Die Reform des EEGs ist erst einmal erledigt, auch wenn mit dem Ergebnis keiner wirklich glücklich sein kann. Ein anderes Thema, welche die Stromrechnungen in Deutschland deutlich extremer belastet sind die Netzentgelte. Regional sehr unterschiedlich, in Ihrer höhe schwierig zu definieren, riskantes Spiel mit der Wirtschaftlichkeit von privaten Unternehmen und letztendlich immer die Regulierung eines natürlichen Monopols.

Bei BIZZ Energy Today werden verschiedene Protagonisten in einem Schwerpunktthema zu ihrer Meinung gefragt. Die Beiträge von Patrick Graichen (Direktor Agora Energiewende) oder von Robert Busch (Bundesverband Neue Energiewirtschaft) stehen bereits online.

Wo liegt das Problem?

„Vielleicht war das Unbundling im Strommarkt ein großer Irrweg, der am Ende sogar die Energiewende (Stromwende) zum Schweitern bringt.“ (blog.stromhaltig)

Wettbewerbshüter BNetzA
Wettbewerbshüter BNetzA

Die  Netzentgelte sind der Lohn der Verteilnetzbetreiber und stehen unter Kontrolle der Bundesnetzagentur. Der Endkunde zahlt auf seiner Stromrechnung an den Betreiber des Stromnetzes anteilig mit seinem Verbrauch die Kosten, die für den Betrieb der Kupferkabel in der Erde, den Umspannstationen und der Versorgungsstabilität notwendig sind.  Sehr viele Faktoren, die es schwer machen eine gerechte Höhe zu finden.

Zu teuer würde es sein mehrere Stromnetze parallel zu betreiben, daher gibt es für ein Gebiet immer exakt einen Betreiber, der durch die Kommunalparlamente im Zuge der Konzessionsvergabe beauftragt wird. Allein bei dieser Vergabe findet ein marktwirtschaftlicher Kampf statt, über dessen Gewinner in der Regel die Stadt- und Gemeinderäte entscheiden.

Netzsicherheit wichtig, Umweltverträglichkeit unwichtig?
Netzsicherheit wichtig, Umweltverträglichkeit unwichtig?

Der Preis, also die Netzentgelte, spielen beim Wettstreit der Anbieter gerade einmal eine 25% Rolle. Mit 20 Jahren sind die Vergabezeiträume zu lange, um sich von vorneherein über Nachkomma-Cent-Stellen zu streiten. Versorgungssicherheit für die Bürger hat ein deutlich höheres Gewicht. Qualität muss bezahlt werden. Nicht auszudenken ist, was passiert, wenn ein Verteilnetzbetreiber in finanzielle Schwierigkeiten geraten würde und Insolvenz anmelden müsste.

„Die Kollegen vom Netzbetrieb müssen mittlerweile sogar einen anderen Eingang und eine eigene Kantine benutzen.“ (O-Ton eines Stromversorgers)

Das in Deutschland zwischen Netzbetreiber und Stromversorger unterschieden wird, kam im Zuge des Unbundlings durch die Liberalisierung des Strommarktes. Seither sind die Netze meist in eigenständige Gesellschaften ausgegliedert, die vom Geschäft mit dem Stromkunden getrennt ist.

Eine Branchenexpertin erklärte gegenüber blog.stromhaltig,  dass Verteilnetzbetreiber zwar die Kosten für Kupferkabel und Transformatoren in den Netzentgelten weitergeben können, nicht aber die Investitionen in ein Smart-Grid. Verständlich wird damit, dass Demand Side Management nur in Pilotprojekten umgesetzt wird. Initiativen im Bereich des Smart-Grid als Feigenblatt bei den größeren, nicht vorhanden bei den kleineren. Wenn auch streng reglementiert, so sind die Netzbetreiber wirtschaftlich denkende Unternehmen, die am Ende des Tages eine möglichst hohe schwarze Null wünschen. Was im EBIT keinen Tubro-ROI hat, wird nicht gemacht.

„Die freie Wahl der Stromtarife wurde erkauft mit einer Scheintransparenz bei den Netzkosten“

Das in Deutschland über 800 Stromanbieter vorhanden sind, mit gleich vielen Netzbetreibern, ist durch das Unbundling gekommen mit dem eigentlichen Wunsch nach mehr Wettbewerb, der sich „positiv“ auf die Stromrechnung auswirkt. Ein positives Vorzeichen haben alle Stromkunden bekommen….

BDEW:;Roadmap Smart Grids
BDEW: Roadmap Smart Grids

Der einzige Punkt, bei denen die Interessen aller Beteiligten zusammenläuft, ist der BDEW. Dessen Präsidentin Müller lamentiert aber lieber über „konstruktive Prozesse bei gebotener Eile und bestehender Komplexität“ bei der EEG-Reform,  als im eigenen Haus aufzuräumen und konstruktive Vorschläge zu einem vernünftigen Marktdesign zu machen. Viel zu bequem ist der aktuelle Status-Quo, bei der zwei Parteien den Stromkunden die Innovationen bei den Stromtarifen nicht näher bringen. Viel zu bequem ist es die Hand für Probleme aufzuhalten, als Lösungsvorschläge auszuarbeiten. Das Reden über Smart Grid als Feigenblatt für einen Branchenverband.

Will die Bundesregierung Innovation in das Smartgrid bringen, so muss das Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) direkt nach der Sommerpause 2014 angegangen werden.

Geregelt ist das alle im Energiewirtschaftsgesetz. Dieses gehört dringendst aufgeräumt und fit für die Stromwende gemacht. Double-Digit-Einsparungen auf der Stromrechnung der privaten Kunden sind einfach zu realisieren, wenn man es wagt.

Netzentgelte, wie wir sie heute kennen, sind ein Relikt aus der Steinzeit der liberalisierten Strommärkte. Im Jahre 2014 sind wir einige Epochen weiter. Oder wie ist in den Kommentaren bei BIZZ Energy Today zu lesen:

In Australien wird das Thema Netzkosten bereits langsam abgehakt, über kurz oder lang wird es keinen weiteren allgemein finanzierten Netzausbau mehr geben. Leitungsstrecken können nicht mehr unterhalten werden. Dezentrale Stromerzeugung kann günstiger als zentrale Stromerzeugung sein.

Den Beitrag "Netzentgelte frei zur Reform? Oder doch lieber gleich das EnWG überarbeiten? offline Lesen:

6 Gedanken zu “Netzentgelte frei zur Reform? Oder doch lieber gleich das EnWG überarbeiten?

  1. Hallo Thorsten,

    unbesehen Deines Beitrags, habe ich im „Vorfeld“ – ich versuchte die „In Australien wird das Thema Netzkosten..“ einen Link zu finden – eine dt. Darstellung gefunden : Energie – Ost-Kunden zahlen beim Strom die Zeche

    Nun kann ich nicht beurteilen ob der Titel so stimmt, doch der Artikel wirf einen sehr „erleuchtenden Blick“ auf das Thema „Netzentgelte“. Sehr schön und auch für „Halblaien“ verständlich geschildert was da tatsächlich vorgeht – doch zunächst ein Satz darüber :

    ZITAT (blöd, das es keine Zitatfunktion gibt, Zitate sind generell problematisch, wenn diese nicht gekennzeichnet sind)
    „Netzbetrieb ist ein Geschäft mit sehr geringem Risiko, denn im Grunde kann der Netzbetreiber alle Kosten an andere abwälzen und bekommt vom Staat auch noch eine – nicht gerade kleine – Rendite zugebilligt“, sagt Sperling.
    / ZITAT

    Danach geht es unter dem hübschen Titel Netzkosten werden im Wasserfall-Prinzip durchgereicht weiter :

    ZITAT (Hervorhebungen von mir)
    Die Netzkosten werden für jede Netzebene, also die drei verschiedenen Spannungsebenen, ermittelt und dann in einer Art Wasserfall-Prinzip bis zum Endkunden durchgereicht. Das bedeutet, dass der Übertragungsnetzbetreiber dem Betreiber des Verteilnetzes seine Netzkosten in Rechnung stellt. Dieser wiederum gibt diese und seine Netzkosten an die Stadtwerke weiter, die sie dann ihren Kunden in Rechnung stellen.

    Profitieren können in diesem System nur Kunden, die sehr viel Strom brauchen. Sehr große Industrieunternehmen zum Beispiel. Denn die müssen nur die Netzentgelte bezahlen, auf deren Spannungsebene sich ihr Anschluss befindet. Hängt ein Unternehmen direkt am 380-kV-Netz, so muss es auch nur diese Netzentgelte bezahlen. „Damit wird honoriert, dass sie den Netzbetreiber von Kapital- und Betriebskosten für eigene Trafostationen entlassen“, erklärt Sperling.

    Die regional starken Unterschiede erklärt auch das nur zum Teil. Sperling hat hierfür vor allem einen Faktor ausfindig gemacht. Die Netzentgelte seien überall dort hoch, wo viel Aufwand betrieben werden müsse, um den Strom „an den Mann zu bringen“. Und der ist in Ostdeutschland höher. Das liegt zum einen an der deutlich dünneren Besiedelung. Um jedes Dorf in Südthüringen mit Strom zu versorgen, sind mehr Leitungen erforderlich als in einem Ballungszentrum wie Stuttgart. Auch wenn diese Leitungen oftmals schon seit den 30er-Jahren stehen, also längst abgeschrieben sind, fallen für den Unterhalt hohe Kosten an.

    …. Die Regulierungsbehörden sind für die Genehmigung der Netznutzungsentgelte und die Kosten für Messung, Messstellenbetrieb und Abrechnung zuständig. Dies macht für Haushaltskunden zirka ein Fünftel des Strompreises aus. [oder wer es so besser versteht 20%]
    / ZITA

    Das kann nur einen ersten Eindruck vermitteln, so deutlich und informativ habe ich noch nirgends etwas auch nur vergleichbares gefunden (was durchaus auch an mir liegen mag). Ich werde den kompletten Artikel der bereits seit November 2012 im Netz steht „sicherheitshalber“ speichern und in ein „privates“ PDF umwandeln.

    Wer sich der Mühe diesen Artikel komplett und sorgfältig durchzulesen unterzieht, versteht ganz sicher mehr als die meisten anderen „Staatsbürgen“.

    Antworten
  2. Zweiter Akt ! :mrgreen:

    Bei diesem „Wasserfall-Prinzip“ finde ich den Umstand für alle „dezentralen Stromlieferanten“ ein erheblicher Teil der inzwischen ca. 1,5 Millionen PV-Betreiber, also alle PV-Kleineinspeiser in den Ortsnetzen, nutzt definitiv lediglich die „unterste Ebene“, den Niederspannungsbereich (bis 1.000 V). Nochmal (für mich) „empörender“ lediglich zu 70 bis max. 80%, wenn der empirisch „erfasste“ Anteil der unvermeidbaren Selbstverbrauchs herangezogen wird.

    Leider ist noch niemand auf diese von mir mehrfach geäußerte (belegbare) „Behauptung“ eingegangen. Ein schwerer Fehler in der vorausgegangenen Diskussion um die „zusätzliche Belastung“ des selbst erzeugten und selbst verbrauchten Anteils an der eigenen Stromproduktion aus der eigenen PV-Anlage. Strom fließt – Fachleute sollten das wissen – nach den sog. Kirchhoffschen Regeln, diese wurden bereits vor ~170 Jahren 1845 von Gustav Robert Kirchhoff formuliert. Werde das Kirchhoff – Gesetze (auf Schülerniveau) bei mir mal verlinken.

    Auch wenn das nicht alle verstehen können und einige einfach ignorieren, ein Strom dem sich quasi „zwei Flusswege“ eröffnen, wird einfach nicht am „Bezugszähler“ des PV-Volleinspeisers vorbeikommen und zwangsläufig über eben diesen „Bezugszähler“ ganz oder auch teilweise fließen, dort Verbrauch in kWh „verursachen“, der sich durch nichts von der „üblichen Einspeisung“ aus dem Ortsnetz unterscheidet.

    Jede kWh die das EVU seinen Kunden verrechnet, wir mit dem „üblichen“ Aufschlag (darauf muss ich wohl nichtmehr eingehen) belegt. Das funktioniert so seit 1998 (25%) mit ständig steigender Tendenz und liegt nun im Vergleich zum „Nettobasispreis“ bei derzeit 52%.

    💡 Das Bemerkenswerte (falls es einer überhaupt bemerkt hat – bzw. er bemerken wollte !) dabei ist, der eigengenutze PV-Strom wird seit 1998, also seit ca. 16 Jahren !! zu 100% mit dem für alle „üblichen“ Aufschlag belastet. Damit bringt das novellierte EEG eine VERINGERUNG dieses Aufschlags für alle neuen PV-Betreiber von sage und schreibe 60 bis max. 70% !

    Das allerdings nur, wenn diese ihre Anlage im „Überschusseinspeiseverfahren“ (mit einem Zweirichtungsbezugszähler betreiben). Falls nicht, werden sie weiter mit vollen 100% auf ihren Eigenverbrauch belastet – wie alle anderen, die nach dem „Volleinspeiseverfahren“ abrechnen.

    Fazit, mir fehlen zu einer beweiskräftigen Schätzung die exakten Jahresleistungen die sich aus den Volleinspeisungen der abertausenden von PV-Kleinanlagen ergeben, auch die Annahme, eines fixen Prozentsatzes für alle müsste noch genauer definiert werden, doch einige GWh haben in jedem Jahr die heimische Hausinstallation niemals verlassen, tauchen dennoch bei allen Rechnungen die so angestellt werden auf. Oft zum „Beweis“ wir teuer „das Ganze“ durch durch die nun voll pervertierte sog. „Energiewende“ wird.

    Das besonders bemerkenswerte scheint mir in der Tatsache zu liegen, „KEINER“ hat auch nur den Versuch unternommen das bei den vergangenen Diskussionen zu thematisieren. Ich würde mich über jede Reaktion freuen, ganz besonders aber über Zurückweisung – da wäre ich an der Gegenargumentation sehr speziell interessiert – na bitte wer möchte einmal ???

    Antworten
  3. @Dissenter

    Gut möglich mit einer „Zweitanlage“ – bei einem laufenden – 20jährigen Vertrag eher unmöglich. Vertragstreue immer nur bei den Anderen zu fordern ist eher wenig mutig.

    Metaphorisch – wer seinen PKW abschafft, aber weiter mit Bus, Taxi, Fahrrad usw. diesen „Grid“ nutzt ist der nun „off-grid“ ? In einer Organisation wie D kann sich keiner gänzlich abkoppeln. Doch die Verhältnisse kritisch aufzeigen, um sie zu ändern, könnte ein Weg sein.

    Ansonsten; „sei nicht feige lass mich hinter den Baum !“

    Antworten
  4. EEG-Umlage Bayern verdienen 800 Millionen Euro an Energiewende

    Klingt erst mal ganz schlimm. Bayerns Anteil an der „EEG-Auszahlung“ liegt bei 24,9% für 2012. Der Anteil an der EEG-Stromerzeugung liegt bei 16,4% im selben Jahr. Trennt man nun den größeren Anteil den auf Grund der hohen Vergütungen der Anfangs- und der mittleren Jahre der PV-Erzeugung heraus, könnte man wie an diesem Beispiel sehr genau berechnen wieviel dieser „EEG-Auszahlungen“ über die Jahre von den betroffenen Volleinspeisern von ihnen selbst getragen wurden.

    Geht man von 20 bis 30% der Volleinspeisung aus, dürfte da ein „nettes Sümmchen“ an „Eigenfinanzierung“ der EEG-Auszahlung zusammenkommen. Sozusagen „obendrauf“ haben sie mit ihrem Eigenverbrauch (meist wohl unwissentlich) auch all die anderen Abgaben und selbstverständlich den Staat über die Umsatzsteuer mitfinanziert.

    Vier „Blöcke“ die zusammen den Strompreis bestimmen – wobei die (4.) Mehrwertsteuer „variabel“ von den übrigen „Blöcken“ abhängt :

    1. Basis : Erzeugung, Transport, Vertrieb

    2. EEG-Umlage 100% (davon anteilig 2014)
    48,3% = Photovoltaik

    24,7% = Biomasse (fest, flüssig, gasförmig)
    19,2% = Wind „onshore“
    05,5% = Wind „onshore“
    01,5% = Wasserkraft, DKG-Gase, Geothermie
    00,8% = Profilsserviceaufwand, Börsenzulassung und Handelsanbindung, Zinskosten, EEG – Bonus und Effekt Grünstromprivileg
    = 51,7%

    3. Abgaben & Steuer :

    Konzessionsabgabe
    Stromsteuer
    KWK-Umlage
    §19 Umlage
    Offshore Umlage
    AbLa-Umlage

    4. Mehrwertsteuer

    Antworten

Kommentar hinterlassen

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong> 

benötigt