Ende März 2014 hat die EEX ein Video bei Youtube eingestellt.

Spothandel, Auktion und Preisbildung im Strommarkt

lautet der Untertitel, des wirklich sehr informativen 10 Minütigen Beitrages, indem Managing Director Exchange – Dr. Ing. Dr. Tobias Paulun das Unternehmen und seine Tätigkeit beschreibt.

blog.stromhaltig ist das einzige Medium, welches mit großer Reichweite regelmäßig über das Netz und den Handel mit Strom berichtet. Die EEX und ihr Tochterunternehmen EPEXspot dienen häufig als Lieferant von Meldungen. Wenn in diesem Beitrag einige Stichworte beleuchtet werden, dann ist dies keine Kritik an den Unternehmen, sondern lediglich das Ergebnis von energiepolitischen Entscheidungen, welche durch ein Unternehmen umgesetzt werden.

Danke an die Macher des Videos! Danke an die EEX – das Video gibt einen sehr guten Rahmen und Struktur einige Themen auf einen Schlag anzusprechen.

Film ab!

[0:15] und  [1:35]
12 Uhr – Spotmarkt Auktion (Day-Ahead)

Die größte Menge des hier versteigerten Stroms stammt aus der EEG-Einspeisevergütung. Im Klartext sind es die Solaranlagen auf Deutschlands Dächer und viele andere Kleinanlagen, die durch die vier Übertragungsnetzbetreiber gesammelt und durch zwei davon tatsächlich auf dem Markt platziert werden. Was dann passiert kann man etwas mit einer Ebay Auktion vergleichen, die jeden Tag stattfindet und bei der es nur einen (wenige) Anbieter gibt, aber eine große Anzahl von Käufer.

[0:45]
EPEXSpot ermittelt Referenzpreis

Zunächst ist es nur wenigen bekannt, dass der Spotmarkt seinen Sitz in Paris hat. Der genannte Referenzpreis ist der PHELIX, welcher auch für einen Teil des Stroms in der Direktvermarktung gilt, der überhaupt nicht über die Börse gehandelt wurde. Die EPEXSpot und der PHELIX ist damit weltweit die einzige Börse; der einzige Index, der in einem nationalen Gesetz  genannt und als Basis für die Zahlung von Vergütungen dient. Dadurch ist eigentlich ausgeschlossen, dass es einen anderen Marktplatz (Konkurrenz) zu diesem Markt geben kann. Der Aufbau von regionalen/nationalen Strombörsen ist aktuell nicht möglich.

[1:18]
Anonymität des Börsenstroms

Strom aus Photovoltaik, Windkraft, Kernkraft – an der Strombörse ist es egal, denn jeder dort gehandelter Strom wird zu „Graustrom“. Dies bedeutet auch, dass Herkunftsnachweis und ähnliches fehlen. An den Endverbraucher an den nur mit einer Stromkennzeichnungspflicht geliefert werden darf, darf somit dieser Strom nicht geliefert werden. Im Prinzip wird er dies auch nicht, denn es handelt sich um den Spotmarkt, welcher lediglich Abweichungen in der Prognose (Erzeuger oder Verbraucher) ausgleichen soll. Die Herkunft von Strom wird aber über ein Termingeschäft lange im Voraus bestimmt und der Mix damit quantifiziert. Spannend ist an dieser Stelle, dass die Summe der sogenannte „Differenzbilanzierung“ bei den Verteilnetzbetreibern, bei denen der dort gehandelte Strom aufläuft, sich in den letzten Jahren kaum verändert hat (eher fallend) – die EPEXSpot aber immer neue Handelsrekorde meldet.

[1:47]
Martkgebiet Deutschland & Österreich

Das Price-Coupling zwischen den beiden Marktgebieten ist bereits einige Zeit aktiv. Jetzt werden auch andere Marktgebiete zur sogenannten Price-Coupling-Region zusammengefasst. Nur so kann bereits im Markt die Speicherfähigkeit der Wasserkraft genutzt werden, wie es im Februar/März 2014 beobachtet werden konnte.  Gelingt es nicht über den Handel, dann kommen Speicher heute erst im Zuge der sogenannten Re-Dispatch Maßnahmen zum Einsatz (Anweisung zur Umverteilung der Handelsergebnisse auf andere Kraftwerke durch die Netzbetreiber). Man lernt im Video, dass es keinen Engpass zwischen den beiden Stromnetzen gibt. Pech für Deutschland, da man hier die Stromerzeugung vor allem im Norden hat. Vielleicht ist der Handel und das Price-Coupling der wahre Grund für die Vorschläge zum Nord-Süd Netzausbau. Das Engpassmanagement verlangt in den letzten Monaten eigentlich konstant ein Ost-West Ausbau.

[2:09]
Stunden basierter Handel

Mittlerweile werden auch 15 Minuten Blöcke gehandelt. An den Stundengrenzen kann man allerdings noch immer einen Frequenzsprung erkennen, welcher verursacht wird, wenn durch den Handel verursacht das eine Kraftwerk vom Netz geht und ein räumlich davon getrenntes Kraftwerk die Einspeisung übernimmt. Gerade in Zeiten schwacher Last – wie in der Nacht oder am Wochenende – kommt das Stromnetz daher an den Stundengrenzen regelmäßig aus dem Takt, wie eine mehrjährige Analyse der Netzfrequenz zeigt.

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3 Gedanken zu “Hinterfragt: Ein Portrait der EEX Strombörse

  1. Spannend wäre es zu wissen was passiert wenn Strommengen die Angeboten wurden nicht geliefert werden können, z.B. wegen technischen defekten.

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    • Die Antwort ist von den Direktvermarktern bekannt: Dann muss die Strommenge im Intraday Handel nachgekauft werden. Das bringt mich auf die Frage, was passiert eigentlich bei den EEG-Mengen, wo das Angebot auf Basis einer Hochrechnung beruht.

      Antworten
  2. Pingback: EEX: Physik trifft Handel | blog.stromhaltig

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