Antwort von Christian Hoehle - SMA
Antwort von Christian Hoehle – SMA

Welche Rolle spielen Energiemanagement und Batteriespeicher auf dem Weg zu einer Vollversorgung aus 100% erneuerbaren Energien?

Wenn ich heute kurz vor Weihnachten aus dem Fenster schaue, ist von der Solarenergie bestenfalls Mittags etwas zu sehen. Statt dessen weht oft viel Wind… aber eben nicht immer. Im Sommer ist es genau umgekehrt, wenn Photovoltaik-Anlagen mit voller Leistung einspeisen. Aber auch dann gilt: nachts steht kein Solarstrom zur Verfügung.

Zappelstrom – so nennen die Vertreter der alten Energiewirtschaft die erneuerbaren Energien – hat jedoch auch viele Vorteile: Er wird dezentral und vielfach durch die Bürgerinnen und Bürger selbst erzeugt. Strom aus erneuerbaren Energien ist sauber, langfristig bezahlbar und billiger als Strom aus Kohle- oder Kernkraftwerken. Erneuerbare Energien sind der Schlüssel zu einer sauberen und bezahlbaren Energieversorgung für unsere Kinder, denn je größer der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung, desto weniger Folgekosten lasten wir den nächsten Generationen auf.

Die Energiewende lohnt sich! Aber wie kann eine echte Energiewende hin zu einer 100% erneuerbaren Energieversorgung funktionieren, wenn nicht immer genug Strom zur Verfügung steht, um den kompletten Verbrauch zu decken?

Die Lösung ist einfach und besteht aus 4 Säulen:

Ausgewogener Mix aller erneuerbaren!

Damit möglichst oft genug Strom aus erneuerbaren Quellen verfügbar ist, muss der Ausbau mit Bedacht erfolgen. Wenn man sich zum Beispiel Windkraft und Solarenergie anschaut, ergänzen sich beide Energiequellen hervorragend. Liefern beide einmal wenig Strom, kann Energie aus Biomasse mit ihrer guten Steuerbarkeit auftrumpfen.
Weiterhin muss dort zugebaut werden, wo der Strom auch gebraucht wird, um den Netzausbau auf das absolute Minimum zu beschränken.

Dass dies heute bereits funktioniert, ist eindrucksvoll in den Auswertungen von Prof. Dr. Bruno Burger (Fraunhofer ISE) zu sehen:

http://www.ise.fraunhofer.de/de/downloads/pdf-files/aktuelles/stromproduktion-aus-solar-und-windenergie-2013.pdf

Intelligentes Energiemanagement – Strom automatisch dann nutzen, wenn er verfügbar ist!

Wenn Strom nicht immer gleich gut verfügbar ist, kann vielfach der Verbrauch verschoben werden. Der Vorteil: Es fallen keine Speicherverluste an, und bei entsprechendem Stromtarifen oder z.B. einer Photovoltaik-Anlage kann sogar Geld gespart werden. Mit dem Eigenverbrauch von Solarstrom ist intelligentes Energiemanagement heute bereits verbreitet. Große Haushaltsgeräte wie Waschmaschine, Spülmaschine, Trockner und evtl. Poolheizung werden automatisch so gesteuert, das sie Solarstrom für 12ct pro kWh nutzen statt Netzstrom für 28ct pro kWh. Auch Wärmepumpen und elektrische Heizstäbe sind sehr gut geeignet, um verfügbare Energie aufzunehmen und als Wärme zu speichern.

Hier ein Beispiel, wie das in der Praxis aussieht:
http://www.youtube.com/watch?v=xW4k7cP-DNQ

http://www.sma-sunny.com/2013/02/01/sunny-home-manager-planung-und-installation/

                

Batteriespeicher für den kurzfristigen Ausgleich

Batteriespeicher müssen klein sein, um wirtschaftlich betrieben werden zu können. Ein großer Teil der Investitionssumme entfällt auf den Akku. Da ist es logisch, dass die Wirtschaftlichkeit steigt, je besser der Akku genutzt wird. Kleine Batteriespeicher werden daher immer mehr Verbreitung finden.

http://www.sma-sunny.com/2013/12/16/in-fuenf-schritten-zum-solarstromspeicher/

In verschiedenen Forschungsprojekten werden auch Elektrofahrzeuge als Speicher untersucht. Dabei reicht die Bandbreite von der intelligenten Fahrzeugladung bis hin zu Bereitstellung von Netzdienstleistungen.
http://www.elektromobilitaet-verbindet.de/projekte/energieautarke-elektromobilitaet.html

http://www.springerprofessional.de/forschungsprojekt-inees-wie-e-autos-mit-schwarm-strom-netze-stabilisieren-koennen/4441958.html

Erzeugung von Gas aus überschüssigem Strom (Power2Gas) für langfristigen Ausgleich

Im Sommer kann mit überschüssigem PV-Strom Gas produziert und im Erdgasnetz gespeichert werden. Im Winter kann das selbe mit überschüssigem Windstrom geschehen.

In flexiblen Gaskraftwerken kann daraus wieder Strom erzeugt werden, wenn die erneuerbaren gerade nicht in ausreichender Menge zur Verfügung stehen.
Noch eleganter wäre allerdings eine weite Verbreitung von kleinen Blockheizkraftwerken In den Haushalten – das sind Motoren, die Gas verbrennen und einen Generator antreiben, um Strom zu erzeugen. Die entstehende Abwärme wird zum heizen genutzt, statt wie in großen Kraftwerken über Kühltürme zu verpuffen.

http://www.rwe.com/web/cms/de/1846074/rwe/innovation/projekte-technologien/energiespeicher/projekt-power-to-gas/

http://www.eon.com/content/dam/eon-com/download/dwn-news/10737_694/Factsheet_Power2Gas.pdf

Das klingt nach Zukunftsmusik? Für fast alle oben genannten Punkte sind bereits Produkte im Markt verfügbar. Wir bei SMA entwickeln zum Beispiel mit dem SMA Smart Home die Systemtechnik, um all diese Komponenten optimal miteinander zusammenspielen zu lassen. Mit der ständigen weiterentwicklung von Energiemanagement-Systemen  und Batteriespeichern können wir dazu beitragen, dass die Energiewende gelingt.

Wenn ich mit Freunden und Bekannten über die Vollversorgung mit erneuerbaren Energien spreche, kommt irgendwann immer die Frage: “Aber ist das nicht furchtbar teurer?“ Die Antwort ist ganz klar: Zunächst kostet es mehr, aber langfristig aber spart man! Denn während Kohlestrom und Kernkraft mit jeder Kilowattstunde Folgekosten produzieren und die Rohstoffe immer teurer werden, läuft die Förderung für EEG-Anlagen in jedem Fall nach 20 Jahren aus. Die Anlagen produzieren aber weiterhin Strom, der dann konkurrenzfähig zu dem billigsten Kraftwerken gehandelt wird. Ich bin überzeugt, dass wird dadurch zukünftig im weltweiten Vergleich zu den Ländern mit den geringsten Stromkosten gehören werden.

Die Zukunft ist sonnig – deshalb gehe ich mit großer Vorfreude in das neue Jahr und bin gespannt, wie die neue Bundesregierung die Energiewende voran treibt!

Den Beitrag "21. Dezember 2013 – Energieadvent – Vollversorgung aus 100% erneuerbaren Energien offline Lesen:

2 Gedanken zu “21. Dezember 2013 – Energieadvent – Vollversorgung aus 100% erneuerbaren Energien

  1. Das wird nur dann funktionieren, wenn diese Bundesregierung nicht so dämlich ist und aus Angst vor weniger Netzauslastung anfängt, den Eigenverbrauch der Bürger zu besteuern, um die alte infrastruktur der zentralen Verteilung weiterhin künstlich aufrechtzuerhalten! Wehret den Anfängen des alten Lobbyismus!

    Antworten
    • Hallo Johannes,

      da hast Du völlig recht – Grundsätzlich kann ja alles besteuert werden. In Deutschland gibt es mittlerweile mehr als eine Million PV-Anlagen. Ich hoffe, dass die große Menge der Anlagen und damit auch der Betreiber dafür sorgt, dass die Parteien sich ganz genau überlegen, wie sie mit diesen Bestandsanlagen umgehen… Die nächsten Wahlen kommen bestimmt!

      Sonnige Grüße,
      Christian

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