Top Themen - Energiewende 2.0
Top Themen – Energiewende 2.0

… kommt manchmal das Gegenteil heraus.

Acht Studien und Berichte in 30 Tagen, so liest sich die Erfolgsgeschichte der Deutschen Bank Research. Fließband Content zu Tagesthemen und auch das Thema Energie und Strom darf nicht fehlen, kann man mit einem Positionspapier doch vielleicht die eine oder andere Entscheidung herbeiführen. Den besten Hebel hat man, wenn die Überschrift griffig und Medientauglich ist. Welche Einstellung hat man zu welchem Thema?

Der Konflikt: Die meisten Bundesbürger – und auch die Klein-und Mittelständler dürften gegen das Industrieprivileg sein, welches stromintensive Unternehmen zum Teil von der EEG-Umlage befreit. Heute kam der blaue Brief aus Brüssel, und Siechmar durfte als erste Amtshandlung verteidigen.

Wie bekommt man nun die Plebejer (lat: Plebs, Volk) mit den Patriziern (lat: Väter) verheiratet?

Am 26.11.2013 erschien unter dem Titel: „Energiewende 2.0 – Wettbewerbsfähigkeit nicht riskieren“ eine Veröffentlichung der DB Research.

Die hart erarbeitete Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands ist bedroht. In den frühen
2000ern, als Deutschland noch als „kranker Mann Europas“ galt, hat das
Land erfolgreiche Anstrengungen unternommen, um die Kosten des Faktors
Arbeit zu senken….

Nach 3 Wochen hatten scheinbar einige Journalisten bei Reuters und DPA-AFX dieses Werk gelesen und zur Studie gekürt. Ab auf den Ticker und schon entstehen daraus Schlagzeilen:

  • De-Industrialisierung Deutschlands hat begonnen (Die Welt)
  • Teurer Strom bewirkt De-Industrialisierung (Handelsblatt)
  • Hohe Strompreise fördern Industrie-Exodus (Manager Magazin)

Schlagzeilen, die einladen mehr zu lesen. Es verspricht spannender zu werden als die Meldung, die bei Renewables International bereits aufgegriffen wurde und im Original in der Volksrant stand:

Dat Aldel last heeft van de Duitse Wende is zwak uitgedrukt. Drie maanden geleden was de fabriek vrijwel failliet. De energierekening van de Duitse concurrenten ligt een kwart lager dan die van Karsten Pronk.

Die Firma Aldel ist eine niederländische Aluminiumschmelze. In Deutschland würde dieses Unternehmen wohl zu den Privilegierten zählen, denn für die Produktion braucht man Strom – sehr viel Strom. Vor drei Monaten stand das Unternehmen kurz vor dem Bankrott. „Das man unter der deutschen Stromwende leide sei eine Untertreibung“, lautet die freie Übersetzung des ersten Satzes. Es werden die durch die Energiewende in Deutschland niedrigen Strompreise angeführt, die dem Unternehmen enorme Wettbewerbsnachteile bringen. Man hat nun einen Anschluss an das Deutsche Stromnetz beantragt…

(Bild vom Sommer 2013)
(Bild vom Sommer 2013)

Leider ist den Ticker-Knechten ein Passus aus der Deutschen Bank Research Veröffentlichung entgangen:

Deutschland bezieht schon 23% seines Stroms aus Erneuerbaren, und ein weiterer
Ausbau könnte die Wettbewerbsfähigkeit langfristig erhöhen. Aktuell muss
die Industrie hierzulande jedoch zweieinhalbmal so viel für Energie bezahlen
wie in den USA.

Damit decken sich die Ansichten zur volkswirtschaftlichen Bedeutung der Energiewende mit bekennenden Befürwortern (wie Prof. Quaschning). Für diese entscheidende Differenzierung war allerdings in der Meldung kein Platz mehr, wohl aber für die Warnung aus der Veröffentlichung:

Sollten die EEG-Umlage und die umlagebefreite Eigenerzeugung weiter ansteigen,
würde dies zu immer schneller steigenden Strompreisen für nichtbefreite industrielle
und private Kunden führen.

Diese Aussage dürfte zum Teil stimmen, denn bislang haben die Strompreise für Kleinverbraucher eine fallende oder stabile Tendenz nur, da die Börsenpreise im Keller sind. Jedoch soll durch das Price Coupling of Regions der Börsenstrompreis stabilisiert werden.

Die europäische Strombörse EPEX-Spot teilte per Pressemitteilung mit, dass ab dem 4. Februar 2014 der Startschuss ist, der als „wichtiger Schritt hin zu einem integrierten europäischen Strommarkt angesehen wird. Im Klartext wird per Preiskopplung versucht die Übertragungskapazitäten zwischen den Ländern ideal abzuschöpfen. Preis Differenzen, wie sie unlängst beim Orkan Xaver entstanden sind (vergl. Beitrag) sollen damit vermieden werden.

 

Den Beitrag "Wenn Journalisten (Energie-) Nachrichten machen... offline Lesen:

2 Gedanken zu “Wenn Journalisten (Energie-) Nachrichten machen…

  1. Was den EPEX-Spot betrifft würde ich erst mal abwarten:
    Ich kann mir kaum vorstellen, dass es ab 1. Februar plötzlich ein rigides price coupling geben wird, das nicht auf arbitrage-getriebenen grenzüber-schreitenden stromflüssen basiert (z. B. weil es nicht genug leitungen und grenzkupplungsstellen gibt). Denn ansonsten entstünde dadurch zwangsläufig ein neues problem: weil sich bei einem nationalen überschuss der stromexport nicht mehr rechnet wird dann weniger exportiert, d. h. im lande müssen kraftwerke abgeregelt werden während es in den nachbarländern ggf. an strom „mangelt“. Eine Alternative wäre auch noch: Alle netzbetreiber im price coupling gebiet kriegen eine länderübergreifende merit order vorgeschrieben, nach der alle (wie ja auch von der kom angestrebt). Dann müsste der strom zwangsläufig so fließen, dass ein Ausgleich im ganzen gebiet stattfindet. In der Praxis passiert das aber (wohl wegen begrenzter Leitungskapazitäten oder vielleicht auch wegen eigentlich illegaler Schummeleien) noch nicht mal auf nationaler Ebene (z. B. in de oder fr), so dass die ÜNB weiterhin vor Ort ihre Kraftwerke „auf Sicht“ fahren.
    Logischer wäre, dass erst die physischen hindernisse (also fehlende leitungen) abgebaut werden und dadurch zwangsläufig ein ähnliches preisniveau ent-steht. Und so was dauert bekanntlich einige Jahre. Von daher dürfte sich am 1.2. erst mal nicht so arg viel ändern.

    Antworten
  2. Pingback: Privilegiert: Industrielle Schwarzbrennerei | blog.stromhaltig

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