Wenn jetzt im Sommer ein Ort oder Stadtteil plötzlich ohne Strom ist, dann könnte eine Ursache eine zu hohe Wirkleistungseinspeisung im Verteilnetz sein. Stromerzeugungseinrichtungen im Niederspannungsnetz erzeugen zu viel Strom, der im gleichen Netz nicht abgenommen wird. Die schlimmste Folge ist ein lauter Knall – und der Transformator an der Schnittstelle steigt mit einer Überlastung aus.

Damit dies nicht passiert gibt es Fernwirktechnik in Gestalt der Rundsteuersignale, die dem Netzbetreiber erlauben, die angeschlossenen Geräte etwas zu tun. Zum Beispiel die Einspeisung von PV-Anlagen auszusetzen, bis das Netz wieder in der Lage ist die Wirkleistung aufzunehmen.

Viele Probleme leiten sich daraus ab. Wie wird dann vergütet? Wer haftet? Wer kontrolliert? – Haben wir in Deutschland es wirklich nötig, aktiv Energie zu vernichten? Wieso nicht die Stromkunden direkt profitieren lassen?

Im Beitrag „Mit Neuronen lernt das Stromnetz denken“ hatte blog.stromhaltig die moderne, smarte, intelligente aber heute umsetzbare digitale Welt des Netzbetriebs beleuchtet. Es wurde eine Technik beschrieben, die erfolgreich in vielen Ländern zum Aufbau sogenannter SmartGrids eingesetzt wird. In Deutschland ist die Bilanz leider bislang etwas ernüchternd, da man mit Studien und Forschungen etwas dem „NIH“ (Not-Invented-Here) Symptom verfallen ist.

Dem Stromkunde, der im Zweifel vom Stromausfall betroffen ist, sollte klar sein, dass meist ein Fehler in der Vergangenheit dafür gesorgt hat, dass es heute knallt. Selbst die Ausrede, dass man nicht mit diesem Zubau rechnen konnte, ist haltlos, wenn man bedenkt, dass man auch vor 20, 30 oder sogar 50 Jahren in der Lage war die Stromnetze so zu dimensionieren, dass sie den heutigen Leistungsansprüchen gerecht werden. Netzbetreiber, die jetzt investieren müssen, haben es gestern nicht getan.  Die einzige Kontrollinstanz, die hier existiert sind die Kommunalparlamente, die in einigen Bundesländer am kommenden Wochenende neu gewählt werden.  Der Stromkunde zahlt seine Rechnung und damit auch für die Durchführung einer Kontrolle beim Verteilnetzbetrieb (vergl. Beiträge zu Stromnetzkonzession).

Rundsteuertechnik, wie sie anfangs genannt wurde ist nicht neu. Sie ist in jedem Verteilnetz verfügbar und steuert unter anderem die Umschaltung zwischen Hochtarif und Niedrigtarif. Es werden die Abschaltzeiten von Wärmepumpen geregelt – und einiges mehr…
Man muss es nur wollen und die Technik in den Betrieb integriert haben. Bislang sind die wenigsten Netzbetreiber in der Lage von dieser bereits verbauten Technik einen Nutzen zu ziehen. PV-Anlagenbetreiber werden zur Nachrüstung der entsprechenden Empfänger genötigt, aber auf der Seite des Betriebs bekommt man „Option nicht verfügbar“.

Bekannt aus Rettungsdienst, Feuerwehr und Katastrophenschutz: Entwickelnde Lagen.
Bekannt aus Rettungsdienst, Feuerwehr und Katastrophenschutz: Entwickelnde Lagen.

Kommt es zu einer zu großen Einspeisung von Wirkleistung, bei einer zu geringen Nachfrage, dann weiß man dies mindestens 24 Stunden vorher. Netzbetreiber, die dies nicht wissen, betreiben ihre Anlagen im Blindflug. Eine Wolke löst sich nicht in Sekundenbruchteile auf, soll heißen, bei zu viel elektrischer Energie im Verteilnetz, hat man eine sich entwickelnde Lage. Im Leitstand des Netzbetreibers kann man die Situation beobachten und Agieren. In der Hoffnung, dass es nicht heißt „Option nicht verfügbar“.

Eine Option, die immer verfügbar ist, ist die Erhöhung des Verbrauch. Gerade in Neubaugebieten mit einer hohen Dichte von PV-Anlagen auf den Dächern kann man ein Phänomen beobachten: Am Tag sind die Anwohner arbeiten und verbrauchen kein Strom, es arbeitet aber auch die PV-Anlage und speist fleißig in das Stromnetz ein. Schön, wenn jetzt die unstetigen Lasten abrufbar währen, sind sie aber nicht (vergl. Nachgefragt bei EnBW). Eine Batterie im Haus, damit man seinen eigenen Strom verbraucht – geht, aber besser ist, wenn das Nachbarhaus ohne PV-Anlage auch eine Batterie hätte, die jetzt Strom vom Netz nehmen könnte. Der nächste Nachbar, der in ein E-Mobil anstelle einer Solaranlage investiert hat – sein Auto hätte  eine Füllung nötig. Hätte, hätte Fahradkette..- um es in den Worten eines ehemaligen Kanzlerkandidaten zu sagen.

So werden in Deutschland weitere Förder-Millionen in Studien und Forschungsberichte investiert, anstelle das Problem endlich an der Wurzel zu packen.

Option Stromverbrauch bei Bedarf erhöhen: verfügbar.

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Veröffentlicht von Thorsten Zoerner

Seit dem Jahr 2007 beschäftige ich mich mit den Themen Stromnetz und Strommarkt. Parallel dazu entstand ein Blog, um Informationen zu den jeweiligen Themen bereitzustellen. Er ist unter blog.stromhaltig.de zu finden. Über das Thema Energiewirtschaft habe ich bislang drei Bücher veröffentlicht. In meinem 2014 erschienenen Buch zum Hybridstrommarkt beschreibe ich ein Marktdesign, das in Deutschland in das Gesetzespaket Strommarkt 2.0 aufgenommen wurde. Hierbei werden zwei Technologien des Strombezugs vereint: der Hausanschluss mit Bezug bei einem klassischen Stromanbieter und einen alternativen Bezug von erneuerbaren Energien. Die wirtschaftlichen Vorteile für ein solches Marktdesign sind erwiesen. Auch die Digitalisierung beeinflusst die Energiewirtschaft von morgen. Daher habe ich mich intensiv mit dem Thema Blockchain Technologie befasst. Blockchain ist eine Technologie, die den Austausch und die Dokumentation von Daten vereinfachen kann. Daher kann diese Technologie mithilfe der digitalen Möglichkeiten das heutige Energiesystem revolutionieren. Denn damit ist eine automatische Abgleichung von Energieerzeugung und Energieverbrauch möglich. Um zukünftige Herausforderungen und Chancen mitgestalten zu können, habe ich 2017 die Firma STROMDAO gegründet. Dort bin ich Geschäftsführer und möchte dafür sorgen, dass mithilfe der Blockchain Technologie und dem Hybridstrommarkt eine digitale Infrastruktur für die Energiewirtschaft der Zukunft aufgebaut wird. Der STROMDAO Mechanismus zur Konsensfindung für den Energiemarkt unterstützt dabei die Marktkommunikation aller beteiligten Akteure.

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