Eigenstrom - nicht nur bei Privat PV-Anlagen beliebt
Eigenstrom – nicht nur bei Privat PV-Anlagen beliebt

Unser Bestreben ist es stets, Ökologie und Ökonomie in Einklang zu bringen. (Papier und Kartonfabrik Varel)

Nach Angaben von Spiegel-Online hat das Unternehmen eine Beschwerde beim Verfassungsgericht eingereicht. PKV betreibt ein eigenes Kraftwerk zur Strom und Wärme(Dampf)-Erzeugung mit einer Kapazität von 50MW. Nach Angaben des Beitrages von Spiegel Online richtet sich die Beschwerde gegen die möglichen Eingriffe in das Fahrplanmanagements des Kraftwerkes durch einen Netzbetreiber. Nach dem Energie-Wirtschaftsgesetz haben die Netzbetreiber die Möglichkeit Kapazitäten zur Stabilisierung des Stromnetzes anders zu verteilen. In der Konsequenz bedeutet dies zur Anforderung die Leistung eines Kraftwerkes zu erhöhen – oder zu senken.

Ob EEG-Ablage auf selbst erzeugten Strom oder Eingriffe in die betriebliche Selbstbestimmung. Die 200 Betreiber von Industrie-Kraftwerken sind endgültig im Boot angekommen, in dem die Betreiber von PV-Kleinanlagen bereits sitzen. Erzeugung von Strom ist kein Privatvergnügen, sondern eröffnet Fremdeingriffe und Sanktionen wie beim Kampf gegen die Schwarzbrennerei.

Unabhängigkeit. Zumindest zum Teil möchte man sich mit der Eigenstromnutzung unabhängig machen von Stromkosten. Egal ob Industrieunternehmen, oder Hausbesitzer. Das eigene Kraftwerk rechnet sich, gerade weil man ein Stück weit das Risiko von anderen Marktentwicklungen abfedert. Unrentabel ist hingegen eine vollständige Unabhängigkeit. Die Kosten für Speicher und Erzeugungseinrichtungen müssten zu Groß konzipiert werden. Der Königsweg liegt bei einer teilweisen Unabhängigkeit.

Beim Königsweg wird immer noch ein Netzanschluss. Der Punkt an dem die  Kritiker der Unabhängigen mit ihrer Argumentation ansetzen. Im politischen Betrieb sind dies aktuell zwei Handlungsstränge, zum einen der Eingriff in das Fahrplanmanagement, zum anderen die beliebte EEG-Umlage.

Die Verfassungsbeschwerde von PKV kann eigentlich parallel zur Fernabschaltung von PV-Anlagen gesehen werden. Ab einer bestimmten Anlagengröße müssen die Betreiber einer Solaranlage eine Einrichtung vorhalten, die dem Netzbetreiber die Möglichkeit gibt diese abzuschalten. Ferner dürfen Wechselrichter ab einer bestimmten Netzfrequenz keinen bzw. lediglich eine reduzierte Strommenge in das öffentliche Netz einspeisen. Der Unterschied zu den Industriekraftwerken ist, dass die PV-Anlage als Geschäftszweck die Erzeugung von Strom hat – und es im Falle einer Abregelung  eine definierte Entschädigung gibt. Bei den Industriekraftwerken hingegen ist das Hauptgeschäft die Energieversorgung (Prozesswärme/Dampf) des Unternehmens und nicht die Einspeisung von Strom in das öffentliche Netz. Man könnte es ein Abfallprodukt nennen, welches allerdings gerne mitgenommen wird…

“Immer seltener erzeugen wir Strom”
(Zitat eines Industrie-Kraftwerkers im Buch Eigenstrom)

Keine Netzentgelte und keine EEG-Umlage, dass sind die Köder, mit denen bislang die Industrieunternehmen (laut Handelsblatt) zu Investitionen in eigene Kraftwerke bewogen werden sollten. Interessant ist, dass alle politischen Farben bei der EEG-Umlage nun ansetzen wollen und am Weg zur Unabhängigkeit verdienen wollen.  CDU/CSU und Grüne hatten bereits im Wahlprogramm eine entsprechende Absicht. Die SPD darf jetzt dank Koalition auch die EEG-Umlage auf den Eigenverbrauch vertreten.

Von der PR-Strategie bietet es sich nun an, den fehlenden Beitrag zum gesellschaftlichen  Auftrag der Daseinsvorsorge der Eigenstromer in der Vordergrund zu heben. Auf keinen Fall darf das Thema „Industrieausnahmen der EEG-Umlage“ (vergl. TAZ) in diese Diskussion aufgenommen werden, da sonst die Gefahr besteht dass man feststellt, dass Industrie (mit eigenem Kraftwerk) != Industrie (mit EEG-Ausnahme) ist.

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3 Gedanken zu “Verfassungsbeschwerde für mehr Unabhängigkeit?

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