epexspot… am Ende wurde ich zu einem Kaffee in Paris eingeladen.

Freitag Nachmittag, die Arbeitswoche neigt sich zum Ende. Eine Rufnummer aus Paris im Display meines Telefons. Eigentlich dachte ich, dass es einer meiner Kollegen am anderen Ende ist, doch ich irrte mich – ein PR Sprecher von EPEXSpot ruft bei mir an.

Ein sehr informatives Gespräch, welches bei mir zum einen zeigt, dass man von Seite der Börse, an der unser EE-Strom gehandelt wird, gerne kommuniziert und auch für (Hinter-)Fragen ein offenes Ohr hat.

Frequenzschwankung an den Stundengrenzen, Price Coupling of Regions (PCR), Engpassmanagement, Preisfindung – Alles hängt irgendwie zusammen und muss doch einzeln betrachtet werden.  Am Ende des Telefonates bin ich einige Fakten reicher, doch das macht die Findung einer persönlichen Einstellung zu den Themen nicht leichter, sondern eher schwerer.

Im Gegensatz zu Matthias Willenbacher (JUWI), der einmal zu mir sagte, dass Strom aus Erneuerbarer Energie nicht gehandelt werden soll/darf, bin ich persönlich der Meinung dass wir sogar Handel brauchen. Ohne Handel gibt es keinen Preis, etwas was keinen Preis hat ist nicht wie in der Kreditkartenwerbung „unbezahlbar“, sondern wertlos. Börsen haben den Aufgaben einen Preis und somit einen Wert zu definieren.

Handelsplatz EPEXSpot

Leider habe ich im Telefonat vergessen, nach einer blogtaugliche Beschreibung zu fragen, daher hier nur in eigenen Worten. EPEXSpot existiert seit dem Jahre 2008 mit Hauptsitz in Paris. Entstanden als Tochterunternehmen der Powenext (FR) und EEX (DE). Handelbar sind am Spotmarkt alle Lieferverträge für den folgenden (Day-Ahead) und den aktuellen Tag (Intraday). Nach eigener Aussage wird etwa ein Drittel des in Deutschland verbrauchten Stroms über den Börsenplatz abgewickelt.

EPEXSpot und Deutschland

In Deutschland hat der EPEXSpot Markt eine besondere Bedeutung, denn wenn in den Medien von fallenden Börsenstrompreisen die Rede ist, die zum Beispiel das EEG ansteigen lassen, dann geht es immer um die Preise an diesem Markt. Sämtlicher Strom, der unter den Investitionsschutz des EEGs fällt wird an dieser Börse platziert und sucht dort seine Käufer. Das Gegenstück zum EPEXSpot sind die langfristigen Lieferverträge, die an der EEX in Leipzig gehandelt werden.

Der Zusammenführung aus Anbieter und Nachfrager (=Marktbildung) und dem entstehenden Preis kommt damit am Spot-Markt eine besondere Bedeutung zu, die sogar ihren Weg in die Gesetzestexte gefunden hat.

Zumindest mir ist kein Gesetzt bekannt, welches den DAX fest verankert hat mit direkter ökonomische Auswirkungen auf 38 Millionen Haushalte.

Vermarktung von Strom aus Photovoltaik

Am Freitag Nachmittag hatte ich noch einen anderen Leseranruf. Dieser Leser – von dem hier demnächst ein Gastbeitrag erscheinen wird – erinnerte mich daran, was mein einziger Vorwurf, den ich an das heutige Erneuerbaren Energien Gesetz habe, tatsächlich ist. Gerade den PV-Anlagen fehlt der „Betrieb“. Der Erzeugte Strom wird auf einen Markt geworfen, der relativ klein ist. Die 2/3 an gehandelten Mengen, die niemals den Spotmarkt sehen, treten auch niemals in Konkurrenz.

Jeder der bereits an einer Auktion teilgenommen hat weiß, dass die „1“ bei „3,2,1 Meins“ der wichtigste Zeitpunkt beim Handel ist. Es gehört zur Poker-Strategie dazu, an welcher Stelle man dem Markt sein Blatt zeigt. Durch den fehlenden „Betrieb“ liegen beim PV-Strom die Karten sofort auf dem Tisch.

An dieser Stelle würde ich Matthias Willenbacher sogar recht geben, allerdings sehe ich dies persönlich als (einzigen) Designfehler des EEG an, dass man nicht von Anfang an das Konzept eines Betreibers eingeführt hat. Bei der Windkraft ist man mit der Direktvermarktung für größere Anlagen einen Schritt weiter. Ob man jemals wieder die deutlich kleineren PV-Anlagen „einfangen“ kann, bezweifle ich. (Jaja, es gibt auch PV-Anlagen im Direktvertrieb…)

EPEXSpot und EEX – zwei Welten

Wenn ich weiß, dass ich am 15.01.2014 Strom benötige, dann kann ich diesen nur an der EEX kaufen. Wenn ich weiß, dass ich morgen um 12:00 Uhr Strom benötige, dann nur an der EPEXSpot. Wenn ich den Strom aus meinem Kohlekraftwerk im Keller verkaufen will, dann suche ich nach einem Käufer bei der EEX. Wenn ich den Strom aus meiner PV-Anlage auf dem Dach  verkaufen will, gehe ich an die EPEXSpot.

Geht man kurz davon aus, dass es keinen OTC-Handel gibt, dann wird über die beiden Handelsplätze die gesamte Strommenge beschafft. Wenn also die E.ON im Juli  meldet, dass sie bereits weit in das Jahr 2014 hinein die Erzeugung verkauft hat, dann wird dies zunächst einmal keine Auswirkungen auf den Spot-Markt mehr haben. Im Gegenteil, die E.ON kann sich eventuell günstiger eindecken und die Leistung von trägen Kraftwerken doch etwas drosseln.

Netzstabilität und der Handel

Ein Problem, welches bei blog.stromhaltig bereits angesprochen wurde, ist die Auswirkung des Handels auf die Netzfrequenz. Auch mein Gesprächspartner von der EPEXSpot bestätigte, dass es wahrscheinlich ist, dass die Frequenzsprünge an den Stundengrenzen (s.h. Grafik) durch den Handel ausgelöst werden.

Seit Ende 2011 (?) ist es daher an der EPEXSpot auch möglich in 15-Minuten Blöcke zu handeln. Damit läuft der Spotmarkt synchron mit der Planungsgröße der Bilanzkreisverantwortlichen bei den Versorgern und Netzbetreibern. Dies führt dazu, dass sich das Problem etwas vereinfachen lassen würde, da die Volatilität für 15 Minuten geringer sein dürfte als bei 60 Minuten.

Eigentlich sollte jetzt ein Vergleich des Volumens (Stunden vs. 15 Minuten) folgen, leider kann ich die entsprechenden Daten im Moment nicht finden.

Die Frage, die man nun an die Wirtschafts-Wissenschaft stellen sollte: Wie kann man einen Strommarkt designen, der keine physikalischen Auswirkungen auf das Netz hat?

Länder bilden eine Waage

Mit der Price-Coupling-Region (PCR) kommt Ende 2013 der Anfang des Preiszusammenschlusses einer größeren Region Europas. Bislang gibt sind lediglich Frankreich sowie Deutschland/Österreich über einen Algorithmus zur Preisfindung miteinander verbunden. Laut meinem Gesprächspartner aus Paris, soll ein größerer Marktraum zu einer größeren Volatilität und damit stabileren Preisen sorgen.

Früher hatte man die Übertragungskapazitäten und die Erzeugungskapazitäten getrennt von einander gehandelt. Im PCR wird die Übertragung eingepreist, was zu einer optimaleren Auslastung der Leitungen führt.

Wenn in Frankreich sehr viel Strom vorhanden ist, in Deutschland ein hoher Bedarf besteht, dann sorgt der PCR-Algorithmus dazu, dass der Preis entsprechend verlagert wird und in Frankreich ansteigt und in Deutschland zurück geht, bis die Übertragungskapazitäten erschöpft sind.

Hier müsste man nun in das Detail einsteigen, ob zum Beispiel der häufige Export von Strom aus Deutschland berücksichtigt wird und wenn ja in welcher Art/Form. Tendenziell müsste PCR für Deutschland daher eine steigende Auswirkung auf den Börsenpreis haben, was spannend im Hinblick auf den DAX-Vergleich vom Anfang des Beitrages ist.

Die Frage, die man nun an die Wirtschafts-Wissenschaft stellen sollte: Kann man PCR langfristig realisieren ohne Auswirkungen auf die nationalen Erzeugungsstrukturen parallel zur politischen Weichenstellung zu nehmen?

Kupferplatte, oder Kacheln?

Das schönste Bild, das mein Gesprächspartner verwendet hat, bezog sich auf die „Vision“ des EPEXSpot. Man möchte für Europa eine Kupferplatte werden. Damit wird das Thema Dargebot eigentlich vollständig ausgeblendet mit dem Ziel möglichst viel Marktvolumen zu erreichen.

Lokale Defizite, wie der symptomatisch geringe Ausbau von Windenergie in Bayern, müssten dann erst einmal nicht mehr lokal gelöst werden, sondern könnten sich in das „Netz“ fallen lassen. Für die Stabilität der Preise ist dies prinzipiell gut, da ein Mangel eher ausgeglichen werden kann.

Hätte man lokale Märkte (zum Beispiel für jeden Bilanzkreis), dann würden die Preise sehr stark schwanken, wenn große Kraftwerke ausfallen oder entsprechende Wetterlagen vorliegen. Ein Argument, welches nicht von der Hand zu weisen ist.

Aber: die Netze werden potentiell sehr stark belastet, da keine Anreize zur lokalen Lastendeckung geschaffen werden. Im Rahmen von PCR wird zwar nicht der Binnenmarkt angeschaut, man stelle sich aber vor, wenn in Flensburg fleißig in Windkraft investiert wird, und in Traunstein ein Mangel herrscht, dann wird dieser per Handel über das Übertragungsnetz ausgeglichen. Die Folge sind Ausbaukosten in die Netzinfrastruktur.

Persönlich bin ich der Meinung, dass man in jedem Bilanzkreis genügend Kapazitäten für die Stromerzeugung vorhalten muss, um prinzipiell den eigenen Bedarf zu decken. Lediglich die Abweichungen sollen zugekauft oder verkauft werden.

Die Frage, die man nun an die Wirtschafts-Wissenschaft stellen sollte: Kann man die hohen Preisschwankungen bei lokalen Märkten nicht nutzen, um lokale Investitionsanreize für die Eigenbedarfdeckung zu generieren?

Den Beitrag "Ein Telefonat - EPEXSpot - Stromhandel - 3 Fragen an die WiWi offline Lesen:

Ein Gedanke zu “Ein Telefonat – EPEXSpot – Stromhandel – 3 Fragen an die WiWi

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