Frühbucher – oder Last Minute? In diesen beiden Kategorien lassen sich die Schnäppchenjäger bei der Urlaubsbuchung unterteilen. War es früher am günstigsten, wenn man die Restposten bezogen hat, dann geben heute die Frühbucher meist weniger Geld für ihren Urlaub aus. Diese Branche hat sich gewandelt, ein genau gegengesetzter Wandel findet aktuell auf dem Strommarkt statt.

Frühbucher kaufen ihren Strom bei der EEX als langfristige Lieferverträge. Last-Minute-Bucher am Spotmarkt, der EPEXSpot. Das wirtschaftliche Risiko für eine Fehlentscheidung, trägt der Stromkunde.

Mit gepackten Koffern an den Flughafen gehen und dann für wenig Geld irgendwo hin, ist heute nicht wirklich ein Schnäppchen. Was der Kunde ausnutzt, ist eine Fehlplanung, die der Veranstalter in der Vergangenheit gemacht hat. Der Urlauber nutzt Überkapazitäten.

Ähnliches Spiel am Spotmarkt für elektrische Energie (Strom). Rein theoretisch sollten an diesem Markt nur Überkapazitäten gehandelt werden, d.h. Strommengen, die man im Vorfeld zuviel oder zuwenig beschafft hat. Ausgleichsenergie im Day-Ahead Bereich. Super-Lastminute für Strommengen.

Die Reiseveranstalter waren clever. Nachdem immer mehr Urlauber auf die Idee kamen in letzter Minute eine Entscheidung für ihre Erholungsreise zu treffen, haben sie das Preismodell umgedreht. Satte Frühbucherrabette für alle, die sich möglichst früh entscheiden. Das Angebot an Last-Minute reduzieren und den Preis deutlich erhöhen. Kein Angst, der Kunde wir insgesamt (mehr) zahlen. Das geht solange, wie die eigentlichen Anbieter (Hotels, Fluggesellschaften, etc..) auf beiden Märkten anbieten können.

Die Diskrepanz zwischen dem Markt für Frühbucher und Spätentscheider ist der Hauptgrund, warum die fallenden Strompreise nicht beim Endkunden ankommen (…davon abgesehen, dass nur ein sehr geringer Teil des Strompreises tatsächlich von den Einkaufspreisen der Stromanbieter abhängig ist…).

Einem großen Teil der Stromerzeugung in Deutschland ist der Zugang zum Frühbuchermarkt verwehrt. Fast die gesamte Erzeugung von Strom aus Wind und Sonne gibt es nur „Last-Minute“.  Frühstens einen Tag vor Abflug kann, wenn man über die Börse verkaufen will ein Käufer gefunden werden.

Stromanbieter haben damit zunächst einmal ein Problem. Sie kennen ihre Kunden und deren Verbrauch. Planungssicherheit bedeutet hier möglichst frühzeitig den Preis zu kennen, den man zahlen muss. Die Stromkunden geben einem immer gleich viel Geld. Der Stromanbieter ist daher gern ein Frühbucher.

Last-Minute sind die Industriekunden, die kurzfristig große Mengen schieben können. Es sind auch die Verteilnetzbetreiber, die ohnehin ständig ihren Fremdbezug an die tatsächlichen Gegebenheiten anpassen müssen. Diese Gruppen profitieren von den Last-Minute-Schnäppchen  – und damit von den fallenden Strompreisen.

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