Stromaustausch mit Nachbaländern - 11.8.2013 15:00 - 16:00 Uhr (Daten: Entsoe)
Stromaustausch mit Nachbaländern – 11.8.2013 15:00 – 16:00 Uhr (Daten: Entsoe)

Erst am Dienstag hatte blog.stromhaltig unter einen Bericht zur Situation im Deutschen Stromnetz unter dem Titel „Zu wenig Strom aus Deutschland„. Im Beitrag ging es vor allem um den Notwendigen Stromimport am selbigen Tage für die Aufrechterhaltung der Versorgungssicherheit. Nur 48 Stunden vorher, am Sonntag, beschreibt das Stadtwerke Konsortium eine andere Situation:

Im Rahmen seiner Direktvermarktungsaktivitäten hat das Stadtwerke-Netzwerk Trianel etwa 60 Windräder per Fernsteuerung aus dem Wind gedreht und rd. 100 MW Windleistung aus dem Netz genommen, um die Einspeisung aus erneuerbaren Energien der Nachfrage anzupassen. (Quelle: Zeitung für kommunale Wirtschaft)

Eine kluge Entscheidung, bedenkt man, dass allein in der Stunde von 15:00-16:00 Uhr zusätzliche Stromimporte von 2.881 MW in das Deutsche Netz eingespeist wurden und somit den lokalen Intraday Preis für die Deutsche Regelzonen belasteten.

Von Trianel wird als Begründung für die Maßnahme das Verhindern eines negativen Strompreises angeführt. Für das gewählte Zeitfenster lassen sich bei EPEXSpot folgende Marktdaten entnehmen, die von der ZkW Meldung abweichen:

Base: 11.99€/MWh
Peak: 8.43€/MWh
Low: -1.99€/MWh
High: 24.00€/MWh
Sell Vol: 2,801.1 MWh
Grafik: Agora Energiewende
Grafik: Agora Energiewende

Nach Angaben der 4 Übertragungsnetzbetreiber waren in Deutschland im Zeitfenster für die beiden EE-Produkte Solar und Windkraft folgende Leistungen im Netz:

Wind: 4491 MWh
PV Strom: 2541 MWh
Konv. Kraftwerke: 27864MWh

Folgt man den Angaben von Agora Energiewende war in Deutschland im Zeitfenster ein Verbrauch von 49.639 MWh feststellbar.

Gerade die rund 28.000 MWh aus konventionellen Kraftwerken sind Wasser auf die Mühlen der Strompreiswächter. Zur Erzeugung dieser Strommenge musste ein Primärbrennstoff verbrannt werden, wodurch CO2 Belastung ensteht – aber auch Kosten entstehen. Kosten, die letztendlich auf die Letztverbraucher umgelegt werden.

„Energie aus Gas, Dampf und Kohle“ lautet der Slogan auf der Kraftwerksseite von Trianel. Ob einer der Kraftwerke am Netz war, als zeitgleich per Fernsteuerung die Windräder aus dem Wind gedreht werden, geht aus der Meldung nicht hervor. Selten findet man Berichte, wenn ein fossiles Kraftwerk wegen zuviel Strom im Netz runtergefahren wird, dabei sollte dies ein täglicher Akt sein, wenn es darum geht das Angebot der Nachfrage anzupassen. Berichte finden sich hingegen, wenn es darum geht ein Kraftwerk vollständig still zu legen oder in die Kaltreserve zu überführen.

Neben dem genannten Effekt bei der Direktvermarktung, können Anlagen auch auf Weißung des Übertragungsnetzbetreibers vom Netz genommen werden. Dadurch sollen Überlastungen auf Leitungsstrecken verhindert werden. Das Vorzeigeprojekt von Trianel für die Onshore Windenergie ist der Windpark Eisleben in Sachsen-Anhalt. Zuständiger Übertragungsnetzbetreiber ist die 50 Hertz Transmission. Auf deren Seite findet sich die Netzkarte auf der man auch die Situation rund um die Lutherstadt entnehmen kann. Nach Legendeninformation kam es zwischen 15:00-16:00 Uhr zu einer Anpassung nach §13 (2) EnWG von 60 MW, die sich im östlichen Sachsen abgespielt hat. Nach §13 (1) EnWG nennt 50 Hertz keine Redispatch Maßnahmen. Zu diesem lokalen Ereignis sei ein erneuter Blick auf die ENTSOe Daten geworfen, die einen Import von 700 MW aus Tschechien in die Regelzone des Übertragungsnetzbetreibers nennt.

Bedarfsgerechte Erzeugung ist und bleibt eine Stärke, der Windenergie und der Solarenergie. Setzt sich ein Betreiber in die Lage auch auf die Einspeisung zu verzichten, indem er durch Fernwirktechnik die notwendigen technischen Einrichtungen schafft, dann ist dies mit Sicherheit ein Schritt in die richtige Richtung. Ein Gelingen der Stromwende kann aber nur funktionieren, wenn der Einspeiseverzicht des Einen nicht zu mehr fossil – oder mehr Import – auf der anderen Seite führt.

Direktvermarktung geht aktuell von der Erzeugerseite aus und vermarktet an Großabnehmer. Um näher am Letztverbraucher zu sein, bedarf es auch einer Mikro-Direktvermarktung oder lokaler Strommärkte. Dieser Schritt ist bislang noch in weiter Ferne.

Den Beitrag "Aus dem Wind gedreht.... offline Lesen:

14 Gedanken zu “Aus dem Wind gedreht….

  1. Wegen des gesetzlich festgeschriebenen Einspeisevorrangs dürfen EEG-Anlagen gar nicht „aus dem Wind gedreht“ werden bevor nicht alle konventionellen Erzeuger abgeschaltet wurden, außer letztere sind aus netztechnischen Gründen (z. B. zur Erzeugung von Blindleistung) unverzichtbar. Wobei ich allerdings Zweifel habe, ob diese Vorfahrtsregel immer eingehalten wird – so ein bisschen Schummeln merkt ja keiner.
    Mag sein, dass das bei Direktvermarktung nicht gilt, allerdings dürfte die sich sowieso in Grenzen halten, solange es nicht genügend Speicher gibt und so die Erneuerbaren bei viel Wind / Sonne den Preis so stark senken, dass sie sich gegenseitig das Wasser abgraben.

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  2. Sind das hauptsächlich alte Anlagen, für die die EEG-Förderung abgelaufen ist? Ansonsten kann ich mir kaum vorstellen, dass die sich angesichts der geringen Börsensstrompreise zu Starkwindzeiten am Markt refinanzieren können – es sei denn, die kriegen irgendwelche anderen Zulagen.

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    • Leider ist bei diesem Thema ja nichts einfach…. die Zulage nennt sich Marktprämienmodell:
      Die finanziellen Unterschiede zwischen dem an der Börse erzielten Strompreis und der vorherigen EEG-Vergütung des Grünstroms gleicht die Marktprämie aus. Die Höhe des durchschnittlichen monatlichen Marktpreises an der Strombörse zuzüglich der Marktprämie entspricht dabei exakt der Höhe der EEG-Vergütung vor der Direktvermarktung. Dem Produzenten von Grünstrom entsteht also kein finanzieller Nachteil, wenn er sich für eine Direktvermarktung seines Stroms im Marktprämienmodell entschließt.
      (Quelle – und ausführliche Information: http://www.next-kraftwerke.de/wissen/direktvermarktung )

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  3. Ja, ich antworte direkt unter dem Posting. Dann blitzt auch erst kurz ein Fenster darunter auf, das dann aber nach ganz oben rutscht. Sonderbar…

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    • Erzeugungsvorrang ist natürlich eine Wortschöpfung in Anlehnung an den Einspeisevorrang. Erzeugungsvorrang als Kriterium zur Unterscheidung zwischen dem Runterfahren von zwei verschiedenen Kraftwerkstypen. Im genannten Falle Windkraft und thermische Kraftwerke.

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  4. Pingback: Stromwende ist nicht Smart – Politik deeskaliert nicht, wer dann? via blog.stromhaltig.de

  5. Pingback: Mit Windkraft das Netz stabilisieren (und Geld sparen) | blog.stromhaltig

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