Geht es um die Kosten, die für die Erzeugung von elektrischer Energie angesetzt werden, so gibt es einen magischen Punkt, um den sich sehr vielen Mythen ranken: Die sogenannten Grenzkosten der Preis, der erzielt werden muss, um die Brennstoffkosten zu tragen. Ab diesem Verkaufspreis für Strom, macht der Betreiber einen positiven Deckungsbeitrag.

Da die Grenzkosten für flexible Gaskraftwerke sehr hoch sind, kommen diese entsprechend der Merit Order erst bei stärkerer Nachfrage – und damit steigendem Strompreis – zum Einsatz. Unflexible Kohlekraftwerke können dagegen bis zu einem relativ niedrigen Strompreis rentabel betrieben werden.

Mit Hilfe eines Online Rechners für Grenzkosten kann man ermitteln, wie teuer die variablen Kosten (Brennstoffkosten) für eine Kilo-Watt-Stunde Strom aus einem heutigen Kohlekraftwerk ist. Man kann sehen, dass es zwei wichtige Parameter gibt:

  1. Brennstoffkosten (ca. 85€/Tonne)
  2. Wirkungsgrad (je nach Anlage: 30%-45%)

Der Wirkungsgrad gibt an, wie Brennstoff für eine Einheit „Strom“ benötigt wird. Bei einem Wirkungsgrad von 50% rechnet Siemens mit 288g Kohle pro Kilowattstunde. Ein Rückgang oder Anstieg des Kohlepreises wirkt sich ebenfalls linear auf die Grenzkosten eines Kraftwerkes aus.

Durch den Online Rechner kann man verschiedene Szenarien verproben und den entsprechenden Grenzkostenpreis ermitteln. Auffallend ist dabei, dass sich die Preise an der Strombörse entlang dieses Preises entwickeln. Dadurch können ein paar sehr interessante Zusammenhänge ermittelt werden.

Mythos Erneuerbare als Preisdrücker

Der Stromerzeugung und Vermarktung aus Erneuerbaren Quellen wie Wind und Sonne wird gerne vorgeworfen, dass sie mit Grenzkosten von nahe 0 arbeiten würden und damit Schuld am Preisverfall an der Börse sind. Sicherlich gibt es einige Ausbrecher des Börsenstrompreises, aber mit dem Rechner kann für den Mittelwert gezeigt werden, dass der Trend dem Brennstoffpreis und dem Wirkungsgrad der Kohlekraftwerke entlang entwickelt. Ermittelt werden kann eine Signifikanz von 94%  im 5 Jahresvergleich.

Eine Börse ist im Prinzip wie eine große Auktion. Von kleinen Auktionen, ist ein Phänomen bekannt: Der Zweite bestimmt den Preis. Nicht der Gewinner. Geht man die einzelnen Gebote bei einer Auktion durch, dann sind irgendwann gegen Ende nur noch zwei Bieter im Rennen. Sobald der vorletzte Bieter den Preis nicht mehr trägt, erhält der verbleibende Bieter den Zuschlag.

In einer Welt, in der es nur fossile und nukleare Kraftwerke gab, waren die Gewinner die Kernkraftwerke, solange die Erzeugung aus diesen Kraftwerken ausreichte um die Nachfrage zu decken. Der Preis wurde aber auch in dieser Welt über die Kohlekraftwerke gesetzt.

Wind- und Sonnenstrom haben wegen ihrer Flexibilität auf die Nachfrage gedrosselt zu werden die Rolle der Kernkraftwerke verdrängt. Preisbestimmend sind aber weiterhin die Kohlekraftwerke.

Braunkohleschwämme, die

Das Aufblühen der Verstromung von Braunkohle hat ihre Ursachen darin, dass durch den extrem niedrigen Kohlepreis und die Quersubventionionierung des Abbaus die Grenzkosten künstlich gedrück werden. Dadurch entsteht ein sehr starkes Angebot, welches ausreicht, um kaum Nachfrage für flexible Gaskraftwerke am Markt aufkommen zu lassen.

Flexible Kraftwerke werden in einem Markt, bei der ein Energieträger Überkapazitäten besitzt nicht zum Zuge kommen. Diese Kraftwerke müssen daher ihr Angebot auf einem anderen Markt – in einer anderen Auktion – anbieten.

Der Ausweich Markt für Gaskraftwerke ist aktuell das Angebot von Regelenergie. Dieser Markt ist aber nicht dafür gedacht, dass es ein sehr großes Handelsvolumen gibt. Der Strommarkt der Regelleistung  ist geschaffen, um unvorhergesehene Abweichungen im Verbrauch abzufedern.

EEG-Umlage und Börsenstrompreis

Ein Teil der EEG-Umlage berechnet sich auf Basis des Börsenstrompreises. Das als EEG-Paradoxon bekannte Phänomen entsteht, da der größte Teil des EEG-Storm an der Börse verkauft werden muss. Geht der Börsenpreis nach unten, so gehen die Erlöse der Übertragungsnetzbetreiber zurück. Da die Übertragungsnetzbetreiber den Anlagenbetreiber eine feste Summe zahlen müssen, wird die Differenz aus dem Börsenstrompreis und der Zahlungsverpflichtung durch die EEG-Umlage gezahlt. Ein Rückgang des Börsenstrompreises sorgt damit für einen Anstieg der EEG-Umlage.

Vereinfacht kann man sagen, dass die Grenzkosten der Kohlekraftwerke die Höhe der EEG-Umlage bestimmen.

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4 Gedanken zu “3,2,1…. Strompreis powered by Kohlestrom

  1. Super Artikel!
    Die zunehmende Kohleverstromung wird übrigens auch durch den nicht funktionierenden EU-Emissionshandel weiter befeuert. Eigentlich sollte der Preis für den Ausstoß einer Tonne CO2 bei 30 Euro liegen, dümpelt aber seit Jahren bei 5 Euro rum (Stand heute: 4,40 Eur). Solange der Emissionshandel nicht repariert und die große Anzahl im Umlauf befindlicher Zertifikate reduziert wird, kann auch kein effektiver Klimaschutz in Europa vorangebracht werden.

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  2. „Eine Börse ist im Prinzip wie eine große Auktion. Von kleinen Auktionen, ist ein Phänomen bekannt: Der Zweite bestimmt den Preis. Nicht der Gewinner. Geht man die einzelnen Gebote bei einer Auktion durch, dann sind irgendwann gegen Ende nur noch zwei Bieter im Rennen. Sobald der vorletzte Bieter den Preis nicht mehr trägt, erhält der verbleibende Bieter den Zuschlag.“

    Der Vergleich einer Börse mit einer Auktion des Meistbietenden ist leider nicht korrekt. Während bei der Auktion immer neue, höhere Einzelgebote (für ein einziges Handelsobjekt) gesetzt werden, wird an der Börse eine Vielzahl von Kauf- und Verkaufswünschen (einer vielzahl von gleichartigen Handelsobjekten) auf enimal abgewickelt. Anschließend gibt es eine neue Runde, inder abermals die Orders für eine vielzahl von Hadelsobjekten „auf einen Schlag“ gehandelt werden.)
    Dabei wird vereinfacht gesagt in jeder Runde, derjenige Kurs/Preis ermittelt, mit dem das größte Volumen geahndelt werden kann. Käufer setzen dabei immer einen Maximalpreispreis (und eine Menge) und Verkäufer einen Minimalpreis (und eine Menge), und der tatsächliche Verkaufspreis für die Kontrakte wird dadurch ermittelt, dass man die Angebote angefangen mit dem nedrigsten Preis den Gesuchen angefangen beim höchten Preis slange gegenüberstellt, solange das Gebot unter dem Gesuch bleibt. Der Kurs/Preis mit dem dann *alle* Orders zu Kontrakten werden, ermittelt sich dabei aus dem höchsten aller benötigten Angebote.

    Die Schlußfolgerungen sind sehr ähnlich, an einem Detail aber deutlich anders. Dass nicht „der Gewinner“/“die zustandegekommenen Kontrakte“ den Preis bestimmen kann man so noch uneingeschränkt stehen lassen. Dass „der Zweite“ den Preis bestimmt, muss man aber schon differenzierter, als „der teuerste gerade noch benötigte Verkäufer“ umformulieren. Und genau damit verändern sich die Betrachtungen und auch auch die Schlussfolgerungen ein wenig.
    Zunächsteinmal muss man sich überlegen, wie der EEG Strom dort in Form als Verkaufsorder platziert werden soll, wenn die gesetzliche Vorgabe, vor jedem anderen Strom verkauft zu werden, einghalten werden soll? Klarer Fall, die gesetzliche Vorgabe kann nur dann eingehalten werden, wenn der gesamte EEG-Strom aus Verkaufsgebot mit einem Preis von *Minus Unendlich* platziert wird. Also eben nicht Grenkosten von nahe 0, sondern faktisch beliebig darunter, sozusagen mit x-beliebig hoher Mitgift. Der EEG Strom wird also nicht einfach nur verrammscht, wenn es blöd läuft, bestimmen auch noch die Käufer wie hoch die Provision sein soll, zu der sie den Strom abnehmen!

    Es stimmt also nixht ganz, dass Kohlekraftwerke den Stromperis bestimmen, das ist zwar die meiste Zeit der Fall, aber mitunter bestimmen eben auch mal teuerere Kraftwerke den Preis oder mit der paradoxwen Art den EEG-Strom zu handeln auch mal der Käufer, nämlich genau dann, wenn der EEG-Strom mehr als 100% der Nachfrage ausmachen würde!
    Jetzt könnte man meinen, dass was für ein Glück, dass die maximale Einspeisung aus Wind, PV & Co. bisher noch nicht (ganz selten?) zu irgendeinem Zeitpunkt 100% des Strombedarfs decken konnten und immer noch konventionelle Kraftwerke benötigt werden! Das stimmt so aber nciht, denn der EEG-Strom wird am Spotmarkt (intra-day) gehandelt, während die konventionellen Kraftwerke und auch die Stromkäufer den größten Teil des Bedarfs mit Termingeschäften Jahre, Monate, Wochen und Tage im voraus tätigen.

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    • Zu den Produkten am EPEX Spotmarkt gehört nach Angaben des Betreibers auch die Day-Ahead Auktionen – selbst. Bei Limit-Orders im Intraday Geschäft ist der Handel dort aber schon mit der Wirkung eines Höchstpreises/Mindespreises bei einer Online-Auktion vergleichbar :)

      Ergänzend sei zum letzten Teil des Kommentares gesagt, dass EEG Strom nur an den Spotmarkt darf – ein konventionelles Kraftwerk an beide Märkte (vergl. Beitrag zu Hedging, die EEG finanzierte Heißreserve).

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      • Danke für die deutlicher Darlegung des letzten Teils meines Komentars, genaus so war das gemeint, nur viel zu verschwurbelt formuliert.

        Den von dir gebrachten Vergleich mit den Auktionen ist völlig ok, er ist einfacher zu verstehen.
        Der entscheidende Unterschied auf den ich hinauswollte ist, dieses zusätzliche Element, dass bei besonders hoher Einspeiseleistung, der Wert des EE-Stromes plötzlich vom Kaufer bestimmt wird und den Käufer dabei gleichsam ein direkter und unlimiterter Durchgriff auf das EEG-Konto eingeräumt wird, der letzlich sogar die Nullzinspolitik der EZB und auch deren unbegrenzten Ankauf von Staatsanleihen noch locker in den Schatten stellt, denn hier gibt nicht nur Energie für Lau sondern auch noch geschenktes Geld, das anders als Kredite niemals zurückgezahlt werden muss.
        Es ist nur eine Frage der Zeit, bis dieses Konstrukt die Energiewende (das EEG-Konto) in den Ruin treibt. Das wirft ein ganz anderes Schlaglicht auf die EG -Reform und die darin verankerten Deckel in nahezu allen Bereichen erneuerbarer Energie. Mir gefällt diese Vollbremsung die da hingelegt werden soll zwar eigentlich nicht, aber sofern kein Kompromiss für anderes Marktmodell für EEG-Strom gefunden werden kann, halte ich das tatsächlich für notwendig, um die Energiewende nicht in den kommenden Jahren gegen die Wand zu fahren.

        Leider sind die Fronten bei möglichen Marktmodellen sehr verhärtet und sämtliche Vorschläge werden primär aus jeweiligen Ideologie heraus bewertet und unmitelbar abgelehnt.

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