Im Jahre 2013 wurde soviel Strom wie noch die zuvor von Deutschland an die Nachbarländer exportiert. Ein Blick auf die Statistik der ersten 4 Monate des Jahres zeigt für dieses Jahr ein rückläufiger Trend.

Etwas wundersam, soll doch die Kopplung der Märkte (kurz PCR) dazu führen, dass der Austausch von Strom in Europa grenzenlos wird. Eine Kupferplatte soll Europa werden, bei dem die Netzkupplungen zu den Nachbarn ideal ausgenutzt werden. Tennet TSO nennt es in einer aktuellen Pressemitteilung:

Wegweisender Schritt in Richtung eines integrierten europäischen Energiemarktes

Erwartungen nicht erfüllt?

Die Idee hinter der Marktkopplung „Price Coupling Regions“ ist recht einfach erklärt. Gibt es in Deutschland mehr Strom, als abgenommen wird, so dreht der Strompreis am Spotmarkt in den negativen Bereich. Die Lösung ist, man exportiert diesen Strom an die Nachbarländer und verringert somit das Angebot für den Deutschen Markt – und erhöht das Angebot im Nachbarland.  Die Netzkopplung zwischen den Ländern ist allerdings nicht beliebig groß, so dass ein Engpass verwaltet werden muss. Die Lösung der EPEXSpot ist eine Formel, mit der aus einem nationalen Angebot eines Landes – unter Berücksichtigung der verfügbaren Leitungsgrößen – das Angebot eines anderen Landes erhöht wird.

Die Einführung von PCR in den letzten Monaten und der jetzt aktiven Kopplung von NordWest mit SüdOst Europa hat zu einem sehr großen Markt geführt, bei dem es aus Sicht des Handels immer ideale Auslastungen der physikalischen Netzstruktur gibt. Für Deutschland konnten so die negativen Strompreise am Day-Ahead-Markt weitgehend verhindert werden.

Stromexport 01.01. bis 30.04. in MWh

Jahr Import Export Differenz
2012 10.226.960 12.859.429 +2.632.469
2013 4.792.909 20.470.326 +15.677.417
2014 9.951.358 11.734.806 +1.783.448

(Daten ENTSOe – Aufbereitung: blog.stromhaltig)

Die TAZ schreibt in ihrer Online-Ausgabe als möglichen Grund:

Doch obwohl die Erneuerbaren damit in den ersten vier Monaten des Jahres mit fast 53 Milliarden Kilowattstunden einen neuen Rekordwert erzielten, brach der Überschuss beim Stromexport von rund 13 auf nur noch 4 Milliarden Kilowattstunden ein. Man kann dies als Indiz dafür werten, dass nicht primär die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien in der Vergangenheit den Stromexport in die Höhe getrieben hatte, sondern die im vergangenen Jahr sehr lange Laufzeit der fossilen Kraftwerke.

Rekordwerte bei der Stromerzeugung aus Sonne- und Windkraft, geringere Binnennachfrage wegen eines sehr milden Winters, gleichzeitig eine stärkere Kopplung der Märkte.  Im internationalen Stromhandel sind sehr viele Variablen im Spiel, deren Zusammenhang sich auf einen viel zu selten beachteten Baustein reduzieren lässt: Fahrplanmanagement.

Unter Fahrplanmanagement wird die Koordination der Erzeugungsanlagen untereinander verstanden. Der Fahrplan legt fest, welche Kraftwerke wann wie viel Strom in das Netz einspeisen. Vorgabe für den Fahrplan der Erzeuger kommen aus dem Handel. Wobei ein harter Konkurrenzdruck besteht, welcher bereits die Frage aufgeworfen hat: „Einspeisevorrang – Ja, aber auch Erzeugungsvorrang?“.

Der gescheiterte Energiekommissar der EU hat in seiner Amtszeit dafür gesorgt, dass die Zusammenhänge im Stromhandel immer undurchsichtiger werden. Es wird abzuwarten sein, was sich nach dem 25. Mai ergibt.

Den Beitrag "Stromexporte rückläufig - Marktkopplung hinter Erwartungen offline Lesen:

Kommentar hinterlassen

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong> 

benötigt