Zu einer guten Meldung gehört nicht viel. Eine Tatsache, die man beim Axel Springer Societas Europaea genau versteht, und beim neusten Kunstwerk von Daniel Wetzel dem geneigten Leser näher bringt.

Zum Glück gibt es auch Menschen, die etwas weiter lesen und auch nachdenken. So hatte bereits Metropolsolar eine Kritik veröffentlicht, die vom Ersteller beantwortet wurde.

Eigenverbrauch, der BDEW und die Angst vor Bedeutungsverlust…

Eigentlich könnte der BDEW glücklich sein, hat man doch erfolgreich die größte EEG Ausnahme beim Thema „Eigenverbrauch“erzielt.

Die Novelle des EEG, welche nun kommen wird, möchte elektrische Energie, die direkt bei der Erzeugung wieder verbraucht wird, ebenfalls mit einer Umlage berechnen. Eurosolar hatte dies mit Apfelsteuer bezeichnet, denn es ist vergleichbar mit einer Steuer auf Äpfel aus eigenem Anbau.

Es existieren zwei Ausnahmen von dieser Regelung: Zum einen sind es Erzeugungsanlagen mit einer Kapazität von kleiner 10 KW. Zum anderen – und da hat der BDEW einen großen Beitrag geleistet – ist der Eigenverbrauch von Kraftwerken selbst von der EEG Umlage befreit. Strom, der benötigt wird, um ein Kraftwerk zu betreiben, um Kohle zu fördern, um CO2 Abscheider anzusteuern, oder Brennstäbe hoch und runter zu fahren, wird auch in Zukunft frei von Abgaben sein.  Dem BDEW sei Dank, dass dieses Privileg für die Lobbygruppe bleibt.

Wenn jetzt alle glücklich sind, dann bekommt man keine Meldungen mehr… die Lösung ist das Rezept für die perfekte Propaganda

Zutat 1: Warum sollte der Leser überhaupt lesen?

Am besten, man bedient sich einer Aussage, die dafür sorgt, die jeden betrifft. Zum Beispiel die Angst vor steigenden Strompreisen.

Zutat 2: Schuldige und Opfer benennen 

Die Opfer ergeben sich meist schon aus der Zutat 1 – sollten aber noch einmal genannt werden. Die Schuldigen müssen allgemein gehalten werden, denn auch in den folgenden Zeilen soll noch irgend etwas stehen, was auch nicht mehr unbedingt etwas mit einander zu tun hat.

Wetzel verbindet verrührt die Zutaten zu:

Die Bundesregierung will die Ökostrom-Umlage „stabilisieren“. Doch nach Ansicht von Experten wird das nicht funktionieren, weil immer mehr Unternehmen und Bürger ihren Strom selbst produzieren.

Angriff, Verteidigung, Kritik, Angst, Verwirrung. Die Bühne ist frei für den Informationskanal…

Als Spezialist, darf man nun nicht den Fehler machen und das Nachdenken aktivieren. Propaganda bedeutet Aussagen zu senden. Am besten mittels…

Zutat 3: Das Zitat

„Für diesen selbsterzeugten Strom zahlen die Anlagenbetreiber unter anderem weder Steuern noch EEG-Umlage oder Netzentgelte“, kritisierte jetzt der BDEW: „In der Folge müssen diese Abgaben und Umlagen nach den jetzigen Regelungen auf immer weniger Zahler umgelegt werden.“

Das die Betreiber von Kraftwerken keine Steuern, Umlagen oder Netzentgelte auf den selbst verbrauchten Strom bezahlen, muss der Leser nun wirklich nicht wissen, denn auch das würde den Strompreis teurer machen – oder auch nicht.

Die Zahlungen werden aktuell überhaupt nicht auf Eigenverbraucher umgelegt. Aber das ist ein Detail, mit dem man nur irritiert.

Zutat 4: Zahlen

In der Meldung wird ein massiver Anstieg genannt. Von 2008 bis 2012 sei der eigenverbrauchte Strom um 26% gestiegen. Rational betrachtet dürfte es sich hierbei vor allem um elektrische Energie handeln, die aus sogenannten Industriekraftwerken kommt. Die Kleinanlagen, deren „Bagatellgrenze“ man ebenfalls als Kritisch ansieht, dürften hier eine deutliche Nachkommastelle sein.  Mittels Zahlen könnte man jetzt auf den Schluss kommen, dass der Leser gegen den Ausbau des heimischen Eigenverbrauchs sein sollte…

Industriekraftwerke sind Kraftwerke, die meist Prozesswärme und als Nebenprodukt Strom erzeugen. Die Betreiber haben Namen wie Volkswagen, BASF, Freudenberg – es ist nicht Lieschen Müller oder Hans Dampf. Die Zunahme des erzeugten Stroms aus diesen Anlagen deckt sich mit dem industriellen Stromverbrauch, der nach der Wirtschaftskrise gestiegen ist (vergl. Monitoringbericht 2014).

Zutat 5: Die Verwirrung

Am besten zum Schluss der Propaganda macht man dem Truman Zitat „Wenn Du sie nicht überzeugen kannst, dann verwirre sie“ – noch die Ehre. Schließlich sollen auch die Kritiker der Kritik weiterhin Abonnenten bleiben. Wetzel nutzt hierfür das Stilmittel des „Langezogenen Doppel Ja-Abers.“:

Friedhelm Loh, Präsident des Zentralverbandes Elektrotechnik und Elektronikindustrie (ZVEI) erklärte, 80 Prozent seiner Mitgliedsunternehmen sähen in der Energiewende eine unternehmerischer Chance. Doch nur zwei Prozent hielten das Management der Energiewende für gut. Nötig sei es, ein größeres Schwergewicht auf Effizienztechnologien zu legen.

 

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