Noch in 2014 wird es eine Nachmittagsauktion für deutsche 15-Minuten-Kontrakte geben, meldet die Europäische Strombörse nach einer Sitzung des Börsenrates am heutigen Donnerstag. Bislang wurden Stundenkontrake gehandelt, welche zum Beispiel durch Sprünge der Netzfrequenz an der Stundengrenze zur Folge hatte. Auch wenn dieses Phänomen hauptsächlich in den lastschwachen Nachtstunden auftritt, sind kürzere Zeiteinheiten ein Schritt in die richtige Richtung.

In den Nachmittagsstunden wird es mit den 15-Minuten-Kontrakten nun möglich synchron mit den Verbrauchsprofilen zu planen und keine Umrechnung auf Stundenkontrakte vornehmen zu müssen. Eine positive Entwicklung für die Netzstabilität.

Leipzig / Paris, 5. Juni 2014 – Der Börsenrat der EPEX SPOT hat auf seiner jüngsten Sitzung in Leipzig seine Unterstützung für ein neues Marktsegment signalisiert und die aktuellen Perspektiven des Integrationsprozesses der europäischen Strommärkte besprochen.
Auf Basis einer internen Studie und Feedback von Handelsteilnehmern wird die Europäische Strombörse EPEX SPOT eine Nachmittagsauktion für 15-Minuten-Kontrakte im deutschen Marktgebiet starten. Diese Kontrakte werden bei der Feinabstimmung von Portfolios helfen und den Handel für geplante oder prognostizierte innerstündliche Variationen in Erzeugung oder Verbrauch vereinfachen. Die Auktion wird täglich (Montag bis Sonntag) um 15 Uhr abgehalten werden – im Anschluss an die tägliche Day-Ahead-Auktion für Stundenkontrakte und parallel zur Öffnung des kontinuierlichen Intraday-Markts.

Die Mitglieder des Börsenrats unterstützen den Start einer Nachmittagsauktion für 15-Minuten-Kontrakte.

„Liquidität ist eine Grundvoraussetzung für jedes neue Marktsegment. Von EPEX SPOT durchgeführte Studien haben ein Interesse seitens einer Mehrheit der Börsenmitglieder zutage gefördert. Liquidität sollte also kein Hindernis sein“, sagt Peter Heydecker, Vorsitzender des Börsenrats. „Das ist ein ergänzendes Instrument zur Flexibilisierung welches den Handel von fluktuierenden Stromquellen weiter vereinfachen wird. Auktionen für 15-Minuten-Kontrakte sind auch äußerst nützlich im Hinblick auf Stunden mit starken Schwankungen im Verbrauch, insbesondere morgens und abends.“

Die Nachmittagsauktion wird im Laufe des Jahres eingeführt. EPEX SPOT wird das Startdatum zu gegebener Zeit bekannt geben.

Der gesamteuropäische Strommarkt ist zum Greifen nahe. Auf dem Forum für Elektrizitätsregulierung in Florenz am 20. und 21. Mai begrüßte die Generaldirektion Energie der EU-Kommission den erfolgreichen Start der NWE- und SWE-Preiskopplungsinitiativen. Auch der Börsenrat zeigte sich mit den letzten Fortschritten in der Strommarktintegration ausdrücklich zufrieden. Märkte von Portugal bis Finnland sind nun gekoppelt – anhand eines gemeinsamen Sets von Programmen und basierend auf dezentralisierter Steuerung, welche von der Strombörsen-Initiative „Price Coupling of Regions“ (PCR) entwickelt und bereitgestellt wird. Süd- und osteuropäische Regionen sind gleichfalls auf dem besten Wege, sich anhand der PCR-Lösung mit dem bereits gekoppelten Gebiet zu verbinden.

„Die PCR-Märkte decken mittlerweile Länder ab, die für rund 75 Prozent des europäischen Stromverbrauchs stehen. PCR ist die eine Lösung, sie alle zu koppeln – und sie ist konform mit den zukünftigen Netzkodices für Kapazitätszuteilung und Engpassmanagement“, sagt Jean-François Conil-Lacoste, Vorstandsvorsitzender der EPEX SPOT. „Wir sind näher denn je an der Vollendung des EU-Energiebinnenmarkts.“

Die Netzkodizes sind verbindliche europäische Regulierung und sollen bis Ende des Jahres fertiggestellt werden.

Die zweite Sitzung des Börsenrats der EPEX SPOT im laufenden Jahr fand am 4. Juni 2014 in Leipzig statt und wurde von Peter Heydecker, Head of Origination Gas & Power bei Vitol, geleitet.

Der Börsenrat der EPEX SPOT ist ein offizielles Börsenorgan. Die 16 Mitglieder und sieben permanenten Gäste bilden die Vielfalt der Wirtschaftskreise und Unternehmensprofile unter den Börsenmitgliedern angemessen ab: Sie umfassen Produzenten, Stromhandelsunternehmen, Übertragungsnetzbetreiber, Regionalversorger und Finanzdienstleister sowie gewerbliche Verbraucher und Vertreter der Wissenschaft. Die Aufgaben des Börsenrats umfassen insbesondere die Verabschiedung der Börsenordnung und des Verhaltenskodex von EPEX SPOT sowie dessen Änderung. Der Börsenrat gibt seine Zustimmung zu neuen Handelssystemen, Kontrakten und Marktgebieten. Überdies genehmigt er die Ernennung des Leiters der Handelsüberwachungsstelle. Der Börsenrat trifft sich vierteljährlich.

Die Europäische Strombörse EPEX SPOT SE betreibt die Strom-Spotmärkte für Deutschland, Frankreich, Österreich und die Schweiz (Day-Ahead und Intraday). Diese Länder machen zusammen mehr als ein Drittel des europäischen Stromverbrauchs aus. EPEX SPOT ist eine Gesellschaft europäischen Rechts (Societas Europaea) mit Sitz in Paris und Niederlassungen in Leipzig, Bern und Wien. Im Jahr 2013 wurden 346 TWh auf den Märkten der EPEX SPOT gehandelt.

(Pressetext: EPEX SPot)

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Veröffentlicht von Thorsten Zoerner

Seit dem Jahr 2007 beschäftige ich mich mit den Themen Stromnetz und Strommarkt. Parallel dazu entstand ein Blog, um Informationen zu den jeweiligen Themen bereitzustellen. Er ist unter blog.stromhaltig.de zu finden. Über das Thema Energiewirtschaft habe ich bislang drei Bücher veröffentlicht. In meinem 2014 erschienenen Buch zum Hybridstrommarkt beschreibe ich ein Marktdesign, das in Deutschland in das Gesetzespaket Strommarkt 2.0 aufgenommen wurde. Hierbei werden zwei Technologien des Strombezugs vereint: der Hausanschluss mit Bezug bei einem klassischen Stromanbieter und einen alternativen Bezug von erneuerbaren Energien. Die wirtschaftlichen Vorteile für ein solches Marktdesign sind erwiesen. Auch die Digitalisierung beeinflusst die Energiewirtschaft von morgen. Daher habe ich mich intensiv mit dem Thema Blockchain Technologie befasst. Blockchain ist eine Technologie, die den Austausch und die Dokumentation von Daten vereinfachen kann. Daher kann diese Technologie mithilfe der digitalen Möglichkeiten das heutige Energiesystem revolutionieren. Denn damit ist eine automatische Abgleichung von Energieerzeugung und Energieverbrauch möglich. Um zukünftige Herausforderungen und Chancen mitgestalten zu können, habe ich 2017 die Firma STROMDAO gegründet. Dort bin ich Geschäftsführer und möchte dafür sorgen, dass mithilfe der Blockchain Technologie und dem Hybridstrommarkt eine digitale Infrastruktur für die Energiewirtschaft der Zukunft aufgebaut wird. Der STROMDAO Mechanismus zur Konsensfindung für den Energiemarkt unterstützt dabei die Marktkommunikation aller beteiligten Akteure.

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