2014-02-19 16.33.30Die „Mengenleere“:

Wenn eine Person in einem Raum ist und zwei diesen verlassen, dann muss einer zurück, damit der Raum leer ist.

Gesprächsprotokoll:

Guten Tag Herr Zoerner, ich rufe von Ihrem ehemaligen Energieversorger an. Sie haben die Schlichtungsstelle Energie e.V. angerufen. Was muss passieren, damit wir bei diesem Telefonat zu einer Einigung kommen?

Im November 2013 hatte blog.stromhaltig das letzte Update zu einem sehr persönlichen Fall gegeben. Mit Sicherheit ein Einzelfall, der so bei keinem anderen Kunden noch einmal vorkommt. Heute nun die Einigung per Telefonat. Nach 2 Jahren…

Kurz umrissen ging es darum, dass bei 2 meiner 4 Stromanschlüsse der Messstellenbetrieb fremdvergeben ist. Dadurch wird der sonst auf der Stromrechnung vorhandene Posten „Messung/Ablesung“ nicht mehr an den Stromversorger bezahlt, sondern direkt mit dem Messstellenbetreiber. Dieser hat auch sein Geld bekommen – nur stand eben auch die Zeile auf der Jahresabrechnung meines Versorgers.

Damit dieser Eintrag auf die Rechnung kommt, hatte vorher der Netzbetreiber eine entsprechende Meldung gemacht. Diese nach Mahnung von mir rückabgewickelt.

Lange Rede … ein Einzelfall, wie auch die anderen Fälle der letzten 3 Jahre:

  • Doppelbelieferung durch zwei Versorger
  • Falsche Bestätigung eines Lieferantenwechsels durch Netzbetreiber
  • Falsches Lastprofil (G0 anstelle H0 … und dann WP)
  • Zuordnung zwischen Zähler und Anschlusspunkt falsch

Stammdaten – Fehlerhaft

In der EDV wird bei den Daten, die einen Kunden beschreiben von den sogenannten Stammdaten gesprochen. Beim Netzbetreiber steht in diesen Stammdaten das Lastprofil, der Jahresverbrauch, aber auch der Messstellenbetreiber oder der Stromlieferant. Eindeutige Daten – könnte man annehmen, doch da es zwischen Verteilnetzbetreiber und Stromkunden keine direkte Kommunikation gibt, sind beide Seiten darauf angewiesen, dass sich „Irgendjemand“ um die Aktualisierung kümmert.

Dunkelziffer – Teure Ziffer

Die Stammdaten sind das Gold der Netzbetreiber. Letztendlich dokumentieren diese, welche Leistung für welchen Anschluss erbracht wird. Jeder Einzelfall von Oben ist bedauerlich – vertraut man der Statistik, so wird es allerdings eine zunehmende Dunkelziffer von Anschlüssen geben, die fehlerhaft geführt werden.

Fehler in den Stammdaten haben weitreichende Folgen. Planung des Netzausbaus, Verrechnung von Leistungen, usw… – alle Geschäftsprozesse der Versorger und der Netzbetreiber bekommen ein Fragezeichen, wenn die Richtigkeit der Stammdaten nicht gewährleistet wird.

Ein Beispiel: Die Konzessionsabgabe an die Gemeinde/Stadt ist abhängig von der Schlüsselung des Profils (Sondervertragskunden/Tarifkunden Schwachlast/Tarifkunden). Was passiert, wenn die Abrechnung falsch ist?

Eine Volkszählung wird kommen

Einige wenige Anbieter von EDV-Software haben in den letzten Jahren durch sogenannte „Industry Solution for Utilities Industry“ eine goldene Nase verdient. Darin werden die Stammdaten verwaltet, organisiert und gepflegt. Die Transaktionskosten sind nieder – und das System scheinbar stabil. Es könnte aber der GAU kommen – und eine vollständige Überprüfung der Stammdaten auf ihre Richtigkeit anstehen. Es wundert etwas, das kein Wirtschaftsprüfungsbericht bislang auffindbar ist…

Die Fälle der Schlichtungsstelle sind ein Frühwarnindikator, dass man aus den Daten der Stromkunden ein Hochregallager mit Chaotischer Lagerhaltung (s.h. Wikipedia).

Wehe, die Fehler werden so offensichtlich, dass jemand eine Inventur verlangt…

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Veröffentlicht von Thorsten Zoerner

Seit dem Jahr 2007 beschäftige ich mich mit den Themen Stromnetz und Strommarkt. Parallel dazu entstand ein Blog, um Informationen zu den jeweiligen Themen bereitzustellen. Er ist unter blog.stromhaltig.de zu finden. Über das Thema Energiewirtschaft habe ich bislang drei Bücher veröffentlicht. In meinem 2014 erschienenen Buch zum Hybridstrommarkt beschreibe ich ein Marktdesign, das in Deutschland in das Gesetzespaket Strommarkt 2.0 aufgenommen wurde. Hierbei werden zwei Technologien des Strombezugs vereint: der Hausanschluss mit Bezug bei einem klassischen Stromanbieter und einen alternativen Bezug von erneuerbaren Energien. Die wirtschaftlichen Vorteile für ein solches Marktdesign sind erwiesen. Auch die Digitalisierung beeinflusst die Energiewirtschaft von morgen. Daher habe ich mich intensiv mit dem Thema Blockchain Technologie befasst. Blockchain ist eine Technologie, die den Austausch und die Dokumentation von Daten vereinfachen kann. Daher kann diese Technologie mithilfe der digitalen Möglichkeiten das heutige Energiesystem revolutionieren. Denn damit ist eine automatische Abgleichung von Energieerzeugung und Energieverbrauch möglich. Um zukünftige Herausforderungen und Chancen mitgestalten zu können, habe ich 2017 die Firma STROMDAO gegründet. Dort bin ich Geschäftsführer und möchte dafür sorgen, dass mithilfe der Blockchain Technologie und dem Hybridstrommarkt eine digitale Infrastruktur für die Energiewirtschaft der Zukunft aufgebaut wird. Der STROMDAO Mechanismus zur Konsensfindung für den Energiemarkt unterstützt dabei die Marktkommunikation aller beteiligten Akteure.

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