Gesicherte Stromversorgung: Eine Frage der Wahrscheinlichkeit. 1

Gesicherte Stromversorgung: Eine Frage der Wahrscheinlichkeit.

Wenn man, wie Arthur und Ford vorher noch einmal tief Luft geholt hat, dauert es dreißig Sekunden, bis man erstickt. Die Wahrscheinlichkeit, bis dahin von einem Raumschiff gerettet zu werden, beträgt 1 : 2267709.
(„Per Anhalter durch die Galaxis“ – Douglas Adams)

Per Anhalter durch die Galaxis, ein Buch, welches ein Meisterwerk des Spiels mit Wahrscheinlichkeiten ist.  Wenn etwas eintreten kann, dann tritt es ein, egal wie unwahrscheinlich es ist.  Problematisch werden Wahrscheinlichkeiten, wenn diese nicht quantifiziert werden können, und auch nicht erfasst werden.

Gerade Anhänger der Stromerzeugung aus Atomkraft haben eine pathologische Disposition zur Wahrscheinlichkeitsrechnung.  Ganz im Gegensatz zu den Kollegen der Stromerzeugung aus Erneuerbaren Quellen, für sie gehört eine Eintrittswahrscheinlichkeit zur Professionalität, ohne die auf dem Strommarkt kein Geld zu verdienen ist.

In unseren Breiten ist es recht unwahrscheinlich, dass in der Nacht die Sonne scheint. Kommt auch noch eine Flaute bei der Windkraft dazu, dann gehen in einer Welt mit 100% Strom aus Erneuerbaren mit Sicherheit nicht die Lichter aus. Doch warum?

Wir Menschen leben am Tage und schlafen in der Nacht. Die Folge ist ein Rückgang des Stromverbrauchs. Nicht auf 0, aber deutlich weniger als zum Beispiel in der Mittagsstunde. In einer Flaute Nacht sind damit nicht 75 GW an Erzeugung notwendig, sondern lediglich 30 GW. Natürlich besteht eine Wahrscheinlichkeit, dass am Morgen die Sonne nicht aufgeht, wenn der Verbrauch ansteigt. PV Anlagen speisen allerdings auch bei Regen und Hochnebel Strom in das Netz ein.

Bestandsaufnahme der gesicherten (nicht fossilen/atomaren) Stromerzeugung in Deutschland.

Energieträger Kapazität
Pumpspeicher 9,2 GW
Biomasse 5,8 GW
Laufwasser 4,0 GW
Gesamt 19 GW

Ja, rund 10 GW fehlen noch, dafür sind die Micro-BHKWs mit Biogas noch nicht in die Rechnung integriert.

Es gibt eine Wahrscheinlichkeit, dass zeitgleich in ganz Deutschland kein Wind geht. Diese liegt vor, wenn der seltene Fall einer Flaute im Norden mit dem Fehlen einer Föhn-Wetterlage an den Alpen zusammenkommt.  Es gibt aber auch eine Wahrscheinlichkeit, dass zwei große Kraftwerke gleichzeitig ausfallen. Bis zu dieser Größe ist das europäische Stromnetz nach dem Betriebshandbuch der ENTSOe abgesichert.

Großkraftwerke können nicht ausfallen? Dann ist die Explosion des Staudinger-Blocks im Mai ein bedauerlicher Einzelfall, der niemals zeitgleich mit dem Ausfall vom März in Wolfsburg passieren darf. Die Wahrscheinlichkeit, dass dies zeitgleich passiert trifft sich in etwa bei der voran genannten Wettererscheinung.

In der Wahrscheinlichkeitsrechnung gibt es sehr viele Fehleinschätzungen. Zum Beispiel das sogenannte Julklapp Paradoxon. Beim Wichteln, wie es zur Weihnachtszeit in Kindergärten und Abteilungen beliebt ist, ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass einer sein eigenes Geschenk aus dem Sack zieht, als die Wahrscheinlichkeit, dass jeder ein Geschenk eines anderen Teilnehmers erhält. Unabhängig von der Anzahl der Teilnehmer. Dem Paradoxon entkommt man, indem vorher Namen gezogen werden – zur not solange wiederholt, bis keiner seinen eigenen Namen hat. Durch Regeln wird die Wahrscheinlichkeit überlistet.

Regeln der Vernunft, die nur bestand haben können, wenn alle in der Gruppe  zusammen arbeiten. Bei der Stromerzeugung sind es die Betreiber der verschiedenen Anlagen, die Netzbetreiber und vor allem die Betreiber der gesicherten Leistungen. Nur so lässt sich das Juklapp Paradoxon bei der gesicherten Stromversorgung verhindern.

In Deutschland brauchen wir noch mehr Windkraft, Photovoltaik, Laufwasser und Biomasse. Natürlich auch Speicher und Haushalte die durch Eigenstromnutzung das Netz entlasten. Wir brauchen allerdings auch Mut, denn viel einfacher ist es Anhänger für das sogenannte Zero-Risk-Bias hinter sich zu versammeln.

„Viel schwerer sind die Leute davon zu überzeugen, dass sich manchmal ein kleines Risiko lohnt.“  (Patrick Bernau, FAZ)

Keiner will die Stromversorgung in Deutschland unsicherer machen. Aber mit dem Zero-Risk-Bias auf Stimmenfang zu gehen, wie es EE-Ausbau-Gegener gerne machen, ist unprofessionell.

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