Grafik: Wiska Bodo (Wikipedia/CC SA)
Grafik: Wiska Bodo (Wikipedia/CC SA)

In der letzten Ausgabe des Energynet Podcasts berichtet Kai Hock von der HEG, dass die Liste der größten Unternehmen von Energiekonzernen dominiert wird. Genannt wird die Fortune Global 500 – alternativ gibt es die umsatzstärksten Unternehmen, die ein ähnliches Bild abgibt. Shell, Exxon, Sinopec, BP, Saudi Aramco um nur einige Namen der Top 10 zu nennen. Erster Stromversorger mit aktivem Deutschlandgeschäft ist E.ON auf Platz 16. Auch in DAX30 und MDAX gibt es viele Stromversorger. Stromversorgung ist Darseinsvorsorge und somit „systemkritisch“ für das wirtschaftliche Leben in einem Land. Von daher ist es nicht sonderlich verwunderlich, dass die großen Unternehmen dieser Branche auch schwer-gewichtige Unternehmen sind, die nicht von heute auf morgen umgebaut werden sollen. Im Podcast wird angemerkt, dass man ja schließlich beim Umbau auch seinen Aktionären verpflichtet ist – und denen Dividende zahlen will.

Mit dem Produktlebenszyklus kann für ein Produkt bestimmt werden, ob ein Produkt noch eine lange Zukunft hat – oder bald vom Markt verschwunden sein wird…

Bei allem Hype rund um den Umbau der Stromversorgung kann ein Blick auf den Produktlebenszyklus und besonders die Portfolio-Matrix helfen, die Nachhaltigkeit einer Unternehmensführung einzuschätzen.

Wer kann sich noch an die Mix-Tapes erinnern? Radioaufnahmen mitgeschnitten auf einer 90er BASF Kassette. Hätte die BASF damals nur Kassetten hergestellt, dann gäbe es sie heute nicht mehr. Es ein Geschäftszweig unter vielen…

Bei den großen Stromversorgern sieht es ähnlich aus. Am Anfang war die Wasserkraft, ausgelöst durch die voranschreitende Industrialisierung kam die Kohleverstromung. Der wissenschaftliche Fortschritt brachte die Atomkraft. Die modernste Technologie ist heute ein Mix aus Erneuerbaren in Form einer Netzintegration (AKA SmartGrid).

Die Atomkraft hat ein regulatives Ende des Produktlebenszyklus. Die Marktattraktivität ist Deutschland gering, durch die kleine Betreiberanzahl (Die große Vier) -. ist der Marktanteil jeweils hoch. Nach der Portfolio Matrix bedeutet dies: Verteidigung und Schwerpunktverlagerung.

Eine der Handlungen, die sich aus der Matrix ableitet lautet: „Verteidige vorhandene Stärken“. Welche sind diese Stärken bei E.ON, RWE, Vattenfall und EnBW? Es ist der Bau und Betrieb komplexer Anlagen. Da gibt es zum einen den Offshore Wind – zum anderen allerdings auch die Kohlevertrstromung.

Anteil von E.ON, RWE, Vattenfall, EnBW an der Kohleverstromung in Deutschland (Daten: Bundesnetzagentur - Visualisierung: blog.stromhaltig )
Anteil von E.ON, RWE, Vattenfall, EnBW an der Kohleverstromung in Deutschland (Daten: Bundesnetzagentur – Visualisierung: blog.stromhaltig )

Nach der Kraftwerksliste der BNetzA bringen es die Deutschen Kohlekraftwerke auf eine Netto-Nennleistung von 36,952 GWh. Rund 84% werden durch 4 Unternehmen direkt betrieben. Lediglich 16% gehen auf kleinere Stadtwerke und Mischunternehmen, bei denen die 4 großen zum Teil ebenfalls beteiligt sind.

Die Frage nach dem Status der Kohleverstromungim Produktlebenszyklus ist für das Angebotsportfolio dieser Unternehmen von entscheidender Bedeutung. Letztendlich werden die Aktionäre entscheiden, ob sie einem Geschäftsmodell noch eine Zukunft geben oder nicht.

EnBW hat im Jahre 2013 bereits 13% des Aktienkurses verloren. E.ON SE -17% – und RWE -32%. Dies sind überschaubare Zahlen. Bedenkt man allerdings den realen Wertverlust, den Anleger dem Geschäftsmodell bescheinigen, dann sind diese Zahlen schockierend. Sieht man den Börsenkurs als ein Blick in die wirtschaftliche Zukunft an, so votierten die Anleger den Markt mit einer 11,4 Mrd. niedrigeren Marktkapitalisierung als noch am Jahresanfang 2013.

Der Umbau von Konzernen ist nicht unmöglich. Das mir persönlich am besten vertraute Beispiel ist die IBM:

Vor einigen 5 Jahren bin ich in Berlin mit dem Taxi gefahren und meinte zum Fahrer, dass ich für die IBM tätig sei. Der Fahrer fragte meinte, ob das Geschäft mit Registrierkassen gut laufen würde. Ich war froh, dass er mich nicht nach einer Quelle für sein Thinkpad Akku gefragt hatte.

Das sich der Großkonzern in den letzten 10 Jahren weiterentwickelt hatte und seine Portfolio-Matrix vollständig umstellte, ist in der öffentlichen Aufmerksamkeit wenig verbreitet. So ähnlich wird es aber auch mit den 4 Großen passieren. Den Trick, den die IBM angewendet hat, war die vorhandenen Ressourcen zu nutzen, um sich im Zentrum der Matrix zu stärken – größtenteils durch Zukauf.

Im Energiesektor beginnt dies aktuell durch (finanzielle) Beteiligungen an Projekten. Es ist allerdings davon auszugehen, dass wir in den kommenden Jahren auch Übernahmen ganzer Unternehmen erleben werden. Betrachtet man die Formulierung einiger Studien der großen Forschungsunternehmen genau, so erkennt man unterschwellig einige Spin-Offs, die in wenigen Jahren als Kandidaten „reif“ sind. Die Studie als Reputationsaufbau für das spätere Geschäft mit einer Übernahme.

Spekulativ würde ich aktuell davon ausgehen, dass die 4 großen ihr Portfolio nicht im Bereich der Stromerzeugung erweitern, sondern im Bereich des Energiemanagements und der Marktgestaltung. Will man ein großes Kraftwerk ans Netz bringen, so muss man es in die bestehende Infrastruktur integrieren.

Wissen über Integration als Punkt zur Konzentration der Investitionen mit einer Aussicht auf gewinnträchtige und risikoarme Zukunft.

Den Beitrag "Produktlebenszyklus: Kohlestrom. Was passiert mit den Betreibern am Ende? offline Lesen:

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