Als in den frühen 2000er Jahren die ersten Photovoltaik-Anlagen unter das Dach der EEG-Einspeisevergütung gerutscht sind, da waren 20 Jahre Zeit sich über mit dem Zeitpunkt „Danach“ zu beschäftigen.  Mittlerweile sind wir eine Dekade weiter und in der Geschwindigkeit der Strompolitik gesprochen, werden „morgen“ die ersten Anlagen aus der Einspeisevergütung purzeln. Was dann? Gehen die Anlagen vom Netz? Abgeschrieben = Vergessen? – Die Antworten fehlen, wie die Ideen zu Geschäftsmodellen.

statistic_id154138_installierte-leistung-der-nach-eeg-vergueteten-anlagen-in-deutschland-bis-2011Noch reden wir über Zubauzahlen – und lediglich bei den Großkraftwerken sorgt sich die Bundesnetzagentur über die Auswirkungen von Stilllegungen.  Wenn im Jahre 2022 der letzte Atommeiler in Deutschland vom Netz geht, dann besteht zeitgleich über die Zukunft einer 9,5 Fachen Kapazität ein großes Fragezeichen. Was geschieht mit 14 GWp PV-Anlagen, die bis ins Jahre 2003 gebaut wurden?

Egal ob Freifläche oder Hausdach – die Wirtschaftlichkeitsberechnung der PV-Anlagen unter der EEG-Einspeisevergütung wird nach 20 Jahren + 1 Tag beendet sein. Der Besitzer hat sein Geld redlich verdient. Doch was jetzt?

Steht die Anlage auf einer gepachteten/gemieteten Fläche?

In diesem Fall ist die Frage, ob bei der Anlage ein Rückbau nach 20 Jahren beschlossen wurde. Im Jahre 2022 könnte es denkbar sein, dass einige Freiflächenanlagen einfach abgebaut wurden. Kritischer wird dieser Zustand etwa 5 Jahre später sein, da in den Jahren 2007-2011 sehr viele große Anlagen entstanden sind, die rein zur Erwirtschaftung von Rendite ausgerichtet sind. Eine Festgeldanlage mit definierter Laufzeit.

Diese Anlagen am Netz zu halten, wird schwerlich möglich sein, auch wenn die Betriebskosten minimal sind. Die aus der Einspeisevergütung berechneten Pachtzinsen dürften schlicht unwirtschaftlich sein. In diesem Fall ist zu hoffen, dass man den Grundbesitzern ein Konzept anbieten kann, welches die Anlage in ihren Eigentum überführt und die Rückbaukosten absichert.

Der Folgebetrieb

Unabhängig von der Größe der Anlage, kann im Falle eines Weiterbetriebs nach der Einspeisegarantie ein Problem bestehen. Diese Anlagen sind meist nicht auf die Eigenstromnutzung ausgelegt, so dass der erzeugte Strom immer in das öffentliche Stromnetz eingespeist wird. Bei einer Eigenstromnutzung werden Kosten für den Umbau und die notwendigen Zähler auf den Betreiber zukommen. Eventuell sind bis zu diesem Zeitpunkt die Speicher weiter entwickelt, so dass die Nutzung des eigenen Stroms lukrativer machen. Eigenstrom geht allerdings dem Netz verloren – günstiger Industriestrom zu den Peak-Stunden gehören spätestens ab 2027 der Vergangenheit an.

Vermarktung

Die schwierigste Aufgabe wird es werden, eine Lösung für die Vermarktung der Strommengen zu finden. Elektrische Energie, die nicht in unmittelbarer Nähe der Anlage verbraucht wird, steht bei einem Weiterbetrieb zunächst im Netz als „Gratisstrom“ zur Verfügung. In einem Markt, der nach Verbrauch abrechnet, kann es „Kostenloses“ allerdings nicht geben, da ansonsten der Markt nicht über das Prinzip des Angebots und Nachfrage funktionieren kann. Bei gleichen Bedingungen wie heute, würde mit dem Aufkommen der ersten signifikanten Strommengen ohne Preisschild die Strombörse und der gesamte Handel kollabieren.

Ein Grund, warum größere Energieversorger auf die Politik einwirken, einen Kapazitätsmarkt zu schaffen und den Verbrauchsgestützen Strommarkt langsam auslaufen zu lassen. „Denbar sind Kapazitätsmärkte“ – so die Sommer-Kanzlerin (blog.stromhaltig berichtete).

Individualentscheidung

Fakt ist, dass jede einzelne Anlage für sich eine individuelle Entscheidung über ihre Zukunft haben wird. Sieht man von bereits geschlossenen Verträgen zum Rückbau ab, so wird es Zeit sich über Lösungen einige Gedanken zu machen. Wer den heutigen Betreibern ein sinnvolles Angebot machen kann, der wird höchst wahrscheinlich auch den Zuspruch finden.

Hybridstrommarkt als Lösung

blog.stromhaltig propagiert die Einführung eines sogenannten Hybridstrommarktes als Angebot für die Anlagenbetreiber. Aus sicht des Anlagenbetreibers vermietet er die Erzeugungskapazität der Anlage an die Letzverbraucher. Der Hybridstrommarkt ist möglich ab einer Anlagengröße von 1 KWp bis zu vielen MWp.

Pressemitteilung zum Hybridstrommarkt

Den Beitrag "Der Zubau von Gestern ist die Ungewissheit von morgen offline Lesen:

Ein Gedanke zu “Der Zubau von Gestern ist die Ungewissheit von morgen

Kommentar hinterlassen

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong> 

benötigt