Antwort von Dr. Christian Drepper E.ON SE / Foto: E.ON SmartRegion Pellworm
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Mit den Plänen aus dem Koalitionsvertrag der zukünftigen Bundesregierung im Hinterkopf, wird die Integration von Photovoltaik-Kleinanlagen leichter oder eher schwieriger?

Für die Integration von PV-Kleinanlagen in den Markt und in das System sind im Koalitionsvertrag aus unserer Sicht gute Ansätze vorhanden.

Hauptthema  für die Integration der kleinen PV-Anlagen ist der Eigenverbrauch. Gerade weil der Verbrauch  von selbsterzeugtem Strom ein wesentlicher Teil der Energiewende sein wird, muss er nachhaltig geregelt werden. Jetzt ist es so, dass der Eigenverbrauch zu einer massiven Entsolidarisierung und einer Lastenverteilung von oben nach unten führt. Grund: Nur derjenige, der es sich finanziell leisten kann, kann eine Eigenverbrauchsanlage errichten. Für den eigenverbrauchten Strom zahlt er aber keine Netzentgelte, keine Umlagen und keine Steuern – alleine dadurch rechnet sich die Anlage im Vergleich zum Netzbezug. Aber die Eigenständigkeit ist ja bei Lichte betrachte noch eine scheinbare, denn auch der „Eigenverbraucher“ benötigt ja nach wie vor die gesamte Energieinfrastruktur und verursacht vielleicht sogar noch zusätzlichen Netzausbau, weil er den überschüssigen Strom weiter ins Netz einspeisen möchte. Diese Kosten bzw. Mindereinnahmen müssen alle anderen Verbraucher, auch die, die nicht das Kapital haben, eine eigene Anlage zu errichten, ausgleichen, sie müssen verhältnismäßig mehr zahlen.

So kann es unseres Erachtens und aus Sicht vieler Institutionen (Verbraucherzentralen, Gewerkschaften etc) nicht weitergehen. Daher ist es sehr positiv, dass in der Koalitionsvereinbarung  vorgesehen ist, dass bei den Netzentgelten der Leistungspreisanteil erhöht werden soll. Damit zahlt dann wieder jeder für das Netz, das er auch braucht. Dagegen sehen wir es als komplett falsches politisches Signal an, dass es bei der Mindestbeteiligung von Eigenverbrauchsanlagen an der EEG-Umlage eine Bagatellgrenze für kleine Anlagen geben soll. Gerade hier findet nämlich der große Aufwuchs statt. Daher sollten sich die Kleinanlagen mit einem unbürokratischen Pauschalbetrag an der Finanzierung der Energiewende beteiligen – von der sie ja am meisten profitieren!

Sehr positiv zu werten ist grundsätzlich auch der Ansatz im Koalitionsvertrag, dass die Netze nicht mehr für die letzte erneuerbare Kilowattstunde ausgebaut werden muss. Manchmal ist es einfach effizienter, Anlagen abzuregeln, als die Infrastruktur für extrem wenige Fälle sehr teuer auszubauen. Bei PV-Anlagen sollte die Anschlussleistung generell auf 70% der Anlagenleistung begrenzt werden. Dadurch würden wir die sehr selten auftretenden Spitzen vermeiden, für die das Netz aber trotzdem vorgehalten werden muss. Dadurch würde nur 2-3% der Energiemenge verloren gehen, gleichzeitig würden wir uns aber bis zu 30% Netzausbau sparen.

Den Beitrag "17. Dezember 2013 – Energieadvent – Politische Windrichtung für PV-Kleinanlagen offline Lesen:

3 Gedanken zu “17. Dezember 2013 – Energieadvent – Politische Windrichtung für PV-Kleinanlagen

  1. Die Betreiber von PV-Anlagen haben bereits Investitionen in Erneuerbare Energie getätigt, warum soll der selbst erzeugte und auch verbrauchte Strom, der nie ins Netz geht, mit der EEG-Umlage belegt werden?
    Bitte erst Subventionen für Fossil- und Atomstrom abbauen, EEG-Befreiungen abbauen.

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  2. Es kann allerdings auch passieren, dass in Zukunft gar keine neuen kleinen PV-Anlagen mehr installiert werden. Nämlich dann wenn die Koalition (auch auf Druck der EU-Kommission) ihre Ankündigung im Koalitionsvertrag wahr macht, dass die Höhe der Einspeisevergütung (oder ähnlichem) per Ausschreibung festgelegt wird. Falls dann (im Sinne von Kommissar Oettinger) nur noch das daraus resultierende günstigste Angebot die PV-Vergütung bestimmt ist der PV-Ausbau hierzulande mehr oder weniger gestoppt.

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