Werden bei blog.stromhaltig die Daten des Stromnetzes analysiert, dann steht meistens am Anfang ein Bauchgefühl, es folgt eine Sammlung und Auswertung der Daten. In den allermeisten Fällen bestätigt sich, das Bauchgefühl, doch diesmal nicht. Wobei…

Für das Jahr 2012 liegen mittlerweile alle Daten vor, die den Erzeugungsmix von Strom betreffen. Abgedruckt auf jeder Stromrechnung findet man die Werte:

  • 21% Erneuerbare Energieträger gefördert nach EEG
  • 3% sonstige Erneuerbare

Verpflichtet sind die Anbieter nach §42 EnWG dies auf ihrer Internetseite zu veröffentlichen und auf der Stromrechnung anzugeben.

Die vier großen Energiekonzerne geben für das Bezugsjahr folgende Werte als ihren Konzernmix an:

EEG Sonst. Erneuerbar
RWE 27.10% 1.30%
EON 27.60% 5.50%
EnBW 23.00% 4%
Vattenfall 26.30% 16.50%
Deutschland 21% 4%

Damit lässt sich erst einmal feststellen, dass die 4 großen Versorger dafür sorgen, dass überdurchschnittlich viel des Stromes aus EEG-Anlagen an Letztverbraucher geliefert wird.  Leider ist die Aussage nicht ganz so einfach, denn  der Posten EEG-Strom folgt seiner eigenen Logik. Ein Branchen-Insider erklärte dies der Redaktion wie folgt:

Stromkennzeichnung gemäß §42 EnWG

Diese schreibt vor, dass alle Stromanbieter in ihrem Strommix ausweisen, welcher Anteil des gelieferten Stromes aus geförderten Quellen nach EEG stammt. Die Logik dahinter ist, dass Stromkunden ja EEG-Umlage zahlen und damit ein Recht haben, diese Mengen als geliefert ausgewiesen zu bekommen. Soweit so klar. Allerdings ist EEG-Strom in der Stromkennzeichnung gleichzusetzen mit Graustrom.

Das Ökostrom Problem
Alle nennenswerten Anbieter bieten spezielle Ökostromtarife an. Jeder der 4 großen Energieversorger hat einen solchen Tarif, der sich entsprechend anders zusammensetzt.  Da EEG-Strom aber Graustrom ist, wird es kompliziert. Der Branchen-Insider machte daher auf folgendes aufmerksam:

Im Ergebnis beschaffen Ökostromer für 100% der ausgelieferten Strommenge Herkunftsnachweise, dürfen aber nur z.B. 76% als nicht gefördert nach EEG ausweisen (und eben 24% als EEG-gefördert). Das Verfahren nennt sich „Kompression“ und ist Kunden kaum zu erklären. Denn die Strommkennzeichnung stimmt aus diesem Grunde nie mit der beworbenen Beschaffung überein. 

Und die Kleinen?

Wenn die vier Großen angeben, dass sie einen solch hohen Anteil an EEG gefördertem Strom in ihrem Mix haben, dann muss es Anbieter geben, die deutlich unter dem Schnitt liegen. Da bleiben Stadtwerke und kommunale Versorger, Discounter und Direktlieferanten. Bei über 800 Anbietern von Strom in Deutschland ist es nicht möglich alle zu überprüfen.  Nach einer Durchsicht einer Auswahl, kommt ein sehr eigenartiger Verdacht auf…

EEG
Stadtwerke Leizig 26.00%
Stadtwerke Düsseldorf 27.70%
Stadtwerke München 28.00%
Stadtwerke Bielefeld 23.30%
Stadtwerke Karlsruhe 28.80%
Stadtwerke Ludwigsburg 27.30%
Pfalzwerke 24.00%
Energieversorger Gera 29.00%
Yello Strom 29.40%
Stadtwerke Kiel 29.80%

Die Anbieter wurden rein zufällig ausgewählt. Rein von der statistischen Wahrscheinlichkeit hätten mindestens die hälfte der Anbieter einen EEG Stromanteil unter dem Durchschnitt haben müssen.

Irreführende Angabe für Deutschland

Auch wenn der Vergleich lediglich über die 4 Großen und 10 kleine Anbieter durchgeführt wurde, kann man doch davon ausgehen, dass der Verbraucher bei der Angabe des EEG geförderten Stroms nicht ganz aufgeklärt wird.

Auf allen Stromrechnungen ist der Mix für Deutschland angegeben und auf allen Stromrechnungen die des Anbieters. Der Verbraucher soll vergleichen können und stellt wahrscheinlich fest, dass er immer grüner ist als der Schnitt in Deutschland.

Wer bekommt unterdurchschnittlich EEG-Strom?

Nicht einsehbar sind die Daten der Großverbraucher, die teilweise Kraftwerke gepachtet haben, an der Börse kaufen, oder Direktverträge machen. Großverbraucher, die vielleicht sogar privilegiert sind und somit weniger EEG-Umlage zahlen, was damit auch dazu führt, dass sie weniger EEG-Strom bekommen (zumindest bilanztechnisch).

Ein Anhaltspunkt, dass die EEG-Privilegierten Unternehmen  (Karte) verantwortlich sind, findet sich in der Kennzeichnung bei Vattenfall dort wird für diese Kundengruppe mit dem Vermerk „Ausschließlich für Vattenfall Europe Sales Geschäftskunden relevant.“ kein Wert für EEG-Strom angegeben.  Spannend, denn wenn man bedenkt, dass gerade diese Kundengruppe meist mit günstigem Spotmarkt-Strom eingedeckt wird, der zu einem großen Teil aus EEG-Strommengen stammt, dann ist das eine ganz neue Facette des EEG-Paradoxon.

Den Beitrag "Bei den 4 Großen ist der Strom im Schnitt grünergrau - wie bei allen anderen auch offline Lesen:

4 Gedanken zu “Bei den 4 Großen ist der Strom im Schnitt grünergrau – wie bei allen anderen auch

  1. Grundsätzlich gilt bei Ökostrom: Es wird bilanziell geliefert. Soll heißen: Bei Flauten oder Dunkelheit, wenig Laufwasser oder Biomasseangebot kommt der Strom aus dem KKW oder Kohlekraftwerk der Nachbarschaft. Ohne dass es ja auch kein stabiles Netz geben kann…

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  2. Vermutlich stehe ich auf dem Schlauch, ähm auf der Leitung,

    Strom „fließt“ nur dann, wenn er fließen kann. Für jene denen das angesichts eines mehr als komplexen Netzwerks aus „Niederspannungsnetzen“, „Mittelspannungsnetzen“ und „Hochspannungsnetzen“ da einfach innerlich „abschalten“, ein einfachst Beispiel :

    Eine Stromquelle, ein Schalter, ein Lämpchen und Leitungen die alles ordentlich miteinander verbinden. Da ist erst mal „Spannung“ vorhanden – weil hoffentlich die Batterie (Stromquelle) noch nicht „leer“ ist. Bei offenem Schalter ist das Lämpchen aus und es fließt auch KEIN Strom.

    Das wäre auch bei geschlossenem Schalter so, wenn das Lämpchen herausgeschraubt wird oder sein „Glühfädchen“ unterbrochen ist, auch dann fließt KEIN Strom. Der Vollständigkeit halber, auch die Leitung darf nirgendwo unterbrochen sein – auch dann fließt KEIN Strom !

    Ist alles OK und ist auch der Schalter geschlossen, fließt nun EIN Strom – toll !

    Wer das begriffen hat, wird auch verstehen, nur wenn EIN Strom fließt, dreht sich auch der Zähler )den ich schnell mal wie einen Schalter eingebaut habe).

    Ersetzt man die Batterie durch eine PV mit Wechselrichter und dem „PV-Ertragszähler“, sollte jedem nun hoffentlich klar sein, der Zähler dreht sich nur, wenn „da draußen“ genügend „Lämpchen“ glühen. Was da aus der PV kommt, dreht also nur den Zähler, wenn die „Abnehmer“ (die „Lämpchen“) auch alle eingeschaltet sind. Da gibt es womöglich Zeiten, wo die Sonne es sehr gut meint, aber kaum jemand „etwas eingeschaltete hat“.

    So kann man sagen, das „Netz“ kann nur „aufnehmen“, was irgendwo im Netz verbraucht wird. Da bleibt auch nix irgendwo hängen (bis es dann doch einer braucht) Strom fließt eben nur, wenn er was zum fließen hat. Bei meinem PV-Ertragszähler (darüber bekomme (nicht nur) ich später meinen „Ertrag“ bezahlt) ist das auch so. Was der also gezählt hat, war ECHT ! Was der eventuell nicht zählen konnte, weil keiner sein „Lämpchen“ einschalten wollte, werde ich nie erfahren. Wo nix fließt, wir auch nix bezahlt.

    Damit ist klar, wenn Ende eines Jahres soundsoviel kWh aus PV bezahlt werden, wurde diese Leistung auch tatsächlich erbracht. Es war dann immer eine Reihe von Abnehmern da, die diesen und gern auch den von WKA „brauchen konnten“. Weil das mit den PV aber bereits im Ortsnetz geschieht, kommen „leider“ die weiterlaufenden Kohle- und Atomkraftwerke nicht in dieses O-Netz. Doch dafür sind die wunderschönen Hochspannungsmasten da, die liefern was „zu viel ist“ auch gern zu unseren Nachbarn oder in Ecken wo der PV-Ausbau noch nicht so weit fortgeschritten ist. Teuer, aber das Zahlen ja die „Staatsbürgen“ über Steuern gerne und seit Jahrzehnten.

    Der Trick ist nun, den Strom der eigentlich NUR gleich „vor Ort“ im O-Netz fließt, dort herauszurechnen um ihn (den Strom) nach Paris zu schicken (der soll halt auch mal in die weite Welt gelangen). Dort wird der dann billig verkauft, weil ja sooooviel davon da ist – was alle immer wieder überrascht. Und wenn sie nicht gestorben sind…..

    Ach ja egal was es ist, Spargel aus Schwetzingen oder aus Brandenburg, Tomaten aus Spanien usw. es ist völlig egal – Hauptsache es ist für jeden der gerade welche haben möchte genug da. So ist es auch mit dem Strom ! Wenn mal zu viel da wäre (was ja nicht möglich ist s.o.) müsste man den (vorher) einfach in ein „Fass“ laufen lassen – möglichst da wo der Strom noch „jung“ ist. Bei Tomaten hat man schon mal Kühlhäuser gebaut, die dummen Landwirte bringen es seit mehreren tausend Jahren fertig, auch außerhalb der „natürlichen Erntezeiten“ sich und uns zu ernähren.

    Nur blöde E-Ingenieure und überaus intelligente Politiker, denken SOWAS geht ja bei „Strom“ nicht. Da verbrennen wir lieber Tag und Nacht Tonnen von Kohle – egal ob da jemand was braucht. Bei Sonne der das egal ist ob sie kostenlos mein Dach aufheizt oder mit einem kleinen Trick in Elektrizität umwandelt wird, finden das einige noch immer zu teuer, weil es so billig ist…. :roll:

    Gerade intelligent scheint mir das nun alles wirklich nicht….

    Ach ja, ich kenne Gleichstrom, Wechselstrom und Drehstrom – was bitte ist „Reststrom“ ? Hängt da doch noch was in den Leitungen herum ?

    Genügt es nicht, (um das Netz „stabil“ zu machen), wenn alle Hochspannungsmasten gut einbetoniert sind und auch diese Trafos gut festgeschraubt sind ? Oder meine PV auch bei Sturmwind und Regen nicht vom Dach fällt ?

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