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… oder: am 22. September den Blackout verhindern …

Es ist ein PR-Technischer Clou, den die Bundesregierung zum Beginn des Wahlkampfentspurtes gelandet hat. Eine Komission veröffentlicht ein Sondergutachten, welches genau das bestätigt, was CDU/CSU und FDP nicht mehr nur unter vorgehaltener Hand fordern. Sondergutachten birgt Dringlichkeit wie Sonderrechte im Straßenverkehr. Kommission und Studie verspricht Seriosität und Neutralität eines unabhängigen Expertengremiums. Bereits gestern hatte blog.stromhaltig einen Blick auf die Personen hinter dem Gutachten geworfen.

Am Freitag den 06.09.2013 wäre es dann beinahe zum schlimmsten gekommen, was einer Volkswirtschaft passieren kann, wenn die Vorschläge bereits umgesetzt gewesen währen: Ein Super Blackout in einer Regelzone.

Alles begann am 05.09.2013 gegen 22:30 Uhr. Ein Vorfall, wie er jeden Tag vorkommen kann tritt ein. Eines der beiden größten Steinkohlekraftwerke – Petershagen (NRW) oder Heilbronn (BW) – muss ungeplant vom Netz genommen werden und ist für die Einspeisung nicht mehr verfügbar. Über die Nacht ist dies kein großes Problem. Erste Meldung des Betreibers gehen davon aus, dass man bis 10:00 Uhr am Freitag wieder liefern kann. 765 MW fehlen im Netz und würden gerade noch rechtzeitig zum Lasthoch des letzten Arbeitstages der Woche verfügbar sein. Doch es kommt, wie es kommen muss, das Kraftwerk bleibt bis 17:00 Uhr vom Netz.

Für die Monopolkommission sollten Zusammenhänge von Interesse sein, bei denen ein Akteur einen Markt beherrschen kann. Bei rund 10.000 MW, die an Steinkohlestrom im Stromnetz üblicherweise zwischen 12:00 und 13:00 Uhr sind, macht der Zwischenfall immerhin eine Marktschieflage von 7,65% aus. Für diese Menge können getätigte Lieferzusagen nicht eingehalten werden, muss eine Ersatzeinspeisung vorgenommen werden und Kapazitäten abgesichert sein.

„Macht es wie die Schweden!“ titelt die Süddeutsche in ihrer Beschreibung zum vorgeschlagenen Quotenmodell. Ein Modell welches Regelt, zu welchen Teilen die Versorger ihren Strom aus bestimmten Quellen eindecken müssen. Zwar würde man so langfristig einen Weg zu mehr Strom aus Windkraft erreichen, aber wie schnell sollen welche Quoten gelten? Wie hoch sollen die sein? Und vor allem, was passiert wenn die Quote für Steinkohle bei 25% liegt davon aber plötzlich 7,65% fehlen? – Das Risiko eines regulatorisch herbeigeführten Blackouts. „Das wichtiges Beratergremium der Bundesregierung“ (Süddeutsche) bezahlt bestimmt nicht die abgetauten Speisen im Gefrierschrank, den Produktionsausfall der Unternehmen oder das Chaos, weil die Ampeln nicht funktionieren.

Das Mengenmodell wird bereits seit längerem von verschiedenen Wissenschaftlern und Politikern verlangt. Allerdings würde dies bedeuten, dass die Versorger wohl fast ausschließlich auf Energieerzeugung aus Wind an Land als der billigsten Ökostrom-Quelle setzen würden. Zudem würde der Strom dann nicht mehr von Kleinunternehmern oder kleinen privaten Investoren geliefert, die kaum Verhandlungsmacht mit den Versorgern haben. (Handelsblatt)

Nach ökonomischen Gesichtspunkten ist es mehr als legitim, wenn beim Vorhandensein von Alternativen die Günstigste gewählt wird um eine Auflage zu erfüllen. Welche Konsequenzen eine Monokultur der Erzeugung hat, kann man am besten bei unserem westlichen Nachbarn Frankreich sehen. Demand Side Management existiert dort bereits, um gerade in der Peripherie dauerhaft Strom zu haben. Trotzdem kommt es zu Stromausfällen und Zwangsabschaltungen, gerade im Sommer, wenn die Kühlung in den thermischen Kraftwerken nicht ausreicht. Beachtlich ist, dass auch in Frankreich es zu Abschaltungen (Lastminderungen) kommt, selbst wenn der Börsenstrompreis dort ins Minus rutscht.

Mit diesem Hintergrund lässt sich eine auf Wirtschaftlichkeit gebürstete Stromversorgung in eine Spirale stürzen, wenn man einen weiteren Vorschlag der Kommission  betrachtet, die der Energieblog FehrDeal in seinem Beitrag ausarbeitet:

Anlagen sollen nicht gefördert werden, wenn der Börsenpreis negativ ist. Mit dieser Forderung wird die Einspeisegarantie und der Einspeisevorrang von Erneuerbaren ausgehebelt. Diese Anlagen würden in Zeiten negativer Strompreise kein Geld bekommen und dementsprechend wohl lieber die Produktion einstellen, da volkswirtschaftlich nicht einmal Kostendeckungsbeiträge erwirtschaftet würden. Dies würde dann wiederum den Konventionellen, die immer am Netz sind, freie Fahrt geben.

Ob der volkswirtschaftliche Schaden eines Stromausfalls nun größer ist als der eines negativen Strompreises, sei an dieser Stelle einmal dahingestellt. Ein negativer Strompreis allein verursacht aktuell keinen Blackout, sondern kann sogar bewusst herbeigeführt werden (vergl. Beitrag zu Strompreis unter 0). Es ist immer zu bedenken, welchen Handelsplatz man nimmt mit welchem zeitlichen Horizont.  Bei den Wochen-, Quartals- oder Jahresoptionen hat es noch nie einen negativen Strompreis gegeben? Wer dies nicht glaubt, der darf einen Blick auf seine Stromrechnung werfen, wo bislang langfristige „Preissicherung“ ihre Wirkung zeigt.

Um die 260 Seiten vollständig durchzulesen benötigt man rund 6 Stunden Zeit. Nimmt man sich diese, so stellt man fest, dass sehr häufig nach dem Prinzip argumentiert wird, dass ein Vertrag einer festen Zusage mit Garantie gleichzusetzen ist. Eine Garantie, dass sich Ereignisse, wie die ungeplante Nichtverfügbarkeit eines der beiden größten Steinkohlekraftwerke nicht auftreten – und wenn dann über Konventionalstrafen reguliert wird. Für die Lieferung von Schrauben an ein Fließband kann man solche Regeln treffen – beim Stromnetz gibt es allerdings etliche physikalische Abhängigkeiten. Der Ausfall eines Gliedes in der Versorgungskette sorgt zu einer Kettenreaktion. Es sei nur an das Kabel erinnert, welches beim Staffellauf eines Kreuzfahrtschiffes versehentlich (zuviel) getrennt wurde und in halb Europa einen Stromausfall ausgelöst hat. Die Sicherheit des Stromes wird in die Hände einer Kraftwerksflotte gelegt, die zur Hälfte älter ist als 30 Jahre und seihter stetig rationalisiert wurde (vergl. „Alterndes Kraftwerksdeutschland„).

Zuverlässigkeit von Kraftwerken zu bewerten und Szenarien für Störungen vorrätig zu haben ist nicht die Aufgabe einer Monopolkommission. Die Zuständigkeit hierfür liegt bei der Politik und im Tagesgeschäft  bei der Bundesnetzagentur. Die Aufgaben der Monopolkommission sind in §44 des Gesetztes für Wettbewerbsbeschränkungen definiert. In Ergänzung gibt es §62 des EnWG als Grundlage für das nun erstellte Sondergutachten. Dieses erscheint alle zwei Jahre (zuletzt am 12.09.2011)  und soll sicherstellen, dass ein funktionsfähiger Wettbewerb auf den Märkten der leitungsgebundenen Versorgung mit Elektrizität besteht. Wettbewerb kann es nur zwischen Unternehmen geben, da dem einzelnen Windrad – oder dem Steinkohlekraftwerk – es erst einmal relativ egal ist, was sich hinter dem Netzanschluss verbirgt. Von daher sei an dieser Stelle hinterfragt, warum Energieträger betrachtet werden, nicht aber Unternehmen und ihre Funktion auf dem Markt.

Der Wettbewerb zwischen EE-Anlagen im Marktprämienmodell und konventionellen Anlagen wird allerdings dadurch eingeschränkt, dass vor allem dargebotsabhängige Erzeugungstechnologien (z.B. Windkraft und Photovoltaik) von exogenen meteorologischen Faktoren abhängig sind und bei Grenzkosten nahe null daher unabhängig von der Marktlage einspeisen. Bei anderen Technologien (etwa Wasserkraft) existiert dieses Problem jedoch nur in erheblich beschränkterem Umfang, sodass das Marktprämienmodell in diesem Fall eine Konkurrenzsituation dieser Anlagen zu den konventionellen Erzeugungstechniken herstellt.

Bildlich gesprochen könnte man die Aufgabe der Monopolkommission vergleichen mit dem Straßenbauamt, welches Schilder für die Steuerung des Verkehrs aufstellt, dabei allerdings  sich über die Antriebstechnik (Benziner, Diesel, Hybrid oder E-Mobil) Gedanken macht.

Eigentlich sollte die Monopolkommission sich über die Marktstellung der Unternehmen kümmern. Was passiert zum Beispiel, wenn ein Anbieter sowohl EE-Anlagen als auch konventionelle Anlagen kontrolliert? Gibt es dann einen Erzeugungsvorrang für die EE-Anlagen?

Funktionierender Wettbewerb bedeutet auch, dass der Handel funktioniert. Der Handel darf aber keine Auswirkungen auf die Stabilität des Stromnetzes haben. Vielleicht haben aber auch die Auftraggeber der Studie eine Antwort auf diese Fragen….

Den Beitrag "+EIL - Mit Vorschlag der Monopolkommission zur EEG Reform währen am Freitag die Lichter ausgegangen. offline Lesen:

3 Gedanken zu “+EIL – Mit Vorschlag der Monopolkommission zur EEG Reform währen am Freitag die Lichter ausgegangen.

  1. Das Thema Quotenmodell erscheint mir so absurd, dass es mir als Zeitverschwendung erscheind, sich überhaupt damit zu befassen. Allerdings wäre es nicht das erste mal, dass ich die Bundesregierung dabei unterschätze, auch völlig absurde Ansätze durchzuziehen.
    Falls die das auch beim Quotenmodell hinbekommt dürfte auf jeden Fall der Ausbau der Erneuerbaren eine Vollbremsung hinlegen. Denn die EE-Ausbauziele der bei Merkels Kabinett stets zu Grunde gelegten Energieszenarien sind so niedrig, dass die EE-Quoten einen faktischen Ausbaustopp bedeuten werden. Das wäre dann die nächste Wende bei Merkels Energiewende-Slalom.

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    • Sorry für den jetzt nicht ganz korrekten Kommentar … aber die Steilvorlage muss ich nutzen :) …. Hoffentlich wird Kohl nicht sauer, dass er nur für eine Wende als Wendekanzler in den Geschichtsbüchern steht. Merkel macht gerade die dritte Wende – zu höheren Kosten …

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  2. Pingback: Jetzt “darfst” du dich mit Sichmar rumärgern… via blog.stromhaltig.de

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