Der Bedarf an Pumpspeicherkraftwerken ist so alt wie das Stromnetz selbst.  Etwa 9,2 GW können diese Seen bei Vollast in das Netz einspeisen. Das Bild zum Beitrag zeigt eine Zeichnung aus dem Jahre 1955, die im Ausstellungsraum in Kaprun hängt. Bereits damals war die fehlende Regulierbarkeit von fossilen Kraftwerken ein Problem. Ein Puffer/Speicher musste her.

Heute wird der Bedarf an diesen Anlagen gerne dem Wind und Sonnenstrom in die Schuhe geschoben….

Bei der Gewinnung von Strom aus Braunkohle rentiert es sich nicht wirklich diesen Strom durch die ganze Republik zu transportieren. Zu gering ist der Brennwert im Vergleich zur benötigten Menge. Doch daraus ergibt sich ein Standortnachteil für den Betreiber, der bei der Wirtschaftlichkeit dieses Kraftwerstypus beachtet werden muss. Der größte Betreiber mit der größten Leistung aus Braunkohlekraftwerken im Portfolio ist in Deutschland die Vattenfall Europe Generation AG. Mehr als zwei Drittel der kontrollierten Erzeugung stammen aus diesem einen Energieträger. Eine Monokultur, die das Unternehmen anfälliger macht als Anbieter mit einem breiter gestreuten Erzeugungsmix. Zumindest für Deutschland ist die Kraftwerkssparte von Vattenfall aber auch der größte Betreiber von Pumpspeichern.

Der DENA Chef Stephan Köhler wird nun in verschiedenen Medien mit den Worten zitiert:

„Pumpspeicherkraftwerke benötigen keine finanzielle Förderung, um wirtschaftlich am Markt agieren zu können, vorausgesetzt, sie werden durch die energiewirtschaftlichen Rahmenbedingungen nicht diskriminiert“

Gemeint ist, dass für den Strom, der beim Betrieb der Pumpen benötigt wird die EEG-Umlage zu entrichten ist. Jetzt dürften sich über diesen Punkt bestimmt die Juristen von Vattenfall wundern, wenn es in der aktuellen EEG-Novelle doch steht:

§ 58 (1) Übertragungsnetzbetreiber können von Eigenversorgern für Strom … EEG-Umlage verlangen.

Dieses „können“ ist wohl etwas, bei dem man Rechtsanwalt sein muss, um zu verstehen, dass es ein „muss“ ist. Aber…

(2) Der Anspruch nach Absatz 1 entfällt … für den Kraftwerkseigenverbrauch nach Absatz 4

Relevant wird in Absatz 4 noch das Thema „Netzanschluss“ – wobei wenn man Eigner des Netzes ist, lässt sich da doch bestimmt etwas machen. Eine Leitung zwischen Braunkohlekraftwerk und Pumpspeicher  ist nicht wirklich ein Teil des öffentlichen Stromnetzes….

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Ein dritter Rekord wird von Vattenfall gehalten: Die Kraftwerke dieses Unternehmens sind nicht in den Verbrauchszentren von Strom.

Diese Kraftwerke führen die Statistik der sogenannten „Strombedingten Redispatch“ Maßnahmen an.  Eine Maßnahme, die ein Übertragungsnetzbetreiber veranlasst, um die Überlastung einer Stromleitung zu verhindern.  Wenn diese Kraftwerke ihre Leistung reduzieren müssen, dann werden sie von den Stromkunden dafür über die Netzentgelte entschädigt.

Als wirtschaftlich denkender Mensch würde ich nun hergehen und meine Erzeugungskapazitäten zu den Grenzkosten der Braunkohlekraftwerke anbieten. Zum gleichen Preis auch den Strom aus dem Pumpspeichersee (dessen Grenzkosten sind eigentlich niedriger).  Wenn ich jetzt noch weiß, dass ich eine dünne Leitung nach Bayern habe, wo meist Kraftwerke mit höheren Grenzkosten stehen, dann erweckt der Donald Trump in mir. Der Pumpspeicher wird meine Waffe, zur künstlichen Schaffung einer zeitweiligen Überkapazität. Die Wahrscheinlichkeit eines Redispatch ist wie hoch?

Im Jahre 1955 hat man dies zumindest in Kaprun anders gedacht. Da wurden die Stauseen dazu genutzt, um den unflexiblen Lastgang der thermischen Kraftwerke auszugleichen.

Nicht die andere Backe wird hingehalten, sondern die neue Waffe. (Manfred Hinrich, Philosoph, Kinderliederautor, Journalist)

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3 Gedanken zu “Mit Popcorn und Cola über Braunkohle und Pumpspeicher nachgedacht

  1. Die Kombination von Braunkohle und Wasserkraft ist nicht erst seit 1955 interessant sondern schon seit ungefähr 1924. Damals hatte Arthur Koepchen RWE von seinem Vorgänger Hugo Stinnes übernommen und begonnen, die zum Konzern gehörenden Wasserkraftwerke zum Ausgleich des trägen Braunkohlestroms zu nutzen. Dazu gehörten nicht nur Anlagen in Hessen und Baden-Württemberg sondern auch i m Alpenraum. wozu Koepchen 1924 mit dem Ausbaubau der Hochspannungsleitungen begann. Bis 1930 baute RWE so 4100 km Fernleitungen (wogegen damals übrigens noch niemand rebellierte). Mit dem 1929 gestarteten Stromhandel konnte RWE den Industriestrompreis so stark drücken, dass viele Industriebetriebe ihre eigenen Kraftwerke stillegen mussten. Auch damals schon verdankte RWE dies einer Quersubvention durch die Tarifkunden, deren Stromrechnung entsprechend höher ausfiel.

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  2. Pingback: Kein Trend zur sicheren Stromversorgung aus Wind und Sonne | blog.stromhaltig

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