Erzeugungsvorrang für Erneuerbare?
Erzeugungsvorrang für Erneuerbare?

In den letzten Wochen hat blog.stromhaltig etliche Gespräche mit den Machern hinter der Energiewende gesprochen. Betreiber, Investoren, Analysten, Verbände und vielen weiteren mehr. Frei von politischer Färbung und ideologischer Verblendung wollte ich einer einzigen Frage auf den Grund gehen: Was muss passieren, damit man die Markteinführung der Erneuerbaren als abgeschlossen angesehen werden kann?

Leider konnte mir keiner meiner Gesprächspartner eine Antwort liefern, die mir gefallen hat. Ja, ich muss sogar sagen, dass ich von meinem Erneuerbaren-Freunden sehr enttäuscht bin. Daher zu Beginn dieses Beitrages erst einmal ein paar Worte, die vielleicht auf Kritik bei meinen Freunden der Erneuerbaren stoßen wird.  Ich verspreche, am Ende des Beitrages gibt es die bekannte Richtung nach vorne – mit Vorfahrt für Wind, Sonne, Wasser, Biogas usw…

Nachhaltigkeit von Geschäftsmodellen

Wer ein Geschäft betreibt, der möchte rentabel sein. Durch die Wertschöpfung im Unternehmen sollen Erträge erwirtschaftet werden, die durch den Verkaufspreis vom Kunden bezahlt werden. Wenn ich Selbstgebasteltes auf dem Flohmarkt verkaufe, weiß ich dann welchen Preis ich erzielen werde? Leider nein, denn mir hilft niemand bei der Markteinführung.

Besteht ein begründetes allgemeines Interesse an der Einführung eines Produktes, dann werden Anreize geschaffen, die helfen sollen das Produkt zur Marktreife zu bringen. Bei meinem Selbstgebastelten fehlt das allgemeine Interesse, möchte man mich allerdings aus der Arbeitslosigkeit rausholen, dann besteht ein solches Interesse. Die Förderung der Ich-AG ist ein solches Beispiel, mit dem auch meine Flohmarktprodukte eine Marktreife erlangen. Die Starthilfe wird an Bedingungen geknüpft, so zum Beispiel die Erstellung eines Business-Plans, darin ist detailliert und nachvollziehbar beschrieben, mit welcher Wertschöpfung die Marktreife in welcher Zeit erreicht wird.

Was bei jedem Ein-Mann/Frau-Unternehmen stattfindet, scheint es bei Wind und Sonne nicht gegeben zu haben. Die Antworten meiner Gesprächspartner lässt vermuten, dass man weder das Produkt genau kennt, noch definieren kann wer der Kunde ist. Auch ist unklar, was passieren muss, um eine Marktreife zu erlangen.

Es kommt einem vor, als ob der Kunde der Staat ist. Das Produkt ein Garantiezins auf eine Geldeinlage und die Marktreife darin besteht, dass man diese Stellung behaupten kann.

Timeline IG Windkraft auf Facebook
Timeline IG Windkraft auf Facebook

Stellt ein Unternehmensberater einem Startup die Frage, wie er Gewinn erwirtschaften will, dann wird er schon eine Markteinschätzung bekommen, aber mit Sicherheit nicht die besseren Chancen der Anderen im Markt als Argument anführen. Eine Subvention von weit über 500 Mrd. Euro für die nuklear/fossile Geldverbrennung ist ärgerlich genug. Hat aber mit dem Geschäftsmodell Windkraft erst einmal nichts zu tun.

Nach der Markteinführung muss das Produkt für sich selbst tragfähig sein. Dabei wird kein seriöser Investor die Ausrede tolerieren, dass es auf dem Flohmarkt jetzt auch Spielekonsolen aus Nahost gibt und ich damit auf meinem Selbstgebastelten sitzen-bleibe.

Ein Nachhaltiges Geschäftsmodell zeichnet sich aus durch:

  • Alleinstellungsmerkmal des Produktes
  • Genau Definition der Zielgruppe / Kunden
  • Finanzierung ist unabhängig von Förderungen,Subventionen und Garantien
  • Markteinflüsse werden möglichst minimal gehalten.

Ohne Strategie schreibt ein anderer die Quittung

Die gesammelte Mannschaft der Erneuerbaren hat im Moment leider keine einheitliche Strategie, wie sie zu einer Marktreife kommen will. Klar ist nur, was man nicht will. Das Resultat ist, dass die Geschichte von anderen geschrieben wird, die mehr Aufwand und mehr Einheit haben.

Im Falle des Strommarktes sind dies die Betreiber der fossilen Großkraftwerke. Das Schreckgespenst ist weniger der Koalitionsvertrag als solcher, als vielmehr die Punkte, die darin positioniert werden konnten. Kapazitätsausgleich um Schwankungen in der Erzeugung auszugleichen (Seite 55). Was für ein Meisterwerk… 

Prof. Dr. Claudia Kemfert hat in der Zeit unlängst einen sehr anschaulichen Beitrag über Kapazitätsmärkte veröffentlicht:

Der Markt liefert ausreichend Preissignale für Investoren. Mittelfristig werden aber vermehrt flexible Kraftwerke benötigt, welche immer weniger Stunden im Jahr im Einsatz sein werden. Genau hier stellt sich die Frage, ob nicht der Markt selbst ausreichende Signale liefern kann, um genügend Investitionsanreize in eben solche Kraftwerke zu liefern.

atmenderdeckelDas als Atmender Deckelbekannt gewordene Ausbauziel von 52 GW für PV-Strom ist ein sehr nettes Beispiel, für eine Kapazitätsberechnung, die den Mitbewerber auf dem eigenen Spielfeld gewinnen lässt. Eine Heimniederlage, da es nicht gelungen ist im Vorfeld klar den Kunden zu benennen und damit ein Marktvolumen zu bestimmen.

Ohne Strategie, schreibt jemand anderes die Spielregeln, und ohne Strategie fehlen die Argumente auf der politischen Bühne überhaupt gehört zu werden.

Vom Spott der Marktbegleiter mal ganz abgesehen….

Produkt oder Produkte?

Nur weil man sich das gleiche Netz teilt, bedeutet dies noch lange nicht, dass man auch das gleiche Produkt anbietet. Nur weil es bislang nur Einheitsstrom aus der Steckdose gibt, bedeutet dies noch lange nicht, dass man nicht differenzieren kann.

Im Schlafmodus der Einspeisegarantie wurde es versäumt die Stärken und Schwächen des Produktes „EE“-Strom klar zu benennen und die passenden Kunden dafür zu finden. Die Strategie, die von den Mitbewerbern nun geschrieben wird ist einfach: Die Stromerzeugung aus Erneuerbaren soll das bestehende Produkt „Strom“ nachbauen. Vergleichbar ist dies mit dem Versuch die Spielekonsolen nun selbst zu basteln.

Das Produkt „PV-Storm“ – zum Beispiel – wird in unseren Breiten hoffentlich niemals zur Mitternacht Strom liefern. Eine Zeit, bei der in den wenigsten Schulen in Deutschland Strom benötigt wird. Die Beispiele lassen sich beliebig fortführen bis zu Trivialitäten, wie die Waschmaschine, die  mit entsprechendem Anreiz auch eine Stunde später ihre Dienste verrichten kann.

ThinkTank: EE-Stromtarife
ThinkTank: EE-Stromtarife

In einem Hoch-Technologieland wie Deutschland kann man kaum vermitteln, dass Steuertechnik und Messtechnik ein Problem darstellt aus Strom  viele Produkte zu machen.

Stand heute weiß keiner, welcher Markt tatsächlich für unterschiedliche Produkte besteht. Im Rahmen des ThinkTanks  für Dargebotsabhängige Stromtarife soll dies nun erstmals untersucht werden. Eine nachhaltige Energiewende gestalten, mit einem seriösen Produkt und Marktauftritt.

Download – Informationsflyer ThinkTank

Den Beitrag "Boom der Erneuerbaren durch solide Geschäftsmodelle? offline Lesen:

3 Gedanken zu “Boom der Erneuerbaren durch solide Geschäftsmodelle?

  1. Hallo Herr Zoerner,

    sie werden von den Erneuerbaren auch in 20 Jahren keine befriedigende Antwort auf einen Abschluss der Markteinführung erhalten. Die EE sind ausschließlich durch Subvention -von den entsprechenden Lobbyisten geschickt als Zwangsumlage für alle Stromkunden in das EEG aufgenommen- lebensfähig, da sie auf Grund der verwendeten erratischen Energiequellen (=Brennstoff) Licht u. kinetische Energie des Windes nicht in der Lage sind Strom bedarfsgerecht anzubieten. Da werden auch keine Speichertechnologien helfen, da sie entweder zu gewaltigen Energieverlusten durch mehrfache Energieumwandlung führen (z. B. power-to-gas-to-power = 37 % Wirkungsgrad) und damit exorbitante Kosten nach sich ziehen oder technisch gar nicht existieren, da trotz 100-jähriger Forschung die direkte Speicherung von Strom in größeren Mengen vollständig erfolglos geblieben ist. Der physikalische Grund hierfür ist, dass Strom keine Masse besitzt. Konventionelle Kraftwerke gleichen die Nichtspeicherbarkeit von Strom durch die Bevorratung ihrer Brenstoffe aus (Kohle auf Halde, Öl in Tanks, Gas in Kavernen). PV und WKA könnnen dies nicht, da die „Brennstoffe“ Licht (= Photonen) und kinetische Energie des Windes ebenfalls masselos sind.

    Die EE (WKA u. PV) können daher nur als „Parasiten“ auf Basis der Leistungen des konventionellen Elektrizitätssystems existieren und deshalb kommt es unvermeidlich zu der von Ihnen geschilderten Erfahrung:
    „Es kommt einem vor, als ob der Kunde der Staat ist. Das Produkt ein Garantiezins auf eine Geldeinlage und die Marktreife darin besteht, dass man diese Stellung behaupten kann.“

    Als Kunden wurden vom Staat per EEG-Gesetzeszwang alle Strombezieher die keine EE-Anlagen festgelegt.

    Ich empfehle Ihnen die Lektüre des Buches:
    „Energie und Klima.“ von Horst-Joachim Lüdecke, Expert Verlag
    Es erläutert leicht verständlich (man braucht kein Kentnisse aus einem Elektrostudium) warum der großmaßstäbliche Ausbau von EE, die schwerwiegendste wirtschaftlich, technische und politische Fehlentscheidung in der Geschichte der BRD ist. sie werden dann ganz klar verstehen können warum sie so enttäuschende antworten erhalten haben und warum sich das auch niemals ändern wird.
    Übrigens habe ich bis Anfang 2012 die EE für eine sehr gute Sache gehalten bis ich mich in den letzen beiden Jahren intensiv damit beschäftigt habe. Heute weis ich aus den eigenen Recherchen und Überlegungen und den daraus resultierenden Erkentnissen, dass der weitere Ausbau von extrem nachteilige Folgen für die G8-Industrienation Deutschland haben werden.

    Mit freundlichen Grüßen
    Berthold Robert

    Antworten
    • Sehr geehrter Herr Robert

      1. Subventionen

      Im Rahmen meines Studiums (Energiewirtschaft) hatte ich u.a. auch einen Themenbereich „Geschichte der Energiewirtschaft“ und siehe da: Die Energiewirtschaft ist von Tag 0 an entstanden durch Subventionen, egal von welchem Energieträger wir reden. Ohne Subventionen gäbe es eine Energiewirtschaft gar nicht. Subvention ist quasi ein Synonym zum Wort Energiewirtschaft. Es ist albern, in Anbetracht eines Markt-Oligopols, das 80% des Strommarktes beherrscht, bei den EE plötzlich nach Marktwirtschaft zu schreien und Subventionen zu beklagen. Bei den EE gibt es im Gegensatz zu allen anderen Energieträgern die Besonderheit, dass die Vergütung auf 20 Jahre begrenzt ist und die Vergütungen für Neuanlagen kontinuierlich sinken. Die Subventionen für die konventionellen Energieträger sind hingegen zeitlich nicht limitiert und die Strompreise, die der konventionellen Energiewirtschaft ordentliche Renditen ermöglicht, kannten seit 2000 nur eine Richtung: nach oben. Nein, NICHT durch die EEG-Umlage, sondern durch Preissteigerungen für Beschaffung, Transport und Vertieb. Die EEG-Umlage ist erst seit 2010 stark angestiegen, seitdem sie zu mittlerweile zu 60% politisch aufgebläht wurde durch die Auswirkungen der Ausgleichsmechanismusverordnung und den Industrieausnahmen.

      Bei den EEG-Anlagen gibt es die Besonderheit, dass die Margenerwartung von Privatleuten weit unter dem liegt von Großkonzernen (durchschn. interne Verzinsung PV-Anlage einer Familie: 4-5%; Verzinsung bei Anteil einer Energiegenossenschaft: meist 3%
      -> versus Umsatzrendite RWE im Jahr 2012 von 30% !

      2. Lobbyisten

      Die ach so mächtigen, einflussreichen Lobbyisten der EE-Branche, die die Politik Deutschlands lenken, existieren nur in Ihrer Phantasie oder der Phantasie verschiedener Journalisten der FAZ, Welt, Spiegel, Wirtschaftswoche usw. Wie die Wirklichkeit aussieht, können Sie der Antwort der Bundesregierung auf die Anfrage des MdB Marco Bülow (SPD) entnehmen, welche Gespräche real von wem aus der Energiebranche mit der Bundeskanzlerin/Kanzleramt stattgefunden haben. Kleiner Tipp: Wer zählen kann, ist klar im Vorteil.
      http://www.marco-buelow.de/uploads/media/Antwort_Kanzleramt_auf_Frage_Buelow_Energiebranche_Nov_2013.pdf

      3. Technologie

      Ihre Prognose, dass Power to gas oder andere Speichertechnologien NIEMALS konkurrenzfähig würden, niemals technologisch im großen Stil eingesetzt werden könnten usw. erinnert an die Anzeigenkampagne der Stromwirtschaft in den 90ern, deren Argumentation von der damaligen Umweltministerin und heutigen Bundeskanzlerin 1:1 übernommen wurde.
      Die EE könnten NIEMALS mehr als 4% der Stromerzeugung decken.
      http://www.klima-luegendetektor.de/2012/10/11/energiewirtschaft-die-scharfsten-kritiker/
      By the way: Ende 2012 lagen wir bei 23% …;-), die aktuelle Zahl wissen wir in ca. 4 Wochen.

      Ein Blick zurück zu andern technologischen Strukturwandel zeigt, dass allesamt viel rascher organisiert wurden als die Vertreter und Verfechter alter Strukturen dies wünschten und sich vorstellten: Beim Bau der Eisenbahnen, bei der Automobilität oder bei der IT-Revolution seit 1985. Auch damals wurde behauptet – wie jetzt von Ihnen – dass die Eisenbahn/das Automobil/der Computer niemals technisch ausgereift und schon gar nicht konkurrenzfähig werden könne. Vielleicht täusche ich mich ja, aber meines Wissens bewegen wir uns nicht mehr mit Pferdekutschen fort, die von den Verfechtern dieser Fortbewegung, also den damaligen Ewiggestrigen als alternativlos kommuniziert wurden;-)

      Der Preis von technologischen Komponenten ist immer bestimmt durch die Stückzahl. Die Stückzahl lässt sich steigern, wenn Bedarf da ist. Bedarf ist definitiv da, das erfahre ich tagtäglich in meiner Arbeit.

      ach, und übrigens: Wenn ein Wirkungsgrad von unter 50% ein Ausschlusskriterium für den Einsatz von Technologien wäre, dürfte kein einziges spritbetriebenes KFZ herumfahren. Der Wirkungsgrad eines durchschnittlichen Motors beträgt ca. 40%. Das heißt, 60% gehen durch den Auspuff! Schon komisch, dass dennoch Millionen von diesen ineffizienten Vehikeln durch die Gegend fahren.
      Die Zukunft ist das im Vergleich zu Benzinern hocheffiziente E-Mobil
      http://www.youtube.com/watch?v=JHUzfw24oCk.

      Dieses ist zugleich ein wichtiger Bestandteil einer Energieversorgung der Zukunft
      http://www.kombikraftwerk.de/

      4. Parasiten
      Nach Fukushima wurde der Atomausstieg verkündet und die Energiewende als wichtigste Aufgabe unseres Jahrhunderts benannt. Wenn eine Energiewende wirklich beabsichtigt ist, sind nicht die EE die Energieträger, die überflüssig sind oder Parasiten, die das Netz verstopfen, sondern der Sachverhalt, dass trotz verkündeter WENDE (!) die alten Kohle- und Atomkraftwerke weiterlaufen und bei Kohle noch zugebaut wird. Eine wirkliche WENDE sieht anders aus.

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  2. Pingback: Wird die Energiewende von der Politik oder von den Bürgern gemacht? - Energieblog energynet

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