VW Werk in WolfsburgSie berichten in Ihren Blog zwar über den Ausfall des VW Internen Kraftwerks jedoch nicht darüber das am 13.03.2014 von 35.000MW installierter Windleistung gerade mal 35MW eingespeist wurde. Ich werde natürlich diese Informationen an die Öffentlichkeit für Sie weiterleiten! Ich bitte Sie trotzdem um eine zügige Richtigstellung und Aufklärung des Zwischenfalls der die Stromversorgung Deutschlands regelmäßig gefährdet! Beachten Sie dass die Erwartung der Bevölkerung an EE sehr sehr hoch sind nach 0,3 Billionen € Förderung! (Lesermail von Robert „Bob“ Andrews [Name geändert])

Als Blog-Schreiber kann ich mich nur für dieses Vorgehen entschuldigen und bitte die Richtigstellung, die in diesem Beitrag vorhanden ist möglichst einer breiten Öffentlichkeit zuzuführen. Offensichtlich ist es in der Vergangenheit nicht gelungen ausgiebig die Quellen von Informationen zu nennen und genügend Hintergründe für eigene Recherchen zu liefern (wozu ich nur ermutigen kann).

Im Ernst. Egal über welches Thema man in einem Blog schreibt, so freut man sich über jede Mail und jedes Feedback, welches man erhält. Die wenigsten Mails sind Lob – es gibt mehr Kritik, oder, was ich persönlich am besten finde, Leser hinterfragen. Das eine oder andere mal sind dann auch schon Aussagen oder Inhalte geändert worden. Eine Korrekturspalte, wie es in einer großen Tageszeitung bekannt ist, muss es hier aber noch nicht geben. Zum Glück!

Wer den Beitrag „Golfstrom versiegt“ gelesen hat, dem fällt vielleicht auf, dass viele Medien (Focus, Handelsblatt, Stern,…) darüber berichten – das Ereignis allerdings so banal ist, dass es unter dem Radar der Transparenz verschwindet. Ein Kraftwerksausfall, der so minimal war und täglich von 4-10 größeren übertrumpft wird. Von diesen Ausfällen hört man allerdings wenig, da die sogenannte n-1 Sicherheit dafür sorgt, dass der Ausfall eines Kraftwerkes keinen Einfluss auf das Stromnetz – auch nicht in der näheren Umgebung hat.

Per 19.02.2014 listet die Kraftwersliste der Bundesnetzagentur eine Netto-Nennleistung für den Posten „Windenergie (Onshore Anlage)“ von 32716,92298 MW (ca. 32,7 GW). Wenn somit alle Anlagen unter voller Last für eine Stunde laufen würden, dann kämen wir auf 32,7 GWh – dies werden sie allerdings nie… (und fehlender Wind ist hier nur ein Grund.). Jetzt muss man etwas auf die Werte mit und ohne „h“ am Ende aufpassen. Die 32,7 GW kann man vergleichen mit der Geschwindigkeit eines Autos, diese sagt relativ bis nichts über die Strecke zurück, die man in einer Stunde zurück legt (außer man kennt die Durchschnittsgeschwindigkeiten – oder jede Änderung der Geschwindigkeit). Nur weil man in der Stadt auch mal 50 km/h schnell fahren kann, legt man keine 50 km in einer Stunde zurück – jedes Navi weiß dies. Bob Andrews schreibt in seiner Mail sinngemäß, dass durch das Auto Windkraft mit einer Spitzengeschwindigkeit von 350 km/h lediglich 35 Meter am 13.03.2014 zurückgelegt wurden.

Würde dieses Verhältnis stimmen, dann hätten wir wirklich einen handfesten Skandal, der Bundesbürger dürfte sich dann so fühlen, als ob er ein 5-Stern Hotel per Vorkasse gebucht hat und in einem Hotel-Garni landet.

Dank der Transparenz-Anforderungen an die Stromnetzbetreiber gibt es die Daten für den 13.03.2014 nicht nur auf grid.stromhaltig. Eine Möglichkeit ist ein Blick direkt auf die Seiten der Übertragungsnetzbetreiber:

chart

Eine andere Möglichkeit ist die Seite der EEX, dort allerdings darauf achten, dass „APG“ nicht mit ausgegeben wird, da es sich hierbei um einen Übertragungsnetzbetreiber aus Österreich handelt. Etwas hübscher aufbereitet sind die Daten bei Agora-Energiewende.

Welche Quelle man letztendlich verwendet sollte egal sein, jedoch schwanken die Werte immer etwas zwischen den Quellen, da unterschiedliche Verfahren zur Aggregation und Hochrechnung verwendet werden.

Zur Ermittlung der Windeinspeisung des 13.03.2014 sollen die diesmal die Daten der EEX verwendet werden. Wird die XLS Datei heruntergeladen, so muss man zunächst erkennen, dass es sich um 96 Werte mit der Einheit „MW“ handelt. D.h. wir wissen für jeden 15 Minuten Block des Tages die Durchschnittsgeschwindigkeit. Um jetzt auf eine Tagesleistung zu kommen muss die Summe gebildet werden und dann durch 4 geteilt werden! Die Eingespeiste elektrische Arbeit ergibt dann 21.641,825 MWh – oder der Jahresverbrauch von 6011 3-Personen-Haushalte. Eine Zahl, die man durchaus mal an die Öffentlichkeit weiterleiten kann 🙂 Der Zwischenfall der Stromeinspeisung aus Windkraft  am 13.03. sollte damit richtig gestellt sein – außer die Daten der EEX/Übetragungsnetzbetreiber sind vollständig daneben.

Geldverbrennung
Geldverbrennung

Bob führt an, dass nach 0,3 Billionen Förderung die Erwartungen sehr hoch sind. Stimmt, die Erwartung ist hoch, doch in wie weit werden sie erfüllt? 0,3 Billionen entsprechen 300 Mrd. € – ein Betrag, der schon durch so viele Lobby und PR-Agenturen gewaschen wurde, dass er sich nicht wirklich belegen oder falsifizieren lässt.  Der Vergleich von Förderungen und Subventionen ist Industrieller Sado Ma….

Das INSM hatte letztes Jahr einen Rechner entwickelt, welcher auf die Sekunde genau die Förderung (dort Subvention genannt) des Erneuerbaren Energie Gesetz auflistet. Es wird zum heutigen Tag eine Summe von 85 Mrd. Euro genannt. [Anmerkung: Hätte nie gedacht, dass ich diesen Rechner wirklich einmal verlinke…]

Die 300 Mrd. Euro Förderung gab es in Deutschland allerdings tatsächlich in der Stromwirtschaft, allerdings bei der Steinkohle. Nach Angaben des BWE  setzen sich diese Zusammen:

  • ~ 200 Mrd. Euro Finanzhilfen
  • ~ 100 Mrd. Euro Steuervergünstigungen
  • ~ 11 Mrd. Euro Vergünstigungen im Emissionshandel

Unschön für die Berichterstattung ist daran, dass es nicht so schöne Online-Plattformen wie bei der Windenergie gibt, bei denen sich der Kosten-Nutzen Faktor ablesen lässt. Wenn, wie im Falle des Stromausfalls in Wolfsburg, die Lichter ausgehen, dann fällt dies unter die Bagatellgrenze.

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Veröffentlicht von Thorsten Zoerner

Seit dem Jahr 2007 beschäftige ich mich mit den Themen Stromnetz und Strommarkt. Parallel dazu entstand ein Blog, um Informationen zu den jeweiligen Themen bereitzustellen. Er ist unter blog.stromhaltig.de zu finden. Über das Thema Energiewirtschaft habe ich bislang drei Bücher veröffentlicht. In meinem 2014 erschienenen Buch zum Hybridstrommarkt beschreibe ich ein Marktdesign, das in Deutschland in das Gesetzespaket Strommarkt 2.0 aufgenommen wurde. Hierbei werden zwei Technologien des Strombezugs vereint: der Hausanschluss mit Bezug bei einem klassischen Stromanbieter und einen alternativen Bezug von erneuerbaren Energien. Die wirtschaftlichen Vorteile für ein solches Marktdesign sind erwiesen. Auch die Digitalisierung beeinflusst die Energiewirtschaft von morgen. Daher habe ich mich intensiv mit dem Thema Blockchain Technologie befasst. Blockchain ist eine Technologie, die den Austausch und die Dokumentation von Daten vereinfachen kann. Daher kann diese Technologie mithilfe der digitalen Möglichkeiten das heutige Energiesystem revolutionieren. Denn damit ist eine automatische Abgleichung von Energieerzeugung und Energieverbrauch möglich. Um zukünftige Herausforderungen und Chancen mitgestalten zu können, habe ich 2017 die Firma STROMDAO gegründet. Dort bin ich Geschäftsführer und möchte dafür sorgen, dass mithilfe der Blockchain Technologie und dem Hybridstrommarkt eine digitale Infrastruktur für die Energiewirtschaft der Zukunft aufgebaut wird. Der STROMDAO Mechanismus zur Konsensfindung für den Energiemarkt unterstützt dabei die Marktkommunikation aller beteiligten Akteure.

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