Der Unterschied zwischen einer Nachricht und einer Meinung ist, dass das eine möglichst objektiv ist, das andere subjektiv. Hoffentlich wird bei den Beiträgen von blog.stromhaltig allein an der Wortwahl erkannt, dass hier bewusst Meinungsbildung aktiviert werden soll.

Wenn am Wahlsonntag für Kommunalwahlen und Europawahl  „Der Nachrichtensender“ aber etwas veröffentlicht, dann sollte es objektiv sein. Unter der Überschrift „Versorger Enervie will den Stecker ziehen“ veröffentlicht der DPA Redakteur Rolf Schraa und n-tv ein Meisterwerk der Meinungsbildung.

EB-JournalismusEines der größten Probleme von Nachrichtenagenturen ist wirklich der Zwang zur Objektivität. Der Leser will informiert und nicht beeinflusst werden. Klar, man liest auch gerne mal eine Meinung oder Kommentar, aber zunächst zählt die Nachricht. Welche Information hilft dem Stimmvieh das Kreuz bei dieser Wahl zu setzen?

Der südwestfälische Energieversorger Enervie kündigt die Stillegung einiger Kraftwerke an. Man will sich aus der Stromerzeugung zurückziehen. Neu ist lediglich die Meldung, wie man sich entschädigen lassen will. Anstelle einiger weniger Stromkunden, sollen alle Kunden im Bereich des Amprion Übertragungsnetz die Kosten der Fehlplanung kompensieren.

Die Enervie Gruppe befindet sich schon einige Zeit im Umbau. Was am Wahlsonntag eine Meldung ist, war bereits im September 2013 zur Bundestagswahl ein Thema (vergl. Beitrag bei Der Westen). Auch bekannt die wirtschaftlichen Herausforderungen die entstehen, wenn Gewinne ausbleiben:

Weiterhin im Trüben fischt derweil Hagens Kämmerer Christoph Gerbersmann in puncto Enervie-Dividende. Sollte diese, wie zuletzt signalisiert, tatsächlich in den nächsten Jahren ausbleiben, müsste die Stadt den Ausfall durch erhöhte Schuldenaufnahme und entsprechende Zinszahlungen kompensieren. (Quelle: Der Westen – WAZ-Gruppe).

Der inhaltliche Link zur Kommunalwahl ist damit hergestellt und wird in der DPA/n-tvMeldung aufgegriffen. Warum am Freitag die gleiche Meldung bei „Die Welt“ ohne einen Link zur Europawahl auskommen musste, ist unbekannt. Bei der Sonntagsmeldung darf er nicht fehlen: Die geringe Nachfrage nach Storm im Süden Europas ist wegen der Krise schuldig… Wir lernen, dass der Börsenpreis für Storm im Keller ist, weil die Südeuropäer zuwenig Strom verbrauchen. Spannende These, die leider nicht weiter ausgeführt wird, aber im Hinblick auf Price-Coupling-Regions (PCR) vielleicht einige Einblicke geliefert hätte.

Quelle der neuen Meldungen ist die Pressemitteilung des Unternehmens vom Freitag den 23.05.2014. Darin enthalten:

Strittig ist noch, wer zwischenzeitlich die Kosten des Betriebs der Kraftwerke tragen muss. ENERVIE sieht hier eindeutig Amprion in der Pflicht und hat vor diesem Hintergrund kürzlich auch einen Missbrauchsantrag gegen Amprion bei der BNetzA gestellt.

Kosten, Betrieb, Kraftwerk, Netze … was für eine schöne Mischung. Größte Eigentümer der Enervie-Gruppe sind die Städte Hagen und Lüdenscheid. Daraus lässt sich der Haushalt der Städte und die Quersubventionierung des Nahverkehrs über Einnahmen aus dem Kraftwerksbetrieb ableiten. Leider vergisst man, dass von einem Euro Gewinn 19 Cent an die RWE gehen würden, den dritt größten Eigentümer (vergl. Firmenseite). Das Unternehmen mit 400.000 Kunden sollen 34,4 Millionen Kunden  der Stadtbahn subventionieren (Quelle: Zahlen/Daten HVG), die sich selbst als Motor für die Wirtschaft in Hagen sieht (vergl. Imagebroschüre).

Vielleicht wird ein Schuh daraus, wenn man eine weitere Meldung aus dem Mai 2013 liest. Vor einem Jahr hatte der Papierhersteller Stora Enso angekündigt, dass er ein eigenes Kraftwerk auf dem Werksgelände bauen will. Bis dahin wird man weiter von einem Mark-E (Enervia Gruppe) Kraftwerk aus der Nähe mit Dampf und Strom versorgt.

Eine kleine Besonderheit kommt noch hinzu, die man auch bei n-tv/dpa kennt:

Verschärft wird die Lage durch den Umstand, dass Enervie in der Märkischen Region ein sogenanntes Inselnetz betreibt, die einzige Anbindung an das Übertragungsnetz ist zudem leistungsmäßig begrenzt. (Quelle: Wochenkurier / September 2013).

Stromnetze, ihre Planung, Ausbau und Kopplung mit anderen Netzen entstehen nicht über Nacht. Meist auch nicht in 10 Jahren. Wieso man eine fossile Insel geschaffen hat, die sich vom Deutschen Stromnetz abhängt ist unklar. Vielleicht sollte man den Verteilnetzbetreiber in Hagen einmal fragen, dies ist die Enervie-AssetNetWork. Die Stadträte, die hier eine Konzession vergeben haben, haben mit Sicherheit auch geprüft, wie der Versorger eine sichere Lieferung bewerkstelligen kann.

Schade, dass in Südwestfalen – laut dem Strommix-Navigator – lediglich 4% des Jahresstroms aus Sonne und Windkraft stammt. so wird eine eigentlich interne Diskussion zwischen RWE-Tochter Amprion, RWE Beteiligung Enervie, der Stadt Hagen, den Stadträten Hagen, dem Kämmerer in Hagen zu einer Stimmungsposse im Gewand einer Nachricht.

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