Lokaler Strommarkt
Lokaler Strommarkt

„Manager sollten sich von der Vorstellung verabschieden, Organisationen zentral definieren zu können. Die Metamorphose von zentral steuerndem zu systemischem Management, das selbstregelnde Prozesse ermöglicht und unterstützt, stellt hohe Anforderungen an das Veränderungsmanagement.“ (Buch: Management Turnarround von Werner Boysen)

Energie aus der Nachbarschaft – ein Konzept, das zumindest für die Stromversorgung nicht existiert. Einzig beim Brennholz für den Kamin kennt man die Funktion, die ein lokaler Markt ausübt. Angebot und Nachfrage gleichen sich aus und bedarfsgerechte Eindeckung mit Energie bedeutet auch angebotsorientiertes Verhalten. Der lokale Preis ist ein selbstregelnder Prozess, der lediglich unterstützt werden muss.

Der Handel mit elektrischer Energie (Strom) ist in Deutschland im Prinzip ein großes Meer mit vielen Zu- und Abflüssen. Der Handel über die Regelzonen hinweg verleugnet die physikalischen Gegebenheiten in Form von fehlenden Stromtrassen.  Weht der Wind besonders stark im Norden, dann ist dies erst ein Problem, wenn der Strom in den Süden der Republik verkauft wird. Eigentlich müsste der Strompreis im Süden ansteigen – und der im Norden zurück gehen. Ist dies gegeben, dann könnten Abnehmer auf bestimmte Marktsituationen reagieren. Langfristig könnte der Ausbau von Windkraft und PV-Strom noch näher an die Abnehmer rücken.

Im Februar 2013 hatte blog.stormhaltig eine Notwendigkeit für lokale Strommärkte bereits bei der aktuellen Betrachtung des Länderfinanzausgleiches angesprochen. Über die EEG-Umlage werden Transferleistungen zwischen den Bundesländern realisiert, die den offiziellen Landerfinanzausgleich in ihrer Summe übersteigen.

Sinnvoll realisiert kann ein lokaler Strommarkt und Stromhandel nur auf Ebene der Verteilnetze werden, denn nur dort sind genügend – aber nicht zu viele – Marktteilnehmer vorhanden.  Der Netzbetreiber wird durch die Kommunen im Rahmen der Konzessionsvergabe bestimmt. Der Vereilnetzbetreiber wird für einen lokalen Handel mit elektrischer Energie der Marktbereiter sein. Aktuell ist dies noch nicht möglich, da weder die Konzessionsinhaber damit beauftragt sind, noch einen Handel organisieren dürfen.

Ansätze existieren dennoch. Das BMWi fördert schon einige Zeit ein Smart-Grid-Forschungsprojekt, welches durch die Seeburger AG, dem KIT, dem DFKI, der AGT und den Stadtwerken Saarlouis umgesetzt wird. Bei der Peer-Energy-Cloud wird durch ein Multi-Agentensystem ein lokaler Marktplatz umgesetzt. Erzeugung und Verbrauch werden über eine Cloud-Lösung zusammengeführt und im Umkreis gehandelt.

Einen etwas anderen Ansatz verfolgt man bei Buzzn. Bei diesem Anbieter wird der Stromhandel zwischen Nachbarn, oder auch Mieter und Vermieter organisiert. Zielsetzung ist hier die Eigenstromnutzung einer Anlage zu erhöhen.

Die hohen Anforderungen an das Veränderungsmanagement, sind auch bei den Stromnetzen vorhanden. Auf der Habenseite steht eine sich selbst regelnde Investiontsplanung und deutlich reduzierte Aufwände für den Aufbau von Stromtrassen. Auf der Sollseite steht vor einer technischen Umsetzung ein ganzes Bündel an legislativen Voraussetzungen, die zunächst geschaffen werden müssen.

Allein die Verteilung Zuständigkeiten der Stromwende auf verschiedene Ministerien zeigt, dass wir bislang mit einer Matrixorganisation leben. Der Weg zu einen systemischen Management ist noch weit.

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2 Gedanken zu “Lokaler Strommarkt und Stromhandel

  1. Wird langsam Zeit für ein Energieministerium. Das kann dem gesamten Sektor nur guttun. Und sinnvoll ist es auch im Hinblick darauf, dass aus Brüssel eine immer selbständigere und selbstbewusstere Energiepolitik zu sehen ist.

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  2. Pingback: Nachlese: MPS Energiegespräche – Rollenspiel im Strompoker via blog.stromhaltig.de

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