In Kürze wird es bei blog.stromhaltig einen Beitrag über den Fluss des Geldes beim Strom geben. Einige Antworten sind bereits eingetroffen, so erklärt das Bundes-Wirtschaftsministerium, dass es eigentlich nur die Erzeuger von Strom und das EEG gibt. Börse, Regelenergie und andere Faktoren zwischen Erzeugung und Verbrauch werden vernachlässigt.

Als Vorausschau hat Branchenkenner Björn-Lars Kuhn von Proteus Solutions unter der Rubrik Basiswissen skizziert, welcher physikalischer Weg zwischen Kraftwerk und Steckdose steckt.

Bei vielen Endverbrauchern ist immer noch die pauschale Meinung «Bei mir kommt der Strom aus der Steckdose» weit verbreitet. Grundsätzlich ist diese Meinung ja völlig korrekt. Aber wie sieht der Weg eigentlich aus, zwischen Kraftwerk und der eigenen Steckdose. In unserer «Löwenzahn»-Reihe Basiswissen wollen wir ein wenig Hintergrund liefern.

Strommix-2012

Energie wir heute in Deutschland durch eine ganze Reihe an verschiedenen Kraftwerken erzeugt. Hauptsächlich dominieren – nach der ersten Abschaltung von Kernkraftwerken – Braunkohle (26%), Steinkohle (19,1%) und Kernenergie (16%). Der Anteil der erneuerbaren Energien – Photovoltaik, Windenergie, Wasserkraft, Biomasse und Geothermie – ist fast auf ein Viertel gestiegen.

Eines der großen Probleme bei der Energiewende ist, dass jeder Kraftwerksbetreiber natürlich so viel Energie wie möglich erzeugen und verkaufen will. Doch das ist in einem Stromnetz – das ja keine Energie speichern kann – gar nicht so einfach. Hier müssen entsprechende Regelungen durch die Politik geschaffen werden um ein sinnvolles Miteinander zu gewährleisten. Nur so können sich Erneuerbare und konventionelle bei gleichzeitigem Ausbau der Erneuerbaren ergänzen.

Was für ein Kraftwerk jedoch Strom produziert, ist in unserem Beispiel unwichtig.

Stromnetze

Vom Kraftwerk aus wird der erzeugte Strom – richtiger, die erzeugte Energie – in das Stromnetz eingespeist. Allerdings istStromnetz nicht gleich Stromnetz. Hierbei wird zwischen drei verschiedenen Netzarten unterschieden:

  • dem Höchstspannungsnetz, mit Spannungen von 220 kV oder 380 kV (kV = 1000 Volt)
  • dem Hochspannungsnetz, mit einer Spannung von 110 kV
  • dem Mittelspannungsnetz, mit Spannungen von 10 kV, 20 kV oder 25 kV und
  • dem Niederspannungsnetz, mit Spannungen von 230V und 400V (bis 1 kV möglich).

Welches Kraftwerk nun in welches dieser Netze einspeist, hängt von der Größe und teilweise auch von den örtlichen Gegebenheiten ab.

Regelzonen ÜNBs

Diese unterschiedlichen Netze gehören verschiedenen Anbietern und werden durch diese betrieben. Das Höchstspannungsnetz gehört dabei in die Zuständigkeit der sog.Übertragungsnetzbetreiber (ÜNBs), da Leitungen mit solch hohen Spannungen (die hohen Spannungen reduzieren die Übertragungsverluste) auch zur Energieübertragung über lange Strecken verwendet werden.

Für Deutschland gibt es vier Übertragungsnetzbetreiber: 
TenneT, Amprion, 50hertz und TransnetBW. 

Die Hoch-, Mittel- und Niederspannungsnetze gehören dann den sog. Verteilnetzbetreibern (XLS-Liste), die den Strom bis zu den Haushalten liefern. In Deutschland gibt es derzeit knapp 900 von diesen Betreibern.

An dieser Stelle sollte man schon mal die Kosten betrachten. Der Kraftwerksbetreiber will natürlich für die ins Netz eingespeiste Energie entlohnt werden. Und sowohl der Übertragungsnetzbetreiber, als auch die Verteilnetzbetreiber (VNBs) nehmen dann nochmal Geld für Ihre Dienstleistung: das Nutzen der Leitung; ohne diese könnte der Strom ja nicht transportiert werden.

In der Region der VNBs komm dann noch die Gemeinde dazu, die auch die Hand aufhält. Hier wird die sog. Konzessionsabgabe berechnet. Eine Gebühr für das Recht (die Konzession) auf Gemeindegebiet überhaupt Leitungen bauen zu dürfen. Für viele Städte ist das eine große und gesunde Einnahmequelle.

Die VNBs legen Ihre Leitungen üblicherweise bis in den Keller der Endverbraucher. Dahinter kommt dann der Kasten, der so manchem schlaflose Nächte bereitet, weil sich da eine kleine Silberscheibe mit roter Markierung recht schnell dreht: der Stromzähler.

Wobei dieser heute in Neubauten durch den sog. intelligenten (elektronischen) Zählerersetzt wurde. Seit 2010 sind diese Zähler für Neubauten und grundsanierte Gebäudegesetzlich vorgeschrieben.

Beispiele Smart Meters: Vattenfall, EnBw, Discovergy, Yello Strom
Beispiele Smart Meters: Vattenfall, EnBw, Discovergy, Yello Strom | Bild: jeweiliger Anbieter

Sie ahnen es jetzt schon …

Diese Zähler gehören selbstverständlich auch jemandem: dem Messstellenbetreiber.

Seit Sommer 2005 ist es möglich diesen von einem externen Anbieter betreiben zu lassen. Traditionell wird dieser Zähler jedoch noch immer dominant von den VNBs gestellt und betrieben. Hier gibt es mittlerweile aber einige Anbieter auf dem Markt, die den Messstellenbetrieb auch separat anbieten.
Bekannte Anbieter von unabhängigen intelligenten Stromzählen sine die FirmenDiscovergy (Endkunden) und BTC AG (Unternehmen).

Der Betrieb dieser Messstelle kostet natürlich auch Geld: hierbei werden im einzelnen die Abrechnung, die Ablesung und der Messstellenbetrieb berechnet.

Steckdose grünDamit kommt letztendlich auch schon der Strom in Form der Grundversorgung aus der Steckdose. Die Grundversorgung ist jedoch oft der teuerste Stromtarif, den der örtliche Stromversorger (meist Stadtwerke) anbietet. Nun sollte man auch noch mit einem Stromlieferant einen Vertrag machen.

Das kann – und ist immer noch recht häufig – der lokale Anbieter, der jedoch schon eine Anzahl an verschiedenen Tarifen anbietet. Aber das es seit 1998 den liberalisierten Strommarkt gibt, ist es für jeden Haushaltskunden möglich einen bestimmten Anbieter selbst auszuwählen.

Hat man einen Stromliefervertrag mit einem Unternehmen (dass auch die Stromrechnung schickt) abgeschlossen, so zahlt dieser Anbieter aus Ihrer Rechnung die entsprechenden Abgaben an die ÜNBs, VNBs, den Messstellenbetreiber und ggf. an den Kraftwerksbetreiber.

Natürlich ist dieses Beispiel nun stark vereinfacht und zeigt nur eine Möglichkeit auf. Aber selbst wenn ein Stromlieferant seinen Strom an der Börse einkauft, wird dieser ja in irgendeinem Kraftwerk erzeugt. So ändert sich im Einzelfall nur der Weg des Geldes, den übrigens Netz- und Börsenexperte Thorsten Zoerner versprochen hat, mit einfachen Worten darzulegen.

Aufpassen muss man, wenn man einen externen Messstellenbetreiber beauftragt hat. Dann sollte sich der Grundpreis des Stromlieferanten reduzieren, denn dieser übernimmt ja nicht mehr das Inkasso für den Messstellenbetrieb. Dieser wird üblicherweise direkt bezahlt.

Hat man den richtigen Stromanbieter ausgewählt, so bekommt man mit der Jahresrechnung auch eine Übersicht über alle Bestandteile des Strompreises in der Summe. Das machen noch lange nicht alle Anbieter, auch wenn sie es eigentlich müssten.

Anbei das Beispiel an Hand unserer eigenen Rechnung:

Stromrechnung Proteus 2013

Autor: Björn-Lars Kuhn

Björn-Lars Kuhn

Björn-Lars Kuhn ist einer der Inhaber der Proteus Solutions GbR. Er ist zudem Gründungsmitglied der Energieblogger.

Den Beitrag "[Gastbeitrag] Der Weg des Stroms - vom Kraftwerk bis zur Steckdose offline Lesen:

2 Gedanken zu “[Gastbeitrag] Der Weg des Stroms – vom Kraftwerk bis zur Steckdose

  1. Die Anmerkung „Der Betrieb dieser Messstelle kostet natürlich auch Geld: hierbei werden im einzelnen die Abrechnung, die Ablesung und der Messstellenbetrieb berechnet.“ kommt mir etwas komisch vor und entspricht vielleicht nicht zufälligerweise der typischen Argumentation, mit der Stromversorger versuchen, ihre überhöhten Strompreise zu rechtfertigen. Denn selbst bei den konventionellen Zählern ist bei mir seit mindestens zwei Jahrzehnten (trotz mehrerer Umzüge) niemand mehr zur Ablesung vorbeigekommen, weil ich das immer selbst gemacht habe. Da würde es mich schon sehr wundern wenn das bei den Smart Metern nicht sogar noch stärker automatisiert würde und entsprechend noch weniger Aufwand für Abrechnung und „Ablesung“ entsteht. Insgesamt habe ich den Verdacht, dass die abgerechneten „Kosten“ für die SM, die ein vielfaches über denen von normalen Stromzählern liegen, kräftig überhöht sind und sich die Netzbetreiber damit ungerechtfertigt bereichern. Denn während es auf dem freien Markt den Verbrauchern überlassen ist ob sie z. B. ein überteuertes Kulthandy kaufen sind sie ja bei den SM verpflichtet, diese zu kaufen. Ich vermute, dass es hier noch einiges an Ärger geben wird und solange das Thema Smart Grid in Deutschland nicht vorankommen wird.

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  2. Pingback: Der Stromfluss des Geldes via blog.stromhaltig.de

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