Antwort von Simon Schmitz - Gründer aWATTar
Antwort von Simon Schmitz – Gründer aWATTar

Wie könnte die Große Koalition mehr Anreize für Lastmanagement bei Energiebürgern schaffen?

Je mehr flexible Lasten wir haben, desto mehr Wind und Sonne passen ins Netz, ohne abgeregelt zu werden. Ja, es steht sogar im neuen Koalitionsvertrag:

„In einem Strommarkt mit einem weiter zunehmenden Anteil von Strom aus erneuerbaren Energien werden wir Strom, der sonst abgeregelt werden müsste, für weitere Anwendungen, etwa im Wärmebereich, nutzen.“

Aber wie kann man die Leute (und damit sind nicht nur die glücklichen Besitzer einer PV-Anlage gemeint) dazu bringen, mehr Strom genau dann zu verbrauchen, wenn das Angebot durch Wind und Sonne am größten ist (und weniger, wenn klein)?

Nun, normalerweise steuert man so was über den Geldbeutel. Also, als erstes braucht man einen zeitlich variablen Stromtarif. An dieser Stelle oute ich mich dann besser. Ich bin der Gründer von aWATTar, einem neuartigen Stromversorger mit einem stündlich variablen Stromtarif.

So. Angenommen die kleine (!) Hürde des variablen Tarifs ist genommen, stellt sich die Frage, ob die Politik noch etwas Hilfreiches tun kann. Zum Beispiel indem sie die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass irgendjemand diesen variablen Tarif überhaupt haben will! Sonst könnte sich tatsächlich das Zoernersche Credo bewahrheiten: „Smart Grid? Braucht kein Mensch.

1 – CO2 teurer machen und mit den Einnahmen die EEG-Umlage senken

Die EEG-Umlage mit ihrem gewaltigen Finanzvolumen wird derzeit für ein ganzes Jahr als fixer cent-Satz auf jede Kilowattstunde aufgeschlagen. D.h. sie ändert sich im Tagesverlauf nicht abhängig vom Börsenstrompreis. Deswegen geht eine riesige dynamische Lenkwirkung flöten, mit der man sonst Stunden mit viel Grünstrom relativ attraktiver machen könnte.

Was tun? Man könnte eine CO2-Steuer erheben, wenn der europäische CO2-Preis unter ein bestimmtes Niveau sinkt. In England nennt sich das „carbon price floor“ und ist seit April in Kraft. Die sonst so humorvollen Briten meinen es als Inselbewohner mit dem Klima relativ ernst. Man könnte sagen es geht ihnen in der EU ausnahmsweise zu langsam. Und der effektive CO2-Preis steht jetzt in England um die 20€ und nicht 4€ wie im Rest der EU. Bis 2020 soll ein Preis von mindestens 30 Pfund (mehr als 30€…) garantiert sein.

So eine CO2-Steuer würde den Börsenstrompreis besonders in den Stunden erhöhen, in denen nicht so viel Wind- und Sonnenstrom eingespeist wird. Und würde damit auch die Einsparungen erhöhen, die ein Kunde mit variablem Tarif realisieren kann, wenn er eher in den sonnigsten/windigsten Stunden verbraucht.

Und das Beste: es würde den durchschnittlichen Strompreis für Endkunden NICHT erhöhen, weil ja die EEG-Umlage entsprechend sinken könnte. Das würde finanziert über die Einnahmen aus der Steuer und den höheren Börsenpreis.

Ja, man müsste die Ausnahmen für die Industrie regeln. Aber das hat ja vorher auch schon zur Genüge geklappt…

2 – Stromsteuer als Prozentsatz auf den Börsenpreis

Ein weiteres fixes Element im Strompreis ist die Stromsteuer, derzeit etwas mehr als 2 ct/kWh.

Es wurde ja schon diskutiert, ob die ganz wegfallen soll. Aber wenn die Einnahmen daraus eben gebraucht werden, dann sollte sie wenigstens ihrem Namen gerecht werden und eine Steuerwirkung entfalten.

Dazu könnte man sie als Prozentsatz auf den Börsenpreis umdefinieren (2 cent sind derzeit mehr als 50%). Das macht dann Stunden mit viel Wind und Sonne etwas billiger und die anderen etwas teurer. Und dieser Prozentsatz könnte jedes Jahr leicht angepasst werden, damit das Ganze für unsere PolitikerInnen aufkommensneutral bleibt.

3 – Smart Meter weg vom Standardlastprofil

Und wem es jetzt noch nicht technisch genug war: derzeit kann ein Kunde einen noch so „smarten“ Zähler haben, aber sein Verbrauch wird immer noch ziemlich „dumm“ beim Netzbetreiber abgerechnet (wobei diese Dummheit wohl eher im Gesetz und nicht zwangsläufig beim Netzbetreiber liegt).

D.h. selbst wenn ich ganz viel Stromverbrauch in die „guten“ Stunden verlagere, merkt es leider keiner. Zumindest nicht der Netzbetreiber, der es aber merken müsste, wenn die Abrechnung nachher stimmen soll. Denn das Stundenprofil, das bei der Abrechnung angewendet wird, ist für alle Haushalte gleich vordefiniert (morgens und abends wird viel verbraucht, sonst nicht so viel – Standardlastprofil).

Da müsste sich also mal einer erlauben, dem Kunden zu erlauben, seinem Smart Meter zu erlauben, dem Netzbetreiber zu erlauben, seine stundengenauen Echt-Daten auch zu verwenden. Sonst droht: „Smart Grid braucht kein Mensch“. 

Den Beitrag "16. Dezember 2013 – Energieadvent – Politische Signale für Lastmanagement offline Lesen:

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