geldWelchen Weg nimmt das Geld, wenn physikalisch der Strom in der heimischen Steckdose aus der Solar-Anlage des Nachbars kommt? Wer bekommt von wem Geld, welcher Handel findet statt?

Physikalisch ist recht einfach beschrieben, wie der Strom in die Steckdose kommt. Unter der Überschrift Der Weg des Stroms vom Kraftwerk bis zur Steckdose hatte Björn-Lars Kuhn dies aufgezeigt. Beim Strom fließt das Geld jedoch sehr viele Wege, ausgehend vom Meer (=Stromrechnung) soll ein Blick in die Verteilung und Umschichtungen hinter den Zahlen geworfen werden. Leider können nicht alle Wege gezeigt werden – und besonders nicht mit Beträgen berechnet werden, dafür ist der Fluss des Geldes leider zu in transparent.

Auf Anfrage teilte das Bundes Wirtschaftsministerium mit, dass der Fluss des Geldes wie folgt geregelt ist:

Die Erzeugung von Strom aus erneuerbaren Energien wird durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) gefördert. Geldströme sind soweit es die Förderung der Anlagen betrifft, im EEG geregelt. Eine Übersicht über den Ausgleichsmechanismus gibt der folgende Evaluierungsbericht der BNetzA: (hier S. 14/15 Beschreibung des Ausgleichsmechanismus)

Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit, Strom ohne Durchleitung durch das Netz selbst zu verbrauchen oder an Dritte in räumlicher Nähe (z.B. an den Nachbarn über eine Direktleitung) abzugeben. Das folgende Gutachten stellt die rechtlichen Auswirkungen des Eigenverbrauchs oder des Verbrauch in räumlicher Nähe dar: (Eigenverbrauch).

Beim Eigenverbrauch wird der Strom, der erzeugt wird, gleichzeitig verbraucht, so dass keine Förderung des Stroms und auch keine Wälzung der Kosten erfolgt. Soweit der Strom nicht in das öffentliche Netz eingespeist wird, kann der Anlagenbetreiber keine finanzielle Förderung nach dem EEG in Anspruch nehmen. Er muss aber, da er nicht das öffentliche Netz in Anspruch nimmt, keine Netzentgelte und netzentgeltgebundenen Abgaben zahlen. Daher kann die Belieferung des Nachbarn über eine Direktleitung ohne direkte finanzielle Förderung über das EEG finanziell interessant sein.

Wenn der Anlagenbetreiber einen Dritten über das öffentliche Netz beliefert, muss er Netzentgelte und netzentgeltbezogene Abgaben zahlen. Er erhält dann für den an den Dritten verkauften Strom den vereinbarten Kaufpreis und kann unter den Voraussetzungen im EEG unter Umständen zusätzlich eine Marktprämie in Anspruch nehmen. (Weitere Informationen).

Strom ist eine Handelsware, die durch viele Hände geht, bevor sie letztendlich aus der heimischen Steckdose kommt. Für Kommunen, Bundesländer, der Bund und die EU ist es wichtig zu wissen, wie der Fluss des Geldes ist. Vereinfacht fließt mit der Stromrechnung sehr viel Kaufkraft von einem Ort zum anderen. Im Jahre 2012 waren dies in etwa 75€ pro Monat  je 3 Personen Haushalt.

Steuern und Abgaben

Einen großen Teil der 75€ werden in bundesweit einheitliche und gesetzlich vorgeschriebene Töpfe fließen. Der bekannteste Posten ist die Mehrwertsteuer. Fast 12€ beträgt diese und wird entsprechend dem Verteilungsschlüssel aufgeteilt:

Bund 51,4 % 6,17 €
Länder 46,6 % 5,59 €
Gemeinde 2 % 0,24 €

Der Gemeinde fließt zusätzlich die Konzessionsabgabe zu, die je nach Größe der Gemeinde bei 1,32 – 2,39 Cent je kWh beträgt. Der 3-Personen Musterhaushalt hat einen monatlichen Stromverbrauch von ca. 300 kWh.

Gemeinde bis 25.000 Einwohner 1,32 ct/kWh 3,96 €
Gemeinde bis 100.000 Einwohner 1,59 ct/kWh 4,77 €
Gemeinde bis 500.000 Einwohner 1,99 ct/kWh 5,97 €
Gemeinde ab 500.000 Einwohner 2,39 ct/kWh 7,17 €

Solidarkosten

Die Offshore-Haftungsumlage nach § 17f EnWG (Energiewirtschaftsgesetz) ist im Jahr 2013 zur Deckung von Schadensersatzkosten eingeführt worden, die durch verspäteten Anschluss von Offshore-Windparks an das Übertragungsnetz an Land oder durch lang an dauernde Netzunterbrechungen entstehen können. Interessant ist hierbei, dass aktuell die Mehrwertsteuer auf diese Solidarkosten erhoben wird, obwohl das damit gedeckte Risiko in einer Wertschöpfung immer weiter aus den 12 Seemeilen herausrückt.

Offshore-Umlage 0,25 Cent/kWh 0,75 €

Netzentgelt

Für die Nutzung des lokalen Verteilnetzes fallen Gebühren an. Wie hoch diese sind hängt von der Wirtschaftlichkeit des Verteilnetzbetreibers ab. Dieser wird durch die Gemeindeverwaltung im Rahmen des Konzessionsvergabeverfahrens gewählt. Dem Verteilnetzbetreiber wird durch die Regulierungsbehörden eine Erlösobergrenze gebilligt. Geregelt werden die Netzentgelte in der StromNEV.

Verteilnetzbetreiber ~5 Cent/kWh 15,00 €

Dem Verteilnetzbetreiber gehört der jeweilige Stromanschluss, also sowohl der Anschluss des Erzeugers (Nachbarn), als auch des Verbrauchers (Haushalt). Die Stromrechnung wird allerdings an einen Energieversorger gezahlt, der wiederum dafür sorgt, dass ein Standardlastprofil (zeitliche Verteilung von Strommengen) in das Netz für den Haushalt eingespeist wird. Aufgabe des Verteilnetzbetreibers ist es die Differenz zwischen Standardlastprofil und tatsächlichem Verbrauch auszugleichen. Dafür wird dieser Handel betreiben.

Da von den Stromversorgern (Tarif) lediglich die Mengen eingespeist werden, die letztendlich beim Endkunden abgenommen werden, ist der Verteilnetzbetreiber dafür verantwortlich die Verlustmengen zu ersetzen. Dies erfolgt per Ausschreibung und kann auf den Seiten des Betreibers abgerufen werden.

Beispielrechnung für Syna GmbH:

Durchschnittlicher Verlust (NS) Anteilig Haushalt Kosten je kWh Gesamtkosten
2% 6 kWh 5,53 ct/kWh 0,33€

Bezug von Strom aus Erneuerbaren Quellen (Wind/Sonne/Wasser)

In der ursprünglichen Fragestellung wurde von einer Versorgung durch die Solar-Anlage des Nachbarns angenommen. Geht man von einer Solar-Anlage aus, die im Januar 2013 an das Stromnetz angeschlossen wurde und eine Leistung von 11kWp hat, so erhält der Nachbar für jede Kilo-Watt-Stunde 16,14 Cent durch den Verteilnetzbetreiber. Dieser wiederum wird sich diesen Betrag von einer der 4 Übertragungsnetzbetreiber in Deutschland geben lassen, der mit der Vermarktung beauftragt wurde.

Die Übertragungsnetzbetreiber sammeln die Einspeiseprognosen der angeschlossenen Verteilnetzbetreiber und versuchen diese an der Strombörse in Paris zu verkaufen (EPEXSpot). Dabei achten sie darauf, dass dies möglichst Aufwands und neutral von den Kosten passiert.

Am 25.02.2014 konnte eine kWh aus der Anlage des Nachbars für 0,03456 Cent/kWh verkauft werden (~Base-Produkt). Dadurch ergibt sich eine Verrechnung über die EEG-Umlage:

Gezahlte Einspeisevergütung 16,14 Cent
– Erlös aus Börsenhandel 3,456 Cent
= Deckung aus EEG-Umlage 12,684 Cent

Der Stromversorger des Verbrauchers (Haushalt) musste somit 3,456 Cent für die Belieferung durch den Nachbarn zahlen. Um 12,684 Cent ist jedoch das EEG-Konto angestiegen.

Man kann davon ausgehen, dass Strom aus Sonne in etwa 25% des Verbrauches decken kann. Rechnet man diese Werte anteilig auf den Haushalt (300kWh/Monat) hoch, so ergibt sich folgendes Kostenbild:

Stromkosten (Solar) 3,456 Cent/kWh von 75 kWh 2,59€
EEG Umlage 6,24 Cent/kWh von 300 kWh 18,72€

Bezug von Strom aus atomar/fossilen Quellen

Zur Vollständigkeit seien auch die atomar/fossile Stromerzeugung genannt. Ein wichtiges Kennzeichen ist hier eine zentralistische Verteilung, wodurch zum Teil sehr weite Leitungsstrecken benötigt werden. Entsprechend steigen die Kosten für den Transport und die Verteilung. Je nach Quelle werden bis zu 20% der Gesamtkosten angesetzt. Etwa 75% des Stroms stammt in Deutschland aus diesen Quellen. Anteilig auf den Beispielhaushalt mit 75€ Stromkosten im Monat ergibt sich:

Stromkosten (Fossil) 3,456 Cent/kWh von 225 kWh 7,77€
Transportkosten 20% von 56,25€ 11,25€

Kommunaler Wirtschaftskreislauf

„Schaffs net fort halts im Ort“ – Lautet ein Mundartspruch, der dazu animieren soll den Fluss des Geldes für Waren des täglichen Lebens möglichst regional zu halten. Die Kosten für Strom sind ein wichtiges Element der Kaufkraft eines privaten Haushaltes. Kann die Kaufkraft in der Gemeinde gehalten werden, so profitieren letztlich alle davon. Dabei ist es unabhängig, bei welchem Stromanbieter die einzelnen Haushalte sind. Die Umverteilung sorgt bei entsprechender Vorsorge für einen entsprechenden Rückfluss.

Schlüsselfragen für Kommunen

  • Ist die Kommune ein EEG-Nehmer oder EEG-Zahler?
  • Existiert ein investitionsfreundliches Klima für Stromerzeuger?
  • Welche Hilfestellung kann der Verteilnetzbetreiber bei der Regionalisierung des Wirtschaftskreislaufes einnehmen?

Um den Stromfluss des Geldes möglichst kurz zu halten, beginnt man am besten mit den Daten der Konzessionsabgabe. Aus diesen Daten können die Verbräuche ermittelt werden. Mit Hilfe der Anlagenstammdaten und Kraftwerksliste kann die Erzeugung von Strom innerhalb einer Gemeinde ermittelt werden.

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