Wenn Merkel uns das Licht ausknippst...
Wenn Merkel uns das Licht ausknipst…

Mein erster Gedanke, als ich heute Vormittag die Meldungen in den verschiedenen Medien zu den Prepaid-Strom Vorschlägen der GroKo in Spe gelesen habe war: Geht doch! Nahe-Echtzeit  Abrechnung und Verarbeitung von Strombezug. Eine Zustimmung, die bei mir allerdings rein technischer Natur ist, denn damit werden automatisch auch viele andere Modelle möglich.

Den Schutz des Verbrauchers und besonders der finanzschwachen Haushalte nach vor die Klammer zu ziehen Geht überhaupt nicht!

Müssen wir wirklich alles unseren Freunden aus Amerika nachmachen? AT&T hat in einem Beitrag die Vorzüge für den Stromkunden zusammengefasst: „Man kann seine Stromrechnung bezahlen, wann man will und wo man will.“ – tut man es nicht, dann wird abgeschaltet.

Von AT&T kann man lernen, denn Kunde und Versorger sind absolute Gewinner der Prepaid Tarife. Der Zahlungsanbieter PayGo, mit dem AT&T zusammenarbeitet beschreibt dies in eigenen Worten:

“PayGo enhances consumer engagement and satisfaction, while delivering sustainable cost savings and control for utilities and their consumers.  With the combination of AT&T’s leadership and PayGo’s technology solutions, consumers and utilities will both enjoy significant benefits for smart grid investments in the U.S.,” said Jeffrey Weiser, CEO of PayGo.

Was für ein Kopfkino…

Wenn bei Florida Rolf (Name von der Redaktion geändert) plötzlich das Licht ausgeht, weil er nach einem längeren Krankenhausaufenthalt total übersehen hat, dass das Guthaben aufgebraucht ist. Hastig der Griff zum Smartphone mit Prepaid-Datenrate. Misst auch kein Guthaben mehr! Aufladen könnte über die Prepaid-Kreditkarte gehen, die auch leer ist…. was nun? Richtig: Den Akte-Notrufbutton drücken,  denn dort werden Sie geholfen…

Für den Versorger ist einiges drin…

Die Aufrüstung eines elektronischen Zählers zum Prepaid- Zähler kostet zwischen 30 und 65 Euro. Laut Kelber sollen die Energieversorger verpflichtet werden, den Einbau anzubieten – „bevor es zu einer Energiesperre kommt“. Vorbild des Vorhabens ist Großbritannien: In britischen Haushalten sind Prepaid- Stromzähler üblich. (Saarbrücker Zeitung)

Das Inkassorisiko, also die Gefahr, die ein Versorger trägt die Rechnungen nicht bezahlt zu bekommen liegt wohl zwischen 2% und 10%. Dieses Risiko muss der Versorger auf den Teil, den er selbst bestimmen kann aufschlagen. Dafür nicht in Frage kommt die EEG-Umlage, die Mehrwertsteuer, die Stromsteuer, Konzessionsabgabe, … . Desto geringer der Anteil ist, mit dem man rechnen kann, desto schwieriger wird es den Risikoaufschlag auch wirtschaftlich am Markt positionieren zu können und attraktiv für seine Kunden zu sein.

Stadtwerke und kleinere regionale Versorger könnten hier gewinnen, denn diese Anbieter treten in ihrer Gegend als Grundversorger auf. Überregionale Anbieter führen bereits heute Schufa-Abfragen durch, bevor man zu diesen wechseln kann (vergl. Foren-Beitrag).

Teuer für den Armen – Billig für die Reichen

Wer sich einen Anbieterwechsel leisten kann, da er eine positive Schufa Auskunft und eine allgemein gültige Bonität besitzt, der geht auf www.stromrechner.org und sucht sich einen günstigen Anbieter.

Ist der finanzielle Ruf allerdings schon ruiniert, dann hilft nur der Schritt in die Grundversorgung. Der allgemein teuerste Tarif, bei dem laut Greenpeace Untersuchung die Anbieter die Gewinnmargen seit dem Jahr 2009 um mehr als 70 % steigern konnten (vergl. Beitrag).  Können sich diese Kunden den Tarif nicht leisten, so müssen sie zwischen 30 und 65€ für den Wechsel des Zählers ausgeben, der dann ihnen einen Pre-Paid Strombezug ermöglicht.

Wir wissen, dass wir nichts wissen

In Anlehnung an Platon, kann man das Hauptproblem an der Pre-Paid Diskussion erkennen. Bislang wissen wir zumindest für Deutschland nicht, über wie viele Kunden wir überhaupt sprechen. Noch schlimmer, wir wissen nicht über welche Strommengen wir überhaupt sprechen.

Blogger Kollege Craig Morris beschreibt bei Renewables International:

It is an issue that we have followed closely – energy poverty. More households seem to be getting disconnected, but no data have been made available nationally. Furthermore, the data we do have include all disconnections, including those, say, requested by the homeowner during a long absence.

Aus Platon wird vielleicht Phantom, ohne Zahlen, Daten, Fakten.

Zum Glück gibt es bereits Feldtests und deren Erfahrungen – auch in Deutschland:

Der Frankfurter Versorger Mainova hat beispielsweise nach einem Prepaid-Test 2007 entschieden, sie nicht einzuführen. Dem Mehraufwand durch höhere Kosten für die Zähler, Prozess- und Softwareanpassungen sowie „Kundensegmentierung“ habe „kein Nutzen gegenüber gestanden“. (Quelle: Frankfurter Rundschau 2012)

Endlich das Ende des H0-Profils?

Standard Lastprofil H0
Standard Lastprofil H0

Zum Abschluss noch einmal ein Blick auf den Anfang. Die Begeisterung an den Pre-Paid SmartMetern ist recht einfach erklärt. Zur Realisierung muss es eine dauerhafte Ablesung des Verbrauches durch den Versorger geben. Zusätzlich muss es eine Möglichkeit zur Schaltung (An/Aus) geben. Ist beides vorhanden, dann sollte es auch möglich sein bewusster Strom beziehen zu können.

D.h. Verbrauch zum Beispiel in Zeiten verlagern zu können, bei denen das Dargebot von Wind und Sonne besonders gut ist. Die Blockadehaltung kleinere Stromkunden mit individuellen Profilen einzudecken, die aktuell noch von vielen (allen?) Versorgern an den Tag gelegt wird, müsste dann aufgelöst werden. In anderen Worten: Der Tarifintegration Dargebotsabhängiger Stromerzeugung steht endlich nichts mehr im Wege.

Beitrag entstanden mit freundlicher Unterstützung

Den Beitrag "Prepaid Abzocke - Oder wenn Mutti uns das Licht ausschaltet. offline Lesen:

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