Eingriffe in das Stromnetz - Februar 2014
Eingriffe in das Stromnetz – Februar 2014

Unter einem Re-Dispatch versteht man eine Art des Eingriffes in das Stromnetz, um dessen Stabilität zu gewährleisten. Aus dem Handel mit Strom ergibt sich ein primärer Fahrplan für Kraftwerke jeglicher Art, der zunächst den Bedarf und die Erzeugung hinsichtlich der Menge und Zeitpunkt vereint. Aufgabe des Übertragungsnetzes ist es die entstehenden räumlichen Unterschiede auszugleichen. Da die Leitungen des Übertragungsnetzes physikalische Grenzen haben, sind die Betreiber berichtigt eine Umverteilung vorzunehmen – also ein Kraftwerk aufzufordern die Wirkleistung zu reduzieren, ein anderes die Wirkleistung zu erhöhen. Man spricht von einem Re-Dispatch.

Im Februar 2014 wurden nach Angaben der Betreiber 388 Umverteilungen vorgenommen, die 35 der mehr als 1300 Kraftwerke (>10MW) in Deutschland betraf.

Insgesamt wurde die Anweisung gegeben die Wirkleistung um 38,9 GWh zu reduzieren und 62,4 GWh zur Erhöhung. Wie bereits im Mai 2013 beschrieben, sollte eigentlich eine Mengengleichheit zwischen der Anforderung zur Erhöhung und der Reduzierung gegeben sein. Auf der Seite der 4 Übertragungsnetzbetreiber steht dazu:

Durch die Absenkung der Wirkleistungseinspeisung eines oder mehrerer Kraftwerke bei gleichzeitiger Steigerung der Wirkleistungseinspeisung eines oder mehrerer anderer Kraftwerke bleibt in Summe die gesamte Wirkleistungseinspeisung nahezu unverändert bei gleichzeitiger Entlastung eines Engpasses.

Vorarlberg Netz - Hauptschaltleitung (Bild: Illwerke VKW)
Vorarlberg Netz – Hauptschaltleitung (Bild: Illwerke VKW)

In den Werten von 2014 ist auch das mengenmäßig größte Re-Dispatch Ziel berücksichtigt, der für den gesamten Februar 2014 eine Erhöhung von 19,3 GWh bei den Vorarlberger Illwerke AG angefordert wurde. Schaut man auf die Kraftwerksliste des Unternehmens, dann stellt man fest, dass es sich hierbei um eine Vielzahl von Speicherseen handelt.

Die bereits heute wichtige Rolle von Speichertechnologien wird damit vielleicht ein bisschen weiter greifbar, allerdings lässt sich die Mengendifferenz auch weiterhin nicht erklären.

Ärgerlich ist die beobachtete Mengendifferenz, da sich dadurch eine Verfälschung des gehandelten Marktvolumens ergibt. Im Falle einer stärkeren Erhöhung als Reduktion, wie sie im Februar 2014 bestanden hat, deutet dies darauf hin, dass mehr Strom real benötigt wurde, als über den Handel eingekauft wurde. Diese Nachfrage, die rein über einen Re-Dispatch befriedigt wurde, führt zu potentiell niedrigeren Preisen am Spot-Markt. Kritisch, da es hier eine direkte Kopplung mit dem Erneuerbaren-Energie-Gesetz gibt und somit sich auf die Strompreise der Letztverbraucher auswirkt.

Betrachtet man Deutschland isoliert, dann kann man auch für den Februar 2014 feststellen, dass es eine räumliche Umverteilung von Nord-Ost nach Süd-West gibt. Für die Planung von neuen Kraftwerksstandorten, oder auch Leitungstrassen sollte dies berücksichtigt werden, denn es ist ein Indiz für ein permanentes Ungleichgewicht zwischen Handel und Physik, welches nur bedingt ausgeglichen werden kann.

Auch wenn so nicht erreichbar – sollte trotzdem das Ziel eine 0-Re-Dispatch Strategie sein. Schwankende Erzeugung und Prognosefehler werden immer für zu eine solche Maßnahme notwendig machen, können sie aber minimiert werden, so geht die Schere zwischen Handel und Realität nicht weiter auseinander. Letztendlich ist ein Re-Dispatch ein Eingriff in den freien Markt, der als letzte Instanz zur Sicherung der Netzstabilität zu sehen ist.

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Veröffentlicht von Thorsten Zoerner

Seit dem Jahr 2007 beschäftige ich mich mit den Themen Stromnetz und Strommarkt. Parallel dazu entstand ein Blog, um Informationen zu den jeweiligen Themen bereitzustellen. Er ist unter blog.stromhaltig.de zu finden. Über das Thema Energiewirtschaft habe ich bislang drei Bücher veröffentlicht. In meinem 2014 erschienenen Buch zum Hybridstrommarkt beschreibe ich ein Marktdesign, das in Deutschland in das Gesetzespaket Strommarkt 2.0 aufgenommen wurde. Hierbei werden zwei Technologien des Strombezugs vereint: der Hausanschluss mit Bezug bei einem klassischen Stromanbieter und einen alternativen Bezug von erneuerbaren Energien. Die wirtschaftlichen Vorteile für ein solches Marktdesign sind erwiesen. Auch die Digitalisierung beeinflusst die Energiewirtschaft von morgen. Daher habe ich mich intensiv mit dem Thema Blockchain Technologie befasst. Blockchain ist eine Technologie, die den Austausch und die Dokumentation von Daten vereinfachen kann. Daher kann diese Technologie mithilfe der digitalen Möglichkeiten das heutige Energiesystem revolutionieren. Denn damit ist eine automatische Abgleichung von Energieerzeugung und Energieverbrauch möglich. Um zukünftige Herausforderungen und Chancen mitgestalten zu können, habe ich 2017 die Firma STROMDAO gegründet. Dort bin ich Geschäftsführer und möchte dafür sorgen, dass mithilfe der Blockchain Technologie und dem Hybridstrommarkt eine digitale Infrastruktur für die Energiewirtschaft der Zukunft aufgebaut wird. Der STROMDAO Mechanismus zur Konsensfindung für den Energiemarkt unterstützt dabei die Marktkommunikation aller beteiligten Akteure.

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