„Der Anteil der Leistungsentgelte an den Netzentgelten sollte erhöht werden, um die wachsende Zahl der Energie-Autarken oder besser der sogenannten Energie-Autarken, stärker an den Netzkosten zu beteiligen.“ (Jochen Homann im Interview mit BIZZ Energy-Today)

An dieser Stelle zunächst einmal die Glückwünsche zum zweijährigen Geburtstag an der BIZZ Energy-Today.

Entschlüsselt man die Posten seiner Stromrechnung, so fällt ein Beitrag auf, der sich Netzentgelte nennt. Mit diesem Beitrag werden die Kosten getragen, die durch die Verteilung des Stromes in einem Netz entstehen. Wie fast alle Beträge auf der Stromrechnung, so sind auch die Netzentgelte abhängig vom Verbrauch.

Wettbewerbshüter BNetzA
Wettbewerbshüter BNetzA

Durch die Netzentgelte wird zum Beispiel die Bilanzabweichungen der Verteilnetzbetreiber umgelegt. Die Verteilnetzbetreiber sind verpflichtet für jede 15 Minuten des Tages den Verbrauch in ihrem Bilanzkreis zu schätzen und entsprechende Strommengen zu sichern. Wird mehr oder weniger Strom benötigt, so muss sogenannte Ausgleichenergie beschafft werden (vergl. Beitrag zu reBAP – Kosten der Ausgleichenergie).

Die Bezahlung der Netzentgelte erfolgt bei den Letzverbrauchern automatisch, durch den Stromversorger des Kunden an den Verteilnetzbetreiber.

Je Verteilnetz können die Netzentgelte unterschiedlich hoch sein. Tendenziell sind die Kosten im Osten der Republik höher als im Westen, einen Vergleich findet man zum Beispiel bei ene’t.  Da die Verteilnetzbetreiber ein Gebietsmonopol besitzen, ist die Höhe der Netzentgelte kontrolliert. Wettbewerbshüter ist dabei die Bundesnetzagentur (BNetzA). Neben Ausgleichenergie werden auch die Investitionen in das Verteilnetz (Netzausbau/Netzumbau) sowie alle benötigten Infrastrukturkosten umgelegt. Bei der Genehmigung der Netzentgelte durch die  BNetzA geht man davon aus, dass bis zu einer Eigenkapitalrendite von 9% die festgelegten Entgelte genehmigt werden.

Im Interview begründet Homann die Beteiligung der Eigenversorger mit den Worten:

„er trägt mit seiner PV-Anlage dazu bei, dass das Netz ausgebaut oder zumindest stabilisiert werden muss.“

Als Konsequenz sieht er eine höhere Gundgebühr und eine Absenkung der Leistungsgebühr. Besitzer von PV-Anlagen mit Speicher und Eigennutzung müssten dann einen höheren Anteil als bislang von der Netzentgelten übernehmen, wobei auf der anderen Seite stromintensive Haushalte überdurchschnittlich stark entlastet werden. Kaum oder nur eine geringe Veränderung dürfte sich für Energiesparer ergeben.

Besonders der im Interview ebenfalls genannte Vergleich mit den Kapazitätsmärkten legt nahe, dass der BNetzA Präsident bereits über eine Infrastrukturumlage nachdenkt.

Ebenfalls geht Homann auf den Bedarf eines europäischen Kapazitätsmarktes ein und verspricht sich dadurch eine bessere Planungssicherheit im Kraftwerkspark. Bedenklich ist, dass offensichtlich nur thermisch/fossile Kraftwerke unter diesen Kapazitätsmechanismus fallen würden. Gerne würde blog.stromhaltig das Modell des Hybridmarktes vorstellen, welches einen Kapazitätsmechanismus ausschließlich für die nicht thermischen/fossilen Kraftwerke vorsieht.

Rückfragen, an Herrn Homann:

  • Die Wechselrichter von PV-Anlagen helfen bei der Spannungshaltung im Verteilnetz. Unwichtig?
  • Durch PV-Anlagen wurden in Deutschland erfolgreich im Falle eines Netzausfalls eine Insel ausgebildet. Unwichtig?
  • Im Falle eines Kaltstarts spielen die Autarken eine wichtige Rolle, da sie die Initiallast bis zur Stabilisierung der Netzfrequenz reduzieren. Berücksichtigt?

(Bild zum Beitrag: A.Savin – CC BY SA 3.0)

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4 Gedanken zu “Höhere Netzentgelte für Eigenversorger wünscht BNetzA Präsident Homann

  1. Da verlangst Du aber viel Fachwissen von einem VWLer und jahrelangem Beamten 😉

    Im Ernst, wäre das nicht eine sinnvollere Alternative zur EEG-Umlage auf den Eigenverbrauch, da durch den geringeren Bezug des Stroms aus dem Netz auch weniger zu den Netzkosten beigetragen wirdß

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    • Muss ehrlich gestehen, dass ich selbst noch keine klare Linie habe, ob ich ich höhere Netzentgelte (auf Leistung verrechnet) oder höhere Grundgebühren besser finde. Auch bin ich mir noch unklar, ob es nicht eine Diskussion um Kaisers Bart ist, da die tatsächlichen Kosten der VNB wohl eher gering sind.

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  2. Hallo,
    hat den noch niemand kapiert, dass mit einer dezentralen Energiewende in Bürgerhand eine neue Zeit beginnt.
    Die alten, kapitalismus-orientierten Denkweisen sind somit vor.
    Aber in diesem Staat geht es ja nur um das Kapital und die Versorgung von Raubtier-Konzernen. Die Bürger sind nur mehr ein notwendiges Über zur Erzeugung von immer höheren Renditen, Gewinnen und Boni.
    Wie sagte Albert Einstein: „Die Probleme die es in der Welt gibt – sind nicht mit der gleiche Denkweise zu lösen, die Sie erzeugt hat.“
    Ich bin nur ein Verfechter von Demokratie und Gerechtigkeit.

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  3. lt. WIKIPEDIA „Netznutzungsentgelt“ sind :

    ZITAT
    Die Netznutzungsentgelte sind im liberalisierten Energiemarkt Entgelte, die Strom- und Gasnetzbetreiber für die Netznutzung zur Netzdurchleitung von den Netznutzern erheben.

    Netznutzer sind in der Regel – vor allem bei Privatkunden – die Lieferanten, größere Industriekunden nutzen aber zunehmend das Netz selbst und bezahlen den Strom- bzw. Gasnetzbetreiber direkt. Alle Netzbetreiber in Deutschland haben ihre jeweils gültigen Netznutzungsentgelte im Internet zu veröffentlichen.
    / ZITAT

    Das kann hier nur ein Auszug sein. Doch hier wird etwas bezahlt was „benutzt wird“.

    Jetzt kommt „Netznutzung à la 3Türiger Kleiderschrank“. Wer das Netz nutzen könnte – falls er es nutzen würde – falls er / sie es benötigen würde.

    Was sich anhört wie ein Witz ist (denen) todernst. Statt – was ein Land mit angeblich so cleveren Ingenieuren, ein Land der Denker und Erfinder – noch denken, erfinden kann, sind virtuelle Geldquellen. Es geht nicht darum das Netz zu verbessern, es dazu wenigstens teilweise abzuschaffen, weil „Netz“ im Grunde, genau wie die völlig unzulänglichen Gebäudehüllen, eine der veralteten Methoden sind Energie „großzügig“ zu verschleudern.

    Um was geht es dann ? Der status quo soll erhalten werden – schlimmer noch der „status quo ante“ ist das Ziel. Neue, auch physikalisch „zentralistische“ Gebilde sind das Ziel. Wenn das nicht geht, wird einfach virtuell „zentralisiert“. Da der „Verkauf“ von el. Energie an zentralen Plätzen längst von echten Strömen abgekoppelt ist, muss der echte Stromfluss dem angepasst werden und so wird Strom „virtuell“ in den selbst virtuellen neuen „Le Ventre de Paris“ gelenkt.

    Dann hat auch der el. Strom alle denkbaren Netze „genutzt“ um dadurch auch für alle völlig unbeteiligten zur Geldquelle zu werden. Strom „fließt zur Börse“ und dabei „nutzt“ er der Herr Strom „das Netz“ Punkt aus !

    Merke „liberalisiert“ ist getreu „Doppeldenk“ das Gegenteil von liberal – somit verwundert es nicht, dass die „Freiheit“ natürliche Phänomen (Sonne ist unbestreitbar „natürlich“) zu nutzen nun in ein Geflecht von Zwangsabgaben verwandelt wird. So wie ich „uns“ kenne, werden „wir noch viel Kluges dazu schreiben und sagen, ändern wird sich nix. Irgendwie sind wie bald in jeder Hinsicht in „1984“ angekommen…..

    Ach ja ein weiterer Blogger „Strom“ Auskunft“ kommt wegen :

    ZITAT
    Energiewende: Schuldenfalle für Stadtwerke?

    17. Juni 2014 By Björn Katz

    Laut einer Studie der Frankfurter Unternehmensberatung PwC, die die Bilanzen von insgesamt 150 kommunalen Energieversorgern zwischen den Jahren 2009 und 2012 ausgewertet hat, nimmt die Verschuldung deutscher Stadtwerke zum Teil kritische Ausmaße an. Ursächlich für die finanzielle Schieflage der Versorgungsunternehmen sollen ausgerechnet Entwicklungen im Rahmen der Energiewende sein.

    Konventionelle Stromerzeugung wird zum Minusgeschäft

    / ZITAT

    Zu „ableitbaren Schlüssen“ – weil etwas „billig“ zur Börse gelangt, muss es „irgendwie“ teurer werden – da bietet sich der „lange Weg nach Paris“ doch geradezu an – oder nicht ?

    Weil „Netzentgelt“ so präzise und eigentlich logisch auf den Grund hinweist für was da gezahlt werden soll, schlage ich vor alles unter der Bezeichnung „Notopfer Energiewende“ (in Anlehnung an das „Notopfer Berlin“) zukünftig zu „vermarkten“. Womöglich sollten auch andere „Quellen“ erschlossen werden. Schließlich steckt ja auch etwas für den „Rententopf“ im Preis für die „Brutto kWh“ – je „liberaler“ man mit den Gründen für eine Zahlung umgeht, desto weniger wird er Michel nebst Frau noch verstehen warum und wieso – und das ist gut so !

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