Redispatch Anweisung 08.04.2014
Betroffene Anlage: Vorarlberger Illwerke AG
11:00-12:00 Uhr Grenzregion RZ 50Hertz – RZ TenneT DE Wirkleistungseinspeisung erhöhen 133 MW

Eine einzelne Anweisung zum Engpassmanagement zeigt, dass die Integration von Stromspeichern in das Stromnetz erst einmal gelernt werden will.  Speichern von Strom bedeutet das Handelsvolumen aktiv zu verändern und hat damit eine Auswirkung auf den Preis. Ein Redispatch bedeutet eine Umverteilung der Erzeugungsmengen zwischen verschiedenen Anlagen im Zuge der Stabilisierung des Stromnetzes.

Netzbetreiber, Anlagenbetreiber, Speicher, Markt – vier Räder, aus denen sich die moderne Stromversorgung zusammen setzt, deren Zusammenspiel von Zeit zu Zeit  interessante Formen annimmt.

Das Schulgeld für die Ausbildung zahlt letztendlich der Verbraucher mit seiner Stromrechnung.

kaprun_unterer_stauseeGehen wir davon aus, wir hätten einen großen Pumpspeichersee irgendwo in den Alpen. Unser Geschäftsmodell besteht in diesem Fall darin, dass wir zu Zeiten von günstigem Strom die Pumpen verwenden um von einem tiefer gelegenen Stausee in ein höher gelegenes Becken zu pumpen. Steigt der Strompreis, dann wird die Wassermenge aus dem oberen Becken wieder zurück in das tiefere Becken laufen gelassen und über Generatoren Strom erzeugt, der verkauft werden kann.

Im Zuge der Stromwende sollte auch ein Ausbau von Photovoltaik deutlich beschleunigt werden. Dies führt dazu, dass am Tage mehr Strom erzeugt wird, als in der Nacht. Ein größeres Angebot an der Strombörse sorgt bei genügend Kapazitäten zu einem Rückgang des Preises. Als Betreiber des Pumpspeichers der ideale Zeitpunkt, den unteren See zu leeren und die Pumpen anzuwerfen. Sinnvoll, denn hinsichtlich der vorhandenen Stromkapazitäten erfolgt eine Verstetigung. Am Abend, wenn weniger Solarstrom vorhanden ist und mehr Strom für die Industrie und private Haushalte benötigt wird, geht der Strompreis an der Börse wahrscheinlich hoch und es kann mit Gewinn verkauft werden. Soweit die Theorie, die in einer „sauberen“ Welt der Übertragungsnetzbetreiber auch gern in Hochglanzbroschüren beschrieben wird.

Das Kartenhaus bricht allerdings zusammen, sobald im Zuge des Engpassmanagements eine Anweisung erteilt wird, die entgegengesetzt wirkt.  Ein Beispiel ist die Erhöhung der Stromerzeugung zur Mittagszeit (s.h. Beispiel).

Der Betreiber des Pumpspeichers kann jetzt nicht mehr mit günstigem Solarstrom seinen Speicher füllen, sondern muss diesen mit teurem Kohlestrom füllen. Das Ergebnis ist, dass der später erzeugte Strom effektiv teurer ist. Das zusätzliche Angebot an elektrischer Energie zur Mittagszeit sorgt für ein weiteres Absinken des Börsenpreises, wodurch die Erlöse aus dem Verkauf des Sonnenstroms geringer werden.

Teuer wird dies vor allem für den Stromkunden, denn sein Preis richtet sich nicht nach den Marktpreisen. Er zahlt sowohl die Differenzen bei den Börsenpreisen (EEG-Paradoxon), als auch für die quasi Verluste des Speicherbetreibers. Er zahlt für die Bereitstellung fossiler Kraftwerke, die ursächlich für das Engpassmanagement sind.

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Veröffentlicht von Thorsten Zoerner

Seit dem Jahr 2007 beschäftige ich mich mit den Themen Stromnetz und Strommarkt. Parallel dazu entstand ein Blog, um Informationen zu den jeweiligen Themen bereitzustellen. Er ist unter blog.stromhaltig.de zu finden. Über das Thema Energiewirtschaft habe ich bislang drei Bücher veröffentlicht. In meinem 2014 erschienenen Buch zum Hybridstrommarkt beschreibe ich ein Marktdesign, das in Deutschland in das Gesetzespaket Strommarkt 2.0 aufgenommen wurde. Hierbei werden zwei Technologien des Strombezugs vereint: der Hausanschluss mit Bezug bei einem klassischen Stromanbieter und einen alternativen Bezug von erneuerbaren Energien. Die wirtschaftlichen Vorteile für ein solches Marktdesign sind erwiesen. Auch die Digitalisierung beeinflusst die Energiewirtschaft von morgen. Daher habe ich mich intensiv mit dem Thema Blockchain Technologie befasst. Blockchain ist eine Technologie, die den Austausch und die Dokumentation von Daten vereinfachen kann. Daher kann diese Technologie mithilfe der digitalen Möglichkeiten das heutige Energiesystem revolutionieren. Denn damit ist eine automatische Abgleichung von Energieerzeugung und Energieverbrauch möglich. Um zukünftige Herausforderungen und Chancen mitgestalten zu können, habe ich 2017 die Firma STROMDAO gegründet. Dort bin ich Geschäftsführer und möchte dafür sorgen, dass mithilfe der Blockchain Technologie und dem Hybridstrommarkt eine digitale Infrastruktur für die Energiewirtschaft der Zukunft aufgebaut wird. Der STROMDAO Mechanismus zur Konsensfindung für den Energiemarkt unterstützt dabei die Marktkommunikation aller beteiligten Akteure.

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