In der kleinen Anfrage „Daten zur Abregelung von regenerativen Stromerzeugungsanlagen“ der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen antwortet die Bundesregierung, dass bei einem Redispatch die gesamte Einspeiseleistung unverändert bleibt.

Diese Aussage kann leider auf Basis der öffentlich zugänglichen Informationen widerlegt werden. Unwissenheit, oder bewusste Irreführung? – Falsche Informationen sorgen für falsche Entscheidungen; nicht nur in der Politik.

Die gesamte Anfrage und die Antwort ist in Drucksache 18/798 einsehbar.

Bei einem Redispatch handelt es sich um einen Eingriff der Übertragungsnetzbetreiber in die Kraftwerksleistung. Ziel des Redispatch ist die Behebung eines Netzengpasses.

Die Übertragungsnetzbetreiber senken lediglich die Einspeiseleistung eines Kraftwerks vor dem Netzengpass und steigern gleichzeitig die Einspeiseleistung eines Kraftwerks hinter dem Netzengpass.

Diese Beschreibung ist generell richtig, auch wenn die Worte „lediglich“ und „gleichzeitig“ nicht unbedingt mit der Realität korrelieren.  In der Animation von blog.stromhaltig müsste im Falle einer gleichzeitigen Erhöhung und Senkung ein roter und ein  grüner Kreis zu sehen sein, die den gleichen Durchmesser haben.  Diese Zeiten existieren auch…

Die vier in Deutschland aktiven Übertragungsnetzbetreiber veröffentlichen auf ihrer Webseite zur Netztransparenz die aktuellen Redispatches.  Aktuell sind rückwirkend die Daten bis zum April 2013 abrufbar und können recht einfach mittels einer Tabellenkalkulation ausgewertet werden.

Übertragungsnetzbetreiber (anfordernd) Gesamt Arbeit MWh
50Hertz 3777.086
Amprion 330
TenneT DE 10534.272
TransnetBW 13264.762
Gesamtergebnis 27906.12

Im Zuge einer solchen Auswertung ist bereits im Mai 2013 aufgefallen, dass die Einspeiseleistung durchaus verändert wird. Als Ursachen für ein Ungleichgewicht wurden zwei Hypothesen in den Raum gestellt: Zum einen, dass Kraftwerksausfälle durch einen Redispatch kompensiert werden sollen, zum anderen, dass der Bedarf an Minutenregelleistung künstlich klein gehalten wird.

Die Übertragungsnetzbetreiber geben auf ihrer Seite eine Ursache an:

.. .führen Bilanzabweichungen von Redispatcheinsätzen durch technisch bedingte Anfahr- und Abfahrrampen und börsliche Gegengeschäfte dazu, dass die veröffentlichten Redispatch-Energiemengen nicht ausgeglichen sein können.

Bevor man sich weitergehend mit dem Thema beschäftigen sollte, ist zunächst ein Lagebild zu erstellen. Wie „unverändert“ bleibt die Einspeiseleistung tatsächlich? Für die erste Hälfte des März 2014  (1.3. – 15.3.) können 110 Redispatches gezählt werden. Die gesamt Arbeit betrug 27906.12 MW, was etwa einem Spotmarktwert von 976.710€ entspricht (Mittel von 35€/MW angenommen).

Richtung Gesamt Arbeit MWh Anteil %
Wirkleistungseinspeisung erhöhen 14890.736 53.36%
Wirkleistungseinspeisung reduzieren 13015.384 46.64%

Erstaunlich ist, dass auch bei anderen Zeitfenstern die Erhöhung einen größeren Anteil einnimmt, als die Reduzierung.  Ein Pawlowscher Hund (vergl. Wikipedia) hätte nach einigen Monaten wahrscheinlich keinen Speichelfluss mehr bekommen, wenn der Stimulus zum Erhöhen in einer Endlosschleife vom Band abgespielt wird. Wieso nicht weniger anfordern? Oder im Falle einer Reduzierung mehr anfordern? – Handel, Rampen und sonstige Gründe hin oder her…

Die 6,72% Unterschied sind noch nicht wirklich signifikant. Relevant wird es allerdings, wenn man die fehlende Synchronität der Maßnahmen bedenkt. Dann handelt es sich nämlich um einen Markteingriff, da das „Volumen“ zu einem Zeitpunkt verändert wird. Verändert wird das Volumen des verfügbaren Stroms am EPEX-Spotmarkt.

Wie man bei der Untersuchung des Orkan Xaver im Dezember erkennen konnte, ist es extrem schwer die Auswirkungen einer Volumenänderung auf den Preis vorherzusagen.  Geht der Preis am Spotmarkt zurück, so geht die Nachfrage stärker nach oben als der Preis zurück gegangen ist.  Eine weitere Herausforderung ist, dass nicht jeder Strom bei EPEX gehandelt wird und es dort auch noch mehrere „Produkte“ gibt.

Dennoch soll am Beispiel eines Redispatch vom 15.03.2014 ein Verhältnis versucht werden:

Beginn 00:00
Ende 01:00
Wo Grenzregion RZ 50Hertz – RZ TenneT DE
Richtung Wirkleistungseinspeisung erhöhen
Gesamt Arbeit 440 MWh
Kraftwerk Kraftwerk Lippendorf

Für diesen Zeitraum nennt die EPEXSpot auf ihrer Seite ein Handelsvolumen von 33.407 MWh (Preis: 13,.  Am Folgetag hatte ein Handelsvolumen von 37.674 MWh dafür gesorgt, dass der Preis in den negativen Bereich gerutscht ist.

Den Beitrag "Redispatch: Korrektur zur kleinen Anfrage der Grünen notwendig? offline Lesen:

2 Gedanken zu “Redispatch: Korrektur zur kleinen Anfrage der Grünen notwendig?

  1. Bei der zeitweise auffällig hohen Zahl von Redispatches im Tennet-Gebiet ist zu beachten, dass der Tennet-Vorgänger Eon viele Windkraftanlagen früher nur unter einer vertraglich vereinbarten Bedingung ans Netz gelassen hat, dass er sie entschädigungsfrei abregeln darf. Anscheindend wird von dieser vertraglichen Regelung vor allem in Nordschleswig ganz gerne Gebrauch gemacht, was deren Wirtschaftlichkeit angeblich nicht unerheblich beeinträchtigt. Diese Art der Einschränkung des Einspeisevorrangs lässt das EEG bei Neuverträgen allerdings nicht mehr zu, so dass diese Fälle im Zuge des Repowering allmählich abnehmen dürften.

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  2. Hallo Jochen,

    danke für die Hintergrundinfos. Gibt es dazu irgend einen Link oder Referenz? Hier wurde bislang die Abregelung ja nicht betrachtet, da sie in den Redispatch Daten der Regelzone nicht aufgeführt wird.

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