In Deutschland gibt es 75 Steinkohlekraftwerke (Blöcke) mit einem Durchschnittsalter von 37 Jahren. Insgesamt stellen diese Kraftwerke eine Nettokapazität von 22,6 GW zur Verfügung.  Mit 3.550 Volllaststunden werden 80,2 TWh Arbeit (elektrische Energie) in das Stromnetz eingespeist. Dies entspricht in etwa dem Jahres Stromverbrauch von 21,11 Millionen Haushalten.

Wie hoch würde eine Umlage aussehen, die den Bau dieser Kraftwerke finanzieren würde? Für den Zubau von Wind und Sonnenenergie zahlen wir aktuell 2,54 Cent je kWh (Quelle Statista).

In der Hauptstadt des Badenlandes, Karlsruhe, wird der Kraftwerksblock 8 im Rheinhafen gebaut. Die Kosten hierfür belaufen sich auf ca. 1 Mrd. Euro für 912 MW Kapazität (Quelle Wikipedia).  Zur Vereinfachung ist dies 1 Mrd für 0,912 GW.  Der Neubau von 22,6 GW würde demnach etwa 24,78 Mrd Euro kosten. Auf 20 Jahre aufgeteilt (wie bei den Erneuerbaren), müssten pro Jahr 1,239 Mrd. Euro umgelegt werden auf den Stromverbrauch. Ca. 480 TWh werden als Vollzahler angesehen, was auf die KWh umgerechnet 0,25 Cent betragen würde, die notwendig sind um die Investitionskosten zu decken.

Bei Strom aus Wind und Sonne könnte man bei der Berechnung der Umlage an dieser Stelle aufhören, da der Energieträger selbst keine Kosten verursacht. Bei einem Steinkohlekraftwerk wird die Energie allerdings erst nutzbar, wenn der Primärenergieträger zugegeben wird. Je nach Quelle werden Verbrauchsmengen von etwa 324 Tonnen je GWh angegeben. Diese können natürlich je nach Wirkungsgrad des Kraftwerkes nach oben und unten abweichen. Zum Erzielen von 80,2 TWh Arbeit im Jahr werden somit in Deutschland jedes Jahr 25.984.800 Tonnen Steinkohle zur Stromerzeugung benötigt. Vernachlässigt man die Kosten für die Aufbereitung des Rohstoffes, die vor der Verfeuerung notwendig ist, so kommt man den Marktpreis von ~80€/Tonne als Grundlage verwenden. Die jährlichen Kosten für die Bereitstellung der Kapazität betragen somit etwas mehr als zwei Milliarden Euro. Umgelegt auf die Vollzahler 0,42 Cent je KWh.

Steinkohleumlage: 0,67 Cent je KWh

Würden mit einer Steinkohleumlage die gleichen Kosten gedeckt werden, wie bei Strom aus Wind und Sonne, so würden die Einnahmen der Kraftwerksbetreiber deutlich geringer ausfallen, als sie dies aktuell sind.  Über den Handel kann bislang mindestens 2,5 Cent – meist deutlich darüber – erlöst werden.

Ein Modell für die Reform des Strommarktes hätte es auch sein können, den Strommix von Deutschland vollständig über Umlagen zu steuern. Dies ist unrealistisch, da es einer Planwirtschaft und nicht einer Marktwirtschaft entspricht. Durch die Ausbaukorridore bei Sonne und Wind wird dieses Weg allerdings bereits einige Jahre gegangen.

Résumé der Berechnung

Die Grenzkosten, die unterschritten werden müssen, um eine Verdrängung aus dem Markt zu erreichen liegen bei der Steinkohle deutlich niedriger als gedacht.

Durch die künstliche Aufblähung der EEG-Zahlungen wird eine Stromwende bereits heute verlangsamt und verteuert.

In einer Planwirtschaft könnte der Strompreis deutlich günstiger sein. In Frankreich sieht man dies, auch wenn dort Atomkraft weiterhin ein Thema ist.

Die aktuellen Börsenstrompreise geben den Steinkohlekraftwerken genügend Bestandsschutz.

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3 Gedanken zu “Die Steinkohleumlage

  1. Der Kohlepreis von 80 €/t ist meines Wissens der Preis am Seehafen. Für die Standorte Karlsruhe oder Mannheim sollte man aber noch die Inland-Transportkosten rechnen, die bei etwa 30 €/t liegen dürften (habe leider derzeit keine aktuellen Zahlen parat).

    Der Einwand „Dies ist unrealistisch, da es einer Planwirtschaft und nicht einer Marktwirtschaft entspricht.“ mag zwar ideologisch korrekt sein, ansonsten aber wenig stichhaltig, zumal die Umlage in etwa das ist, was als „Kapazitätsmärkte“ im Gespräch ist (die hat sogar der BNE als „Planwirtschaft“ bezeichnet, obwohl er auf deren schnelle Einführung drängt.
    Und auch die EU-Kommission, die ja eigentlich einen Europäischen Strom“markt“ einführen will, hat jetzt die rechtlichen Grundlagen für dieses Instrument geschaffen.
    Meiner Meinung nach sollte man sich damit noch Zeit lassen, aber da der Energy-Only-Markt bei noch mehr Erneuerbaren irgendwann nicht mehr funktioniert kann es durchaus sein, dass es für alle Kraftwerksarten auf solche Kapazitäts-Umlagen hinausläuft.

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  2. Hallo Thorsten,
    dein Resume verstehe ich nicht ganz. Wenn man die Kosten für Steinkohle auf alle zahlenden Stromkunden (die 480 TWh) umlegt ist es klar, dass der Preis pro kWh niedriger ist, als wenn man es nur auf die produzierte Menge (80 TWh) umlegt. Als Betreiber eines Kraftwerks kann man jedoch nur die selbst produzierte Menge verkaufen und muss daher 480 TWh / 80 TWh * 0,67 ct/kWh =4,02 ct/kWh
    Die Grenzkosten für das Steinkohlekraftwerk liegen mit deiner Berechnung also bei ca. 40 € pro MWh. Oder habe ich einen Denkfehler?
    Viele Grüße
    Christian

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  3. Hallo Christian,

    kein Denkfehler… es ging dabei die Umlage als Investitionsschutz herauszuarbeiten. Um die Investitionskosten – unabhängig von der Erzeugung zu decken, sind die 0,67 Cent notwendig. Diese Kosten sind die Kosten, die man in einer „Infrastrukturumlage“ ansetzen würde. Nicht das ich mir diese wünsche…

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