Die Mehrheit der Deutschen ist für eine Beschleunigung der Energiewende, meldete das ZDF Politbarometer in der vergangenen Woche. Bei der Umsetzung des Volkeswunsches sollte allerdings darauf geachtet werden, dass Standortnachteile von Großkraftwerken entschärft und nicht zementiert werden. Keine Monokultur, sondern ein nachhaltiger Mix, dann klappt es in jedem Ort mit Strom zu gewinnen.

Denn die “Energiewende” ist in aller Munde, die dezentrale Energieerzeugung nur ansatzweise ausgeschöpft. Von den Problemen der Stromtrassen ganz zu schweigen. Der Vortrag von Thorsten Zoerner aus Mauer will das Ziel “25 % Eigenerzeugung” veranschaulichen. Er findet am Montag, den 14. April 2014 um 19.30 Uhr im Hotel “Bär” in Sinsheim statt, er wird moderiert von Krystyna Grendus. (Quelle: Andreas Riederer bei Sinsheim-lokal)

Kennen Sie die Flautenacht? Es ist dieses ominöse Schreckgespenst, dass gerne durch Talksshows getrieben wird. Letztmalig bei Maybrit Illner am vergangenen Donnerstag, als Karl Tack, Mitglied des Bundesvorstand „DIE FAMILIENUNTERNEHMER“, eigentlich über die Kosten der Energiewende in Deutschland sprechen wollte.  Wenn Wind und Sonne nicht als Energieträger verfügbar sind, dann macht es zumindest aktuell nicht den Strom teuer, sondern Biomasse/Laufwasser und andere Erzeuger glücklich.

Hochrechnung Stromerzeugung und Verbrauch für Sinsheim
Hochrechnung Stromerzeugung und Verbrauch für Sinsheim

Das Tor zum Kraichgau wird die Stadt Sinsheim genannt. Im ortsansässigen Technikmuseum kann man ein Urgestein der Windkraft bestaunen: Ein Flügel von Growian (s.h. Wikipedia). Fährt man auf die Autobahn gen Osten, so kommt man nach etwa 15 Minuten an der Quelle von mehr als der Hälfte des Stromes der Stadt vorbei (im Jahresschnitt). Das Kraftwerk Heilbronn-Neckarsulm,  welches durch die EnBW Erneuerbare und Konventionelle Erzeugung AG (EZG) betrieben wird und mit Sicherheit ein Großkraftwerk genannt werden darf. Hier wird Steinkohle verfeuert, die über Bahn und Neckar dem Kraftwerk zugeführt werden. Etwa 90 Kilogramm werden pro Sekunde benötigt, damit das Feuer nicht ausgeht. In Sinsheim bekommt man davon nur wenig mit, dabei spielt die Stadt eine wichtige Rolle im Energiekonzept der Metropolregion Rhein-Neckar.

Über die Republik verteilt große Kraftwerke. Das war das Energiekonzept der 1970er und 1980er Jahre. Ein Konzept, welches nicht mehr in die heutige Zeit passt. Der Strommarkt ist liberalisiert, der Kunde kann seinen Versorger wählen. Der Handel – und damit die Marktwirtschaft – hat auch in das Stromnetz Einzug gehalten. Handel, der bereits heute nicht nachkommt, wenn es darum geht Geschehnisse abzubilden, die mit Lichtgeschwindigkeit passieren, aber im 15 Minutentakt gehandelt werden. Die Beschleunigung der Geldflüsse, parallel zum Stromfluss, stoßen an ihre Grenzen. Ein Marktversagen, welches fast täglich zu Zeiten mit Überproduktion führt, die letztendlich der Verbraucher zahlen muss. Schon längst sind die Folgekosten aus der zentralen Massenerzeugung von elektrischer Energie höher, als die Kosten für die „Flautenacht“. Wer an Marktwirtschaft glaubt, dem ist klar, dass die Flautenacht kein Problem ist. Wer Strom zu Zeiten braucht, bei denen tatsächlich zu geringe Kapazitäten existieren, der kann auch dafür zahlen. In der übrigen Zeit, darf der Familienunternehmer, wie jeder andere Stromverbraucher, von den Vorzügen des günstigen Stroms profitieren.

strom_lokal_und_kommunalBeim heutigen Engpassmanagement (vergl. weitere Beiträge zu Redispatch) werden Standortnachteile großer Kraftwerke durch Umverteilung ausgeglichen. Umverteilt wird, was der Börsenstromhandel vorher geordnet hat. Umverteilen, bedeutet dass der Stromkunde für beide Erzeugungsstandorte zahlt. Umverteilen bedeutet die Verallgemeinerung von Kosten, die durch lokale Engpässe entstanden sind. Gewinnen vor Ort, bedeutet hier die lokale Erzeugung so auszubauen, dass die Notwendigkeit von Umverteilungen entfällt. Kann sichergestellt werden, dass 25% des Strom aus lokaler Erzeugung in ganz Deutschland aus lokaler Erzeugung stammt, dann gehen auch die Anzahl der kostenintensiven Eingriffe in den Handel zurück.

Denkt man vom Verbraucher aus, so benötigt es ein Konzept, welches sowohl den Aufbau von Kapazitäten trägt, als auch die zeitliche Verteilung des Leistungsbezugs. Der Hybridmarkt, welcher eine Mikrobeteiligung an Erzeugungsanlagen ermöglicht, gleichzeitig aber auch ein Modell für die „Flautenacht“ bringt, klingt hier vielversprechend.

In Sinsheim werden wir am Montag darüber sprechen.

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2 Gedanken zu “Mit Strom vor Ort gewinnen…

  1. Sehr geehrte Herr Zoerner, vielen Dank für Ihren spannenden Vortrag und die Hinweise, wie wir in Sinsheim die Stromwende vorantreiben können.

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