Es wird viel über Kapazitätsmärkte nachgedacht, so auch in einer aktuellen Studie der EnBW AG auf die Jochen Hauff im DEZ-Blog eingeht:

Eine länderübergreifende Abstimmung erscheint zudem geboten, um die entstehenden Verteilungsfragen politisch zu flankieren. Betreiber von Kernkraftwerken in Frankreich und Belgien können stark von steigenden CO2 Preisen sowie von Kapazitätsmärkten profitieren, während Kohle- und Gaskraftwerke in Deutschland und den Niederlanden auch bei Einführung eines Kapazitätsmarktes nicht unbedingt Vollkostendeckung erreichen.

Was hier mit Ländern und nationalen Interessen argumentiert wird, offenbart eine der größten Schwächen, die von Anhängern der Kapazitätsmärkte bislang ignoriert werden: Der Strom muss auch irgendwie transportiert werden.

Politisch will man es mit dem Design eines Strommarktes für Deutschland, nach der aktuellen Novelle, jetzt der EU recht machen. Die Kanzlerin hält Kapazitätsmärkte für denkbarNicht heute, aber morgen oder übermorgen. Man verabschiedet sich damit ohne Not von den erfolgreichen Energy-Only-Märkten, bei denen nach Verbrauch bezahlt wird. Für den Verbraucher könnten Kapazitätsmärkte eine Art Flatrate bedeuten – klingt zunächst gut, aber alle zahlen für das Vorhandensein von Strom das gleiche, unabhängig vom Verbrauch.  Bettervest bringt bei Twitter auf den Punkt, welche Bemühung damit ad-absurdum geführt werden:

Es geht um die Gestaltung eines Gesamtrahmens, wie man auch im DEZ-Blog lesen kann, da andere energiepolitische Instrumente starke Auswirkung auf die Geschehnisse eines K-Marktes haben.

Eine der wichtigsten Rahmenbedingungen ist die lokale Wirksamkeit. Kann ein Kraftwerk in Flensburg seine Kapazität nach Berchtesgaden verkaufen? – Eine Rechnung ohne die Netze und die Transportverluste. Jeder Kilometer Entfernung zwischen Erzeugung und Verbrauch erhöhen die Netzverluste und lassen die sicher geglaubte Kapazität schnell zu einer unsicheren Ressource werden.

Im Monitoring der Netzlandschaft in Deutschland stellt man fest, dass häufiger als der Ausfall von Erzeugungsanlagen, die Berichte von Kabelschäden sind. Desto länger die Strecke, die zurück gelegt werden muss, desto stärker das Risiko für einen  Blackout.

In den sogenannten Re-Dispatch-Maßnahmen zeigen die Versorger in Deutschland eindrucksvoll, was für Auswirkungen es hat, wenn ein Kraftwerk an der falschen Stelle steht. Standortfaktoren sind entscheidend für den Erfolg eines Teilnehmers am Kapazitätsmarkt. Auf Nähe zu Flüssen zur Kühlung oder günstiges Bauland darf dann keine Rücksicht genommen werden, denn die Kapazitäten werden vom Stromverbraucher, an seiner Verbrauchsstelle, benötigt.

Abschließend sei angemerkt, dass im DEZ-Blog auch die Beschreibung des Hybridstrommarktes von blog.stromhaltig zu finden war. Eine Lösung, die der EU gefallen könnte und die Frage des Netzausbaus hinfällig macht.

Den Beitrag "Kapazitätsmärkte maximal regional offline Lesen:

Ein Gedanke zu “Kapazitätsmärkte maximal regional

  1. Dem Autor ist zuzustimmen. Hier droht die nächste Subvention, die das Marktgeschehen aushebelt, falsche Anreize setzt und ökologisch ohnehin kein Ziel hat. Wenn es knapp wird mit den Reserven, werden die Preise steigen. Und wenn die Preise steigen, wird sich Flexibiltität auf der Nachfrageseite auszahlen.

    Neue IT wird sicherstellen, dass sich vor dem Blackout Angebot und Nachfrage treffen.
    Aussführlicher beschrieben https://www.dialog-energie-zukunft.de/versorgungssicherheit-der-markt-und-eine-strategische-reserve-reichen-aus/#inhalt

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