Nach Bericht des Spiegels wollen drei der vier großen Stromkonzerne in Deutschland ihre Atomkraftwerke in eine öffentlich-rechtliche Stiftung umwandeln und so an den Staat quasi verschenken. Warum jetzt?

Mit Sicherheit liegt es nicht an den Demonstrationen gegen Atomkraft, die am Wochenende stattgefunden haben (blog.stromhaltig berichtete). Viel mehr dürfte es an einem massiven Bedeutungsverlust liegen.

Die Stromversorgung in einem industrialisierten Land ist ein Teil der Daseinsvorsorge, die zumindest durch die Politik gesichert werden muss. Ist die Stromversorgung nicht vorhanden, oder instabil, so entstehen wirtschaftliche Schäden, die kaum zu beziffern sind. Daraus entwickelt sich ein gewisses Abhängigkeitsverhältnis – und damit auch ein Druckmittel.

Wahrscheinlich wird es niemals ausgesprochen, aber eine bestimmte Art der Stromerzeugung wird es immer solange gehen, wie sie benötigt wird. Benötigt nicht nur von der Industrie, denn das Arbeitsplatzargument wirkt nicht so stark, wie man manchmal denkt – benötigt vor allem von den privaten Stromkunden. Genau das wird die Atomkraft seit etwa 2 Jahren nicht mehr.

In der Mitte 2012 hat der Ausbau von Windkraft und Photovoltaik in Deutschland einen Punkt überschritten, bei dem es zumindest zeitweise eine Vollversorgung der privaten Haushalte gab. Heute im Jahre 2014 ist es es fast ohne Speicher möglich die Bürger mit Strom aus Wind und Sonne voll zu versorgen.

Beispiel 10.05.2014 – 100% EE-Vollversorgung

Lediglich 2 GWh Arbeit mussten in den Abendstunden des vergangenen Samstags aus anderen Quellen erzeugt werden, um die Nachfrage der Bürger an elektrischer Energie vollständig aus Wind/Sonne zu befriedigen.

Anbetracht von 9,2 GW Pumspeicherkapazität, kann man sich leicht vorstellen, was man mit den 145 GWh Überschuss, die am gleichen Tag erzeugt wurden hätte machen können.

Das Messer Versorgungssicherheit ist für die verbliebenen Kraftwerksbetreiber stumpf geworden. Entsprechend ist klar, dass es keinen Markt mehr geben wird und nun das Ende des Produktlebenszyklus „Atomenergie“ angebrochen ist.

Das die Idee von Erpressung nicht sonderlich fern ist, zeigt ein Abschnitt im Spiegelbericht:

Bei einer Einigung über die Stiftung wären die Strombosse nach Informationen des SPIEGEL möglicherweise bereit, die eine oder andere Klage zurückzuziehen oder auf Schadensersatz zu verzichten.

Um 15 Mrd. Euro geht es scheinbar, die diese Klagen den Steuerzahler kosten könnten. Ein schlechter Tausch, wenn man sich die Kosten anschaut, die mit Endlagerung und Co. bei der Atomkraft noch auf das Land zukommen.

Diesen Beitrag offline lesen
Inhalt nicht verfügbar.
Bitte erlauben Sie Cookies, indem Sie auf Übernehmen Sie auf das Banner
Noch keine Stimmen.
Bitte warten...

Veröffentlicht von Thorsten Zoerner

Seit dem Jahr 2007 beschäftige ich mich mit den Themen Stromnetz und Strommarkt. Parallel dazu entstand ein Blog, um Informationen zu den jeweiligen Themen bereitzustellen. Er ist unter blog.stromhaltig.de zu finden. Über das Thema Energiewirtschaft habe ich bislang drei Bücher veröffentlicht. In meinem 2014 erschienenen Buch zum Hybridstrommarkt beschreibe ich ein Marktdesign, das in Deutschland in das Gesetzespaket Strommarkt 2.0 aufgenommen wurde. Hierbei werden zwei Technologien des Strombezugs vereint: der Hausanschluss mit Bezug bei einem klassischen Stromanbieter und einen alternativen Bezug von erneuerbaren Energien. Die wirtschaftlichen Vorteile für ein solches Marktdesign sind erwiesen. Auch die Digitalisierung beeinflusst die Energiewirtschaft von morgen. Daher habe ich mich intensiv mit dem Thema Blockchain Technologie befasst. Blockchain ist eine Technologie, die den Austausch und die Dokumentation von Daten vereinfachen kann. Daher kann diese Technologie mithilfe der digitalen Möglichkeiten das heutige Energiesystem revolutionieren. Denn damit ist eine automatische Abgleichung von Energieerzeugung und Energieverbrauch möglich. Um zukünftige Herausforderungen und Chancen mitgestalten zu können, habe ich 2017 die Firma STROMDAO gegründet. Dort bin ich Geschäftsführer und möchte dafür sorgen, dass mithilfe der Blockchain Technologie und dem Hybridstrommarkt eine digitale Infrastruktur für die Energiewirtschaft der Zukunft aufgebaut wird. Der STROMDAO Mechanismus zur Konsensfindung für den Energiemarkt unterstützt dabei die Marktkommunikation aller beteiligten Akteure.

Inhalt nicht verfügbar.
Bitte erlauben Sie Cookies, indem Sie auf Übernehmen Sie auf das Banner

Durch das Fortsetzen der Benutzung dieser Seite, stimmst du der Benutzung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen", um Ihnen das beste Surferlebnis möglich zu geben. Wenn Sie diese Website ohne Änderung Ihrer Cookie-Einstellungen zu verwenden fortzufahren, oder klicken Sie auf "Akzeptieren" unten, dann erklären Sie sich mit diesen.

Schließen