enerxeed-logo-376x188Mit der Energiewende ist für private Haushalte und Unternehmen das Thema Energie aus dem Schattendasein in den laufenden Kosten in das Bewusstsein  vorgedrungen.

Energie sparen bedeutet Geld sparen, doch dazu benötigt es zunächst Verständnis über die Zusammenhänge. Strom kommt nicht mehr einfach nur aus der Steckdose…

blog.stromhaltig hat nachgefragt bei Horst Christian Wagner dem Geschäftsführer von Enerxeed. Das Unternehmen hat sich zum Ziel gesetzt mehr Transparenz für Energieprojekte zu schaffen.

Bedeutet 100% Erneuerbare Energieversorgung, dass Unternehmer und Privathaushalte sich mehr kümmern müssen? Welche Rolle übernimmt Enerxeed dabei?

Wer sich ernsthaft mit der Energiewende auseinandersetzt, wird sich auch um die Umsetzung kümmern und handeln müssen, egal ob Unternehmen oder Privathaushalt. Enerxeed hilft als Filter die bestmögliche Entscheidung zu treffen und als Projekt umzusetzen. Seit Anfang der 90er Jahre steht das Thema „Nutzen von erneuerbaren Energien“ für mich im Mittelpunkt. 1994 ging mein erstes Internetportal dazu online. Enerxeed ist die zeitgemäße Weiterführung um dabei mitzuhelfen, die Energiewende endlich zu erreichen.

Nach eigenen Aussagen steht Enerxeed für das „Jetzt“. Wer ist noch im Gestern und bereits im Morgen?

Die ewige Debatte, ob das EEG nun gut oder schlecht ist, sehe ich als typisches „Gestern“. Das „Jetzt“ bedeutet, dass mit den Möglichkeiten, die es aktuell gibt, ein bestmöglicher Weg gefunden wird. In diversen Situationen wird das EEG immer weniger eine Rolle spielen. Hiermit meine ich die Dezentralisierung und den direkten Verkauf des ökologisch erzeugten Stroms an nahgelegene Abnehmer. Auf der anderen Seite ist es für Unternehmen derzeit noch sinnvoll bei der Einführung einer Energiemanagement-Lösung auch auf das EEG und die Förderungen zurückgreifen zu können. Mittel- bis langfristig sehe ich die Zukunft definitiv in dezentralen Lösungen und im Direktverkauf der überschüssig erzeugten Energien über regionale Netze. Das ist die Energieeffizienz von „Morgen“.

Stromspeicher für den Eigenverbrauch. In privaten Haushalten kommen Sie immer stärker, wird sich dieser Trend fortsetzen? 

Das EU Parlament hat aktuell eine Resolution zur Strom- und Wärmeerzeugung verabschiedet, die besagt, dass sich Energieflüsse und damit verbundene Verluste vermeiden lassen, sofern die in Kleinstanlagen wie Photovoltaik, Kleinkraftwindräder usw. erzeugte Energie unverzüglich und vor Ort verbraucht wird. Das heißt, es ist eine dezentrale bürgernahe Energiewende eingeleitet, die natürlich auch die Stromspeicherung ob Kurzzeitspeicher oder Landzeitspeicher beinhaltet.

Das Einspeisen von aus erneuerbaren Energien erzeugtem, überschüssigem Strom gemäß EEG ist keine optimale Lösung, insofern sollten sich alle „Öko-Stromerzeuger“ also auch der Privathaushalt mit neuen Ansätzen beschäftigen.  Für die nahe Zukunft werden „Mischlösungen“ sinnvoll sein. Bei einer PV-Anlage auf dem heimischen Dach kommt zunächst der Eigenverbrauch, der darüber hinaus produzierte Strom kann in Kurzfristspeichern aufgefangen und abends und nachts verbraucht werden. Für eine Ganzjahreslösung werden aber auch Langzeitspeicher gebraucht. Hierzu gab es bereits Anfang der 90er Jahre gute Ansätze, die aber nicht mit dem nötigen Druck verfolgt oder umgesetzt wurden. Insofern hinkt nun die Technologie hinterher. Wie schnell hier praktikable und kosteneffiziente Lösungen auf den Markt kommen, wird stark davon abhängen, dass ohne ständiges Abbremsen an neuen Technologien wie bspw. Wasserstoff gearbeitet werden kann.

Durch die Speicherung und den Eigenverbrauch verändert sich das Lastprofil gegenüber dem Netz. Einige Versorger sehen hier Probleme für die Stabilität der Netze, wie sehen Sie dies?

Die Versorger haben Sorgen, wenn die Sonne scheint und gleichzeitig auch noch Wind bläst. Mit der Einspeisung von so viel selbst erzeugter Energie aus Windkraftanlagen und Photovoltaik sehen sie ihre Netzte vollkommen überlastet. Wenn diese Energie aber dezentral erzeugt, verbraucht und der Rest gespeichert wird, müssten sich die Versorger um die Stabilität ihrer Netzte eigentlich kaum mehr Sorgen machen.

Seit 15.08.2013 können Unternehmen sowohl für die Zertifizierung ihres betrieblichen Energiemanagements, als auch für die Anschaffung erforderlicher Hard- und Software staatliche Förderung bis zu 20.000€ beantragen. Wie schätzen Sie das Interesse der Unternehmen ein? Kommt die Förderung zu spät?

Interesse bei den Unternehmen besteht offensichtlich. Allerdings ist der Weg zur Förderung nicht einfach und sollte von spezialisierten Beratern begleitet werden. Grundlegend wichtig ist doch, dass in den Unternehmen ein Umdenken in Richtung Energieeffizienz und Einsatz erneuerbarer Energien stattfindet. Das hilft uns allen auf dem Weg zur Energiewende.

Zeitlich ist das Thema der von Ihnen erwähnten Förderungen für Unternehmen ziemlich eng bemessen. Andererseits hätten Politik und Unternehmen schon vor 20 Jahren die Energiewende deutlich stärker vorantreiben müssen. Spätestens seit 1993 als Hermann Scheer sein Buch mit dem Titel die „Sonnenstrategie – Politik ohne Alternativen“ veröffentlichte.

Wenn Sie ein Energiemanagementsystem implementieren, welche Rolle kommt dabei den Energiedaten zu? Sind diese vorhanden, oder werden Energiedaten auf Abrechnungsdaten beschränkt?

Hierzu müsste der jeweils für das Projekt bestimmte Berater antworten. Selbst der wird aber in jedem Projekt vor einer anderen Ausgangslage und der Möglichkeit bereits vorhandener Daten stehen. Für das Einführen eines Energiemanagements in einem Unternehmen gibt es sehr viele unterschiedliche Ausgangssituationen. Dafür kann nicht eine einzelne, gleiche Person als Berater eingesetzt werden, sondern immer ein für die Anforderungen des jeweiligen Projekts passender Berater. Deshalb greifen wir dazu auf einen Pool von Spezialisten und Umsetzungspartnern zu.

Das Identifizieren aller Faktoren und Abläufe steht bei einem Energiemanagementprojekt am Anfang. Messen und Überwachen der Energiewerte und Abrechnungsdaten setzt darauf auf. In der Regel liegt ein großer Teil des Optimierungspotenzials im technischen Bereich, aber auch im personellen Umfeld. Wie gesagt, dies muss je Projekt erfasst und ausgewertet werden.

Blauer Dunst hat in bayerischen Bierzelten bereits zu Problem geführt. In wie weit wird der nun manifestierte Blaue Dunst aus der Politik für Sie zum Standortnachteil?

Als Standortnachteil sehe ich dies nicht. Gerade im süddeutschen Raum ist der Einsatz von erneuerbaren Energien in den letzten Jahren mit großen Schritten vorwärts gekommen und wird auch kaum mehr zu stoppen sein.

Wichtig ist aber auch der überregionale Blick, auch weit über die Grenzen der BRD und Europas hinaus. An vielen Standorten der Erde können erneuerbare Energien mit hohem Wirkungsgrad eingesetzt werden. Dabei sollte künftig beachtet werden, dass der 100%ige Einsatz zwar ein Ziel ist, der Weg dorthin wird aber in vielen Fällen über die 20 – 60%-Lösung führen. Selbst wenn durch den Einsatz erneuerbarer Energien der Verbrauch konventioneller Ressourcen reduziert wird, ist dies schon ein guter Schritt nach vorne. Der Anteil der Projekte, die 100% erneuerbare Energien zur Deckung des Energiebedarfs erreichen, wird mit der Zeit steigen und hängt natürlich stark von der Weiterentwicklung der dafür nötigen Technologien, wie Langzeitspeicher, Wasserstoff-Nutzung, etc. ab.

Vielen Dank für die Beantwortung der Fragen und viel Erfolg!

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