihr Verbrauch übersteigt das SLP kurzfristig um einen Faktor 2! Nachdem Sie nun Wasser gekocht haben ist ihr Verbrauch von Kühlschrank, Licht und Fernseher gekennzeichnet – Ihr Verbrauch liegt lange Zeit unter dem SLP. Nun kommt man zu dem Schluss, dass der Haushalt in 90% der Zeit überdeckt, in 10% dagegen dramatisch unterdeckt ist. Bloß: Alle Nachbarn Ihrer Straße werden hoffentlich nicht gleichzeitig mit Ihnen einen Wasserkocher angemacht haben. Über die Summe einiger 100 Haushalte, welche an einer Ortsnetzstation angeschlossen sind, sind viele überdecktdeckt, einige wenige stark unterdeckt, und in Summe kann das SLP ganz gut hinkommen.

    Im Ergebnis bedeutet dies: Die Aussage, dass sie bei einem perfekten SLP zu 50% der Zeit über dem SLP liegen müssen und 50 % darunter trifft nicht zu. Die Summe mehrerer Straßenzüge an H0 Verbrauchern sollte dieses Verhalten zeigen, nicht aber ein einzelner Haushalt.

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  2. ….alle Nachbarn Ihrer Straße werden hoffentlich nicht gleichzeitig mit Ihnen einen Wasserkocher angemacht haben….

    Das „Zauberwort“ ist gleichzeitig. Dafür gibt es „Profile“ mit zugehörigem „Gleichzeitigkeitsfaktor“. Wie mein Vorredner schon bemerkte, kann mit einiger „Wahrscheinlichkeit“ davon ausgegangen werden, dass mitnichten alle Geräte die angeschlossen sind oder aber angeschlossen werden können, zur gleichen Zeit ihren Dienst versehen. Danach wird auch die zu installierende Leistung bemessen. Im Grund recht simpel, die Summe der „möglichen“ Leistungen wird mit einem Faktor < 1 multipliziert. Nur wenige Anlagen haben einen „Gleichzeitigkeitsfaktor“ = 1.

    Bei Wohngebäuden kann dieser Faktor zwischen 0,4 bis 1 sein. Allgemeiner Bedarf eines Einfamilienhauses ohne E-Heizung = 0,4. Wohnblocks ohne E-Heizung = 0,6. Mit ohne E-Heizung und Klimaanlage = 0,8 bis 1.

    Das sind alles Erfahrungswerte und in besonderen Fällen muss wohl genau berechnet werden.

    Der Einsatz bestimmter Geräte kann in einem Netz durch besondere Bedingungen (z.B. Nachttarif / Tages- und oder Jahreszeit) kräftig abweichen. Im Grund schwankt der „reale Gleichzeitigkeitsfaktor“ nach Typ, Nutzungsgrad und Verbreitung der in Frage kommenden Geräte.

    Durch PV-Anlagen (auch wenn da nix erfasst wird), wird der „reale Gleichzeitigkeitsfaktor“ wiederum „flexibel“. Wird jede Möglichkeit genutzt, den eigenen Verbrauch an die Leistung der eigenen PV anzupassen (was wohl nur bei einer regulären Eigenbedarfsanpassung „pekuniären“ Sinn macht), sinkt der „reale Gleichzeitigkeitsfaktor“ u.U. (von den lokalen Verhältnissen abhängig) nochmal kräftig.

    Doch unabhängig ob die übliche „Volleinspeisung“ oder die „Überschusseinspeisung“ zur Anwendung kommt, zwischen 20 bis 30% pro Jahr dürfte der Leistungsbezug aus dem öffentlichen Netz durch die anteiligen PV-Anlagen jedenfalls geringer sein. Doch innerhalb eines Ortsnetzes (Niederspannung) ist dieser Prozentsatz in Relation zu den dort einspeisenden PV-Anlagen zu 100% niedriger, als in gleichartigen Ortsnetzen ganz ohne jegliche PV-Einspeisung. Bei ca. 1,2 Millionen PV-Kleinanlagen eine durchaus signifikante, aber nicht gleichmäßig zu erwartende Verringerung der Basiswerte.

    Um nochmal die „Einsprarritis“ die z.Z. gern genommen wird anzusprechen. Wer eine PV erfolgreich betreibt, muss lediglich seinen Verbrauch an diese Anpassen. Ob nun wie beim Nachbarn nur die Dachziegel heiß laufen oder die Sonne die nachgeschalteten Verbraucher erwärmt, ist in der Bilanz zum öffentlichen Netz verbratenen fossilen Energie, ohne jeden verbrauchssteigernden Einfluss. Ich habe nicht die geringsten Skrupel „meine“ Sonne so einzusetzen !

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