Nach einem „Spiegel“ Bericht geht das Bundes-Wirtschaftsministerium davon aus, dass die privaten Haushalte bis zum Jahre 2020 etwa 10% mehr Strom verbrauchen werden. Interessant ist dies, da im EU-Klimaschutzpaket eigentlich ein Rückgang des Energieverbrauchs von 20% bis 2020 vereinbart wurde (vergl.  Zusammenfassung der IHK Arnsberg).

Elektrische Energie ist zwar nicht mit Energieverbrauch gleich zu setzen, dennoch ist stellt sich die Frage, wie beim aktuellen Sanierungsstand das Ziel erreicht werden soll.  Wird die Industrie eine deutlich höhere Einsparung zu schultern haben, wie bislang angenommen?  Oder hat man beim Zahlenwerk einfach nicht nachgerechnet?

Zum Ministerium von Sigmar Gabriel wird in vielen Medien berichtet:

Dessen Haus geht einem „Spiegel“-Bericht zufolge davon aus, dass die EEG-Umlage bis 2020 auf 7,7 Cent je Kilowattstunde steigt. Damit würden die Stromkunden in den nächsten sechs Jahren zusätzlich mit rund zehn Milliarden Euro belastet, schreibt das Magazin in seiner neuen Ausgabe. Für einen durchschnittlichen Vier-Personen-Haushalt steige die jährliche Belastung um 60 Euro. (Quelle: ZDF Heute)

Ähnliche Formulierung gibt es beim Manager Magazin oder auch Die Welt. Leider hat sich keiner die Mühe gemacht die Zahlen einmal nachzurechnen und die tatsächliche Meldung hinter der Meldung herauszufinden.

Wenn wir heute 6,24 Cent je KWh an EEG-Umlage zahlen, im Jahr 2020 eine von 7,7 Cent je KWh, dann steigt die Umlage bis dahin um 1,46 Cent. Damit ein Haushalt im Jahr 60€ mehr bezahlen muss (=6000 Cent), braucht er einen Jahresverbrauch von 4110 KWh im Jahr.

Nach dieser Quelle verbraucht der statistische Musterhaushalt heute etwa 3359 KWh jährlich. Realistischer dürften Werte zwischen 3.600 und 3.800 KWh sein.  Egal welchen Wert man nimmt, rechnet das Wirtschaftministerium offensichtlich damit, dass man in Zukunft 60€ für mehr Leistung ausgibt.

Geht man von einem linearen Verlauf aus, so kann man eine jährliche Erhöhung der EEG-Umlage von 0,24 Cent ermitteln (=1,46/6):

Entwicklung der EEG Umlage bis zum Jahre 2020
Entwicklung der EEG Umlage bis zum Jahre 2020

Prozentual ausgedrückt steigt die EEG-Umlage damit lediglich um etwa ~3,5% pro Jahr an. Ein Wert, der als Umsatzwachstum betrachtet, bei Wirtschaftsunternehmen zu Kurseinbrüchen und Gewinnwarnungen führt. Bedenkt man, dass dieser Wert nicht inflationsbereinigt ist, so kommt Krisenstimmung auf.

Die privaten Haushalte dürften sich freuen, denn geht man von einer Inflation von 2%/Jahr aus, so dürften sich die Stromkosten extrem nach unten bewegen. Wer im Jahre 2014 eine Stromrechnung von 1000€/Jahr hat, der würde bei einer 2% Inflation bis zum Jahre 2020  und gleichem Verbrauch etwa 1.126€/Jahr zahlen.  Die EEG-Umlage macht dann nur noch wenige Prozentpunkte auf der Stromrechnung aus…

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3 Gedanken zu “Private Haushalte: Wirtschaftsministerium rechnet +10% Stromverbrauch bis 2020

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