Einfach mal etwas anderes sagen, scheint diese Woche wirklich zum Programm gehören. Gleich zwei Fälle an einem Tag.

RWE-Chef Peter Terium sagt: Ja. Das Bundesumweltministerium sagt: Alles Quatsch, deutsche Kraftwerke sorgten noch lange für genug Strom in der Bundesrepublik. (Süddeutsch Zeitung)

Es geht um Blackout Winter 2013/2014 – Die Erste. Dieses Thema ist aber etwas komplizierter, denn hier kann theoretisch jeder das schreiben was er will, denn nur im Falle eines tatsächlichen Ausfalls würde es Tatsachen geben, die sich belegen lassen. Selbst dann, müsste man fragen, ob die Versorger sich nicht zu Stark um Schwarzbrenner gekümmert haben, anstelle ihrem Versorgungsauftrag gerecht zu werden.

Netzeigentum bestimmt den Strompreis

Konzession ist nicht gleich Eigentum, sondern ein Recht zum Betrieb.
Konzession ist nicht gleich Eigentum, sondern ein Recht zum Betrieb.

Am 03.11.2013 sind die Bürger in Berlin aufgerufen über ihren zukünftigen Stromnetzbetreiber zu entscheiden. Parallel zur Bundestagswahl hatten die Bürger in Hamburg recht knapp den bestehenden Betreiber Vattenfall abgewählt und den Weg zur Rekommunalisierung in der Hansestadt frei gemacht.

Ohne Bürgerbefragung – und in deutlich kleinerem Stil – geht es im Elsenztal um den Stromnetz-Coup. Wie in Hamburg und Berlin ist der Eigentümer der Netze eigentlich immer die Kommune selbst. Lediglich mit dem Betrieb wird ein Unternehmen über die Konzession beauftragt. Im Rahmen der Rekommunalisierung können diese Unternehmen auch neue Unternehmen sein, oder ein Stadtwerk, oder eine Genossenschaft.

Die Gemeinderäte der 12 Gemeindem im Elsenztal hatten eine Liste von Kriterien erstellt.  Mit einer Gewichtung von 25% steht darin der Punkt:

Effiziente, preisgünstige und verbraucherfreundliche Versorgung

Das Beratungshaus Price Waterhouse Coopers hatte die Gemeinden beraten und vielleicht auch für die hohe Gewichtung des Preises gesorgt. 25% Gewichtung für einen Punkt, der eigentlich nichts damit zu tun hat? Wurden die niedrigen 6 stelligen Beratungskosten für eine Fehlberatung ausgegeben?

Netzbetrieb bestimmt die Netzentgelte

Da die Einkünfte aus dem Netzbetrieb von der Bundesnetzagentur kontrolliert und reguliert werden, kann ein Netzbetreiber in der Regel mit stabilen und konstanten Einnahmen rechnen. Derzeit gesteht die Netzagentur den Verteilnetzbetreibern im Durchschnitt eine Eigenkapitalrendite von sechs bis neun Prozent zu. (Quelle).

Als “leuchtende Perle im Portfolio von Vattenfall” (Tagesspiegel) wird das Stromnetz von Berlin bezeichnet. „Berlin soll sich selbst um die Stromversorgung kümmern“  (Andreas Kühl, EnregyNet). Welchen Wert die Perle für den Betreiber hat – oder welche Kosten in den nächsten 20 Jahren auf die Bürger von Berlin zukommt, hängt ab von der Entscheidung des Volksentscheids. Das Kosten dabei nicht immer nur nach oben gehen müssen, zeigt eine erfolgreiche Rekommunalisierung in Baden-Württemberg.

Nach der technischen Entflechtung, d.h. dem Herauslösen des Göppinger Netzes aus dem Netz der EnBW Regional AG, wird es durch die EVF ab 2014 mit geringeren Kosten zu betreiben sein. (Pressemitteilung Energieversorger Filstal)

Das die Netzentgelte einen Einfluss auf die Endkundenpreise haben, bestätigt auch die BEW Bergische Energie und Wasser GmbH in einer aktuellen Meldung zum Strompreis2014.

Netzbetrieb bestimmt nur bedingt den Strommix

Tatsächlich bestimmt die Wahl des Konzessionsinhabers nur bedingt die Zusammensetzung des Stromnetzes. Durch die theoretische Entkopplung aus Erzeugung und Netze, ist selbst bei Stadtwerken keine direkte Kopplung aus Kraftwerken und Versorgung in einem Unternehmen vorhanden. Allerdings hat der Strommix einen direkten Einfluss auf die Kosten des Netzbetreibers.

In den letzten Jahren hat sich gezeigt, dass die Netzverluste, die ein Bestandteil der Netzentgelte sind, zurück gegangen sind. Entstanden ist dies durch die stärkere Einspeisung  auf Ebene der Niederspannung und durch neuere Transformatoren.

Geht es um die Neuvergabe der Konzession ist daher die entscheidende Frage, welcher Status der Status des Netzes hat. blog.stromhaltig führt dafür eine eine Datenbank der Netzstrukturdaten, welche genutzt werden kann, um die Veränderungen der vergangenen Jahre aufzuzeigen. Leider kommen einige Anbieter allerdings nicht ihren Veröffentlichungspflichten nach.

Als Tendenz kann man (leider) sagen, dass die Großen meist die Fristen einhalten. Eine Anfrage bei den als „Strom Rebellen“  bekanntgewordenen Elektrizitätswerke Schönau, wurde zum Beispiel bislang nicht beantwortet.

Den Beitrag "Rebellion der Stromnetze - Wie Justus @haucap den Gemeinderäten aus dem Elsenztal, PwC und EVF widerspricht... offline Lesen:

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