Das ParadoxonIm Rahmen des Germany-Next-Top EEG kam unter anderem der Begriff des „EEG Paradoxon“ wieder in die Medien. Die einfachste Beschreibung findet Branchenkennerin Kathrin Hoffmann im Windwärts Blog:

Teurer Strom durch sinkende Börsenpreise

Nicht mehr und nicht weniger. Geht der Börsenpreis zurück, dann zahlen die Verbraucher mehr bei der EEG-Umlage. Eine Tatsache, die von kaum einem Reformvorschlag bislang beachtet wird. Doch warum eigentlich nicht?

Auf kognitiver Ebene kommt die Nachricht hinter dem EEG-Paradoxon so schwer rüber, dass man nicht nur verwirrt ist, sondern zum Teil denkt: „Was haben die sich dabei nur gedacht?“ – Die, dass ist die ehemalige Schwarz/Gelbe Bundesregierung, die den zweiten Schritt zur Marktintegration der Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energiequellen gemacht haben.

Das erste Erneuerbaren-Energiegesetzt wurde damals recht einfach gestrickt. Kosten für den Aufbau von Solar-Dächern wurden entsprechend der erzeugten Strommenge auf die Verbrauchsmenge aller Haushalte umgelegt. Fast, wie es im Bierdeckel EEG  beschrieben ist.

Im Jahre 2009 wurde dann der zweite Schritt zur Marktintegration unternommen, indem man den Handel – genauer gesagt den Börsenhandel mit EEG-Strom integrierte. Seither gehen die vier Übertragungsnetzbetreiber in Deutschland her und verkaufen an der EPEX-Spot Börse in Paris die Stromerzeugung aus EEG geförderten Anlagen. Dieser Handelsplatz ist damit (fast über Nacht) zum größten Börsenplatz für Strom aus Solar- und Windkraft in der Welt geworden. Es handelt sich dabei um einen Spot-Markt (vergl. Wikipedia) an dem keine langfristigen Lieferzusagen wie am Terminmarkt gehandelt werden, sondern kurzfristige.

Jeder Markt  (und jede Börse) macht eine Preisfindung entsprechend des Angebotes und der Nachfrage. Geht das Angebot hoch und die Nachfrage runter, dann geht der Preis in den Keller. Auf der Seite der Erzeuger hat man mit dem EEG eine Zusage über einen Abnahmepreis gemacht, welcher erfüllt werden muss. Dies ist unabhängig vom Preis der tatsächlich an der Börse durch die Übertragungsnetzbetreiber erzielt werden kann. Die Differenz aus Börsenpreis und garantiertem Preis ist von den EEG-Umlagezahlern zu deckeln – also von allen Stromkunden, deren Strompreis dadurch steigt.

Richtig: Die Preiskomponente EEG-Umlage steigt.

Auch richtig: Die Preiskomponente „Strom-Erzeugung“ wird mit dem Rückgang des Börsenpreises wesentlich stärker zurück gehen. Vereinfacht kann man sagen, dass bei 75% Strom aus anderen Quellen in Deutschland, dieser ebenfalls günstiger wird. Steigt die EEG-Umlage wegen dem niedrigen Strompreis nominal um 1 Cent, dann muss eigentlich der restliche Strom um 3 Cent günstiger bezogen werden. Macht Endkundenpreis – 2 Cent.

Warum steigen die Endkundenpreise trotzdem?

Der Hauptgrund ist, dass der aller meiste Strom, den wir aus unserer Steckdose bekommen nicht auf dem Spot-Markt eingekauft wurde, sondern auf dem Terminmarkt. Dort darf/kann/soll der Strom aus Sonne/Wind nicht gehandelt werden. Mittlerweile ist aber auch der Terminmarktpreis deutlich zurück gegangen, nur kommt dies noch nicht beim Verbraucher an.

Wer kauft dann den Strom am Spot-Markt?

Alle die es dürfen und kurzfristig reagieren müssen. Dies sind zum Beispiel die Verteilnetzbetreiber. Im Gegensatz zum Stormversorger, mit dem ein Tarif abgeschlossen wurde, bekommen die Verteilnetzbetreiber mit, wenn mehr oder weniger Strom verbraucht wird. Diese Abweichungen müssen gekauft oder verkauft werden. Des weiteren haben natürlich Groverbraucher die Möglichkeit sich über entsprechende Händler direkt am Spot-Markt einzudecken.

An dieser Stelle muss man sagen, dass die Welt nicht schwarz und weiß ist. So gibt es Versorger, die auch am Spot-Markt einkaufen usw… usw…

Wer verdient?

Bei der Bewirtschaftung der EEG Positionen an der Strombörse EPEXSPOT werden alle verfügbaren Produkte eingesetzt. Sicher haben Sie Verständnis, dass wir Details unserer Handelsstrategie nicht kommunizieren. (Ein Übertragungsnetzbetreiber)

Das Problem ist leider, dass man es schlicht nicht weiß. Weder gibt es entsprechende Statistiken, die Käufer und Verkäufer am Spot-Markt zeigen – noch ein öffentlicher Zugriff auf das sogenannte Orderbuch. Einige „Auffälligkeiten“ wie beim Orkan Xaver werfen allerdings Fragen auf…

Wer verliert?

Der große Verlierer ist der Letztverbraucher. Es wird das Plazebo EEG-Umlage und deren Entwicklung hochgehalten, ohne die restlichen Preisbestandteile und deren Entwicklung näher zu betrachten.

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