E.ON Chef Teyssen hatte im Oktober 2013 die  privaten Stromerzeuger als „Schwarzbrenner“ bezeichnet (vergl. Meldung).  Wenn ein Industriebetrieb ein Kraftwerk finanziert, baut und betreibt, um den erzeugten Strom selbst zu nutzen, dann ist das auch Eigenstrom – und würde eigentlich unter die Abgabe fallen, die von der Bundesregierung aktuell diskutiert wird.

Nach Meldung des Photovoltaik Forums kann nun zumindest die Industrie wieder aufatmen und braucht keine Kosten für die Schwarzbrennerei befürchten. Ein neues Privileg soll zur Hilfe eilen.

2014-02-23 12.52.21

Uns geht es um die Befreiung von Eigenstrom in der Industrie“, sagte Kraft anschließend vor der Presse, „wir brauchen deutliche Verbesserungen gegenüber den Eckpunkten, die in Meseberg vorgelegt wurden.“ Nach den Vorstellungen der drei Bundesländer sollen industrielle Bestandsanlagen von der Zahlung der EEG-Umlage auf Eigenverbrauch völlig ausgenommen werden.  (Meldung im PV-Forum)

Schwarzbrenner Privilegien Drücker
Schwarzbrenner Privilegien Drücker

Den Ton in der Debatte geben die SPD Wirtschaftsminister der Länder an,  die sich in der kommenden Woche treffen um über die Novelle des EEG zu entscheiden. Zumindest ein Randthema dürfte auch die anhängige Verfassungsbeschwerde sein, bei der es um den Eingriff in die Betriebssteuerung von Kraftwerken bei Unternehmen ging.

Die vorgeschlagene Regelung, auf den Strom aus neuen Eigenstromanlagen 70 bis 90 Prozent der EEG-Umlage zu erheben, sei „nicht haltbar“, sagte die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer in Berlin. (Tagesschau.de)

Will man ein neues Medikament auf den Markt bringen, so sind zunächst verschiedenste Studien und Feldtests durchzuführen. Beim Medikament Eigenstrom-EEG wird es langsam richtig emotional, denn bereits jetzt ist klar, dass ein Ziel damit nicht erreicht werden kann: Günstigere Strompreise. Selbst wenn man die zusätzlichen Kosten für Zähler, Ablesung und Abrechnung vernachlässigt, wird der Strompreis für den Letztverbraucher um weniger als ein Cent entlastet.

Bereits bei der jährlichen Liste der EEG-Privilegierten Unternehmen gibt es immer ein gewisses Unverständnis (vergl. „Karte: Unternehmen mit EEG-Privileg 2014„. Zu schwer ist es die wirtschaftliche Abhängigkeit von Stromkosten zur Wirtschaftlichkeit abzuschätzen.  Bei Klimaretter.info zitiert man eine Studie von Climate Strategies, die das Dilemma auf den Punkt bringt:

Überhaupt hänge die Wettbewerbsfähigkeit hauptsächlich an den Kosten für Öl, Kohle und Gas und nicht in erster Linie an den Stromkosten.

Hat man dann noch im Kopf, dass im Dezember 2013 eine Meldung bekannt wurde, bei dem ein holländisches Unternehmen (mittlerweile Pleite) versucht hatte wegen des günstigen Stroms in Deutschland von hier seinen Strom zu beziehen, dann wird das Defizit der politischen Kommunikatoren offensichtlich: Der Otto-Normal-Bürger versteht es nicht. 

Die „kleinen“ Anlagenbetreiber fallen jetzt unter eine Bagatellgrenze. Aber bereits dem Handwerksbetrieb, oder dem kleinen Mittelständler gelingt dies nicht mehr. Sie zahlen eine Umlage auf den selbst erzeugten Strom, welchen die größeren Industriebetriebe nicht zahlen müssen. Da wundert es nicht, dass die IHK’s jetzt aufklären wollen, wie man sehr schön am Beispiel des Beitrags von Jochen Ohligs erkennen kann.

black_outAls Argument für die Eigenstrom-Umlage wird eigentlich nur angeführt, dass man sich im Falle von nicht genügend Strom aus den eigenen Anlagen auf das Stromnetz verlassen kann. Dafür soll der Eigenstrom-Nutzer zahlen.  Von den Wirtschaftsministern der Länder führt man an, dass man das Privileg brauche um gegenüber den USA und Kanada wettbewerbsfähig zu sein.

Allein in Kanada entfielen 18,9 Millionen Arbeitsstunden, Autohersteller DaimlerChrysler musste rund 10.000 Fahrzeuge verschrotten, weil es keinen Strom für das Trocknen der Pkws in den Lackierstraßen gab. Bei Ford ruinierte abkühlendes Metall einen der Hochöfen. (GDV)

Warum kann ich mich nur schwer mit dem Gedanken anfreunden, dass es Industrieunternehmen gibt, die tatsächlich lieber an das amerikanische Stromnetz angeschlossen sein wollen?

Den Beitrag "Privilegiert: Industrielle Schwarzbrennerei offline Lesen:

Ein Gedanke zu “Privilegiert: Industrielle Schwarzbrennerei

  1. Pingback: Editorial: Akute Psychose hat sich zur Pandemie entwickelt! #EEGPedemie | blog.stromhaltig

Kommentar hinterlassen

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong> 

benötigt