Nach Meldung des Spiegels plant die Bundesregierung noch ganz schnell und ganz unwichtig Fracking in Deutschland generell zu erlauben. Genauso generell, wie es erlaubt ist in Deutschland ein nukleares Endlager zu bauen. Doreen Brumme schreibt in einem Gastkommentar auf der Sonnenseite sehr passend, warum die Eile besteht…

Seit dem 4. Juni berichten zig Medien hierzulande von einem Schreiben des Bundeswirtschaftsministers Sigmar Gabriel an die Vorsitzende des Haushaltsausschusses, Gesine Lötzsch, demnach die Regierung noch vor der Sommerpause eine gesetzliche Regelung für das Fracking plane.

Nach Infrastrukturumlage und EEG auf Eigenstrom (AKA: Sonnensteuer) ist das Thema Fracking der dritte Kandidat, der noch schnell durch den Bundestag geschoben werden soll, zu einer Zeit, wo das Fernsehprogramm keine Talkshows kennt und im 90-Minuten Takt gen Brasilien schaut.

Beruhigung gibt es nur, dass man sich zum Glück in Deutschland auf das NIMB-Symptom verlassen kann (=Not In My Backyard). Ein Symptom, von dem man spricht, wenn Personen generell für etwas sind, aber auf keinen Fall in der eigenen Nachbarschaft.

Der Spiegel hat es in seiner Meldung eigentlich sehr schön bereits beschrieben. In Baden-Württemberg sieht die CDU das Fracking kritisch, da man sich um den Bodensee fürchtet. Mit gutem Recht, denn die Bodensee-Wasserversorgung versorgt seit den 1970er Jahren nahezu das gesamte Gebiet von Baden-Württemberg mit Trinkwasser. Gerade zur Fußball-WM will man aber kein Trinkwasser, sondern Bier! Die bayrische Koalition sorgt sich daher  um die Qualität des Brauwassers.

Warum keiner in seiner Nachbarschaft die Förderung von Schiefergas haben möchte, erschließt sich vielleicht durch den Beitrag „Frag den Lesch“:

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Wer jetzt wissen will, ob er selbst Fracking in seiner Nachbarschaft befürchten darf, hier die Karte, wo bereits die Konzessionen für die Förderung in der Zuteilung sind:

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(Karte geteilt von Jörn Krüger)

Die große Hoffnung hinsichtlich Fracking besteht nun darin, dass die Diskussion ähnlich ausgeht, wie die Suche nach einem Endlager für Atommüll. Auch wenn Peter Altmaier zu seiner Zeit als Umweltminister gewünscht hat, dass es einen öffentlichen Diskurs vor der Weichenstellung gibt, so scheint es erst dann eine Meinungsäußerung zu geben, wenn vor der eigenen Haustür gebohrt wird.

Den Beitrag "Fracking und die Endlagersuche offline Lesen:

5 Gedanken zu “Fracking und die Endlagersuche

  1. Ich denke nicht, dass sich die Bürgerkritik als NIMBY-Egoismus oder Angst vor Allem neuen subsumieren lässt. Für mich ist es nur reiner Menschenverstand, sich gegen die Einführung einer überflüssigen und umweltschädlichen Technologie einzusetzen.

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    • Dann wurde mein NIMBY Hinweis falsch verstanden. Für mich ging es eher als Resignatuion, dass nun lokale Interessensgruppen dafür sorgen müssen, dass Fracking in Deutschland nicht kommt. Auch wenn mir viele generelle Gründe einfallen, sollten nun auch spezifische Gründe (wie das Bierbrauern) gesammelt und kommuniziert werden.

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  2. Nimby könnte das schlimmste tatsächlich verhindern. Super, dass du diese Karte rausgesucht hast. Wo findest du dieses Zeugs nur immer??

    Danke für den Link zu unserem Artikel. Werd den auch gleich auch noch bei uns im Originalartikel reingeben!

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  3. @Robert

    Warum so zimperlich ? Die erklärten und die trittbrettfahrenden Gegner von EE nutzen zum Teil mit perfider Einflussnahme jeden Idioten der etwas gegen „etwas“ hat – völlig gleichgültig warum. Und „wir“ unterscheiden „gentlemanhaft“ ob die Ablehnung einer Maßnahme die mindestens gefährlich genannt werden darf, aus quasi „niederen Motiven“ – aus Eigennutz – nicht akzeptabel wäre ?

    Wenn ich da nicht einer „Ente“ aufgesessen bin ist im „Norden“ ein Teil des Grundwasser mit Uran aus Phosphatdünger versetzt – womöglich ist dort ja längst gleichgültig ob „noch was dazukommt“ ?

    Dazu soll es übrigens auch eine Karte geben – kannst Du Thorsten das „was“ finden ?

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  4. Ein WM-Klassiker! Nach einem öffentlichen Diskurs sieht es in diesem Thema nicht aus. Herr Altmaier war weniger zugeknöpft als sein Nachfolger. Herr Gabriel stand für mehr direkte Demokratie als Sozialdemokrat. Er könnte eine Volksabstimmung anleiten.

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