Untertägig Vermarktete Strommenge
Untertägig Vermarktete Strommenge

Am Beispiel eines Lichtes, welches in der Zukunft eingeschaltet wird, wurde in den ersten beiden Beiträgen dieser Artikelserie beschrieben, wie ein Ereignis versucht wird vorherzusagen mit dem Ziel das Stromnetz immer in Balance zu halten. Im zweiten Teil ist bereits der Stromanbieter, bei dem ein Stromkunde seinen Vertrag hat aus der Verantwortung genommen worden, da dieser seine Schuldigkeit mit der Eindeckung eines Standard-Lastprofils, welches unabhängig vom tatsächlichen Ereignis ist, erfüllt hat. Es wurde festgestellt, dass der Bilanzkreis der Stromanbieter recht leicht zu führen ist.

Die Prognoseunsicherheit liegt jetzt bei den Verteilnetzbetreibern, die ihren Bilanzkreis viel näher an den realen Ereignissen führen müssen. Damit die Balance gehalten wird, müssen sie einen Austausch von notwendigen oder überschüssigen Strommengen mit den Übertragungsnetzen durchführen.

Auf Höhe der Übetragungsnetzbetreiber laufen alle Prognosen der Bilanzkreise zusammen und ergeben einen Fahrplan für das Stromnetz in Deutschland. Meinem Stromanbieter kann es egal sein, ob das Licht eingeschaltet wird oder nicht, da sein Bilanzkreis (hoffentlich) passend eingedeckt ist. Der Verteilnetzbetreiber trägt das Risiko einer fehlerhaften Prognose. Das folgende Zusammenspiel aus Übertragungsnetzbetreiber und Verteilnetzbetreiber ist in  §1 der Ausgleichsmechanismus-Ausführungsverordnung (AusglMechAV) geregelt:

(1) Über den vortägigen Spotmarkt einer Strombörse ist für jede Stunde des Folgetages die gemäß Vortagesprognose vorhergesagte Einspeiseleistung des nach § 16 oder § 35 Absatz 1 des Erneuerbare-Energien-Gesetzes zu vergütenden Stroms zu veräußern. Sämtliche Verkaufsangebote sind preisunabhängig einzustellen.
(2) Die Abweichungen zwischen den sich aus den untertägigen Prognosen ergebenden Einspeiseleistungen und den auf Basis der Vortagesprognose bereits veräußerten Strommengen sind über den untertägigen Spotmarkt einer Strombörse zu erwerben oder zu veräußern.
(3) Die vortägigen und untertägigen Prognosen des nach § 16 oder § 35 Absatz 1 des Erneuerbare-Energien-Gesetzes zu vergütenden Stroms sind nach dem Stand von Wissenschaft und Technik zu erstellen.

Da am „Vortag“ die Eindeckung meines Stromanbieters als beendet angesehen werden kann, d.h. die Verträge dafür gezeichnet sind, wird lediglich der Verteilnetzbetreiber die weitere Verschärfung der Prognose über einen Handel ausgleichen. Diesen Unterschied sehe ich persönlich als wichtig an, denn nach der Liberalisierung des Strommarktes hat der Stromkunde die Möglichkeit über seine Anbieter und die Tarifwahl eine Bewertung des Handels abzugeben. Ein Stromanbieter, der gut handelt kann günstigere Tarife anbieten und wird mehr Kunden bekommen. Der Anteil der umgelegten Prognosefehler im untertägigen Handel steigt allerdings und macht eine Kostenkomponente aus, die nicht durch einen Anbieterwechsel entgangen werden kann. An dieser Stelle fehlen Anreizfaktoren, die mit Sicherheit nicht über den Punkt (3) aus dem §1 der AusglMechAV gegeben sind.

Durch die Integration von zunehmend volatiler Stromerzeugung aus Wind und Sonne entsteht bei der Erstellung der Fahrpläne ein weiterer Unsicherheitsfaktor. Die Ausrede, dass Wettervorhersagen nicht genau sind klingt dabei nachvollziehbar. In einer Welt ohne Erneuerbare Energie gibt es allerdings auch Schwankungen. Spätestens bei der Spreizung zwischen realer Abnahme und Standardlastprofilen entstehen sie. Diese Abweichungen werden über den untertägigen Handel als Ausgleichsenergie eingedeckt, die ihren Preis hat.

Preis den der ÜNB für die bezogene Ausgleichsenergie in Rechnung stellt oder für die gelieferte Ausgleichsenergie vergütet.

Aus der Beschaffung der Regelenergie für den Ausgleich des resultierenden Gesamtsaldos der jeweiligen Regelzone (Lieferung oder Aufnahme durch Kraftwerke) ergibt sich für jede Viertelstunde ein mittlerer Arbeitspreis für die Ausgleichsenergie der Bilanzkreise. Dieser Arbeitspreis wird der Abrechnung der einzelnen Bilanzkreise zugrunde gelegt.

Bei Unterdeckung seines Bilanzkreises während einer Viertelstunde (Last > Deckung) zahlt der Bilanzkreisverantwortliche (BKV) für die an seinen Bilanzkreis gelieferte Ausgleichsenergie. Bei Überdeckung seines Bilanzkreises während einer Viertelstunde (Last < Deckung) erhält der BKV eine Vergütung für die von seinem Bilanzkreis gelieferte Ausgleichsenergie. (Quelle EnBW)

Persönlich würde ich zwischen der Regelenergie (Primär, Sekundär, Minutenreserve) und der Ausgleichsenergie eine Unterscheidung machen. Regelenergie bezeichnet die letzten 15 Minuten und wird über die Frequenz gesteuert. Hierzu gibt es eine Merit-Order Liste und Ausschreibungen. Die Ausgleichsenergie hingegen ist in meinem Verständnis der gesamte untertägige Handel, um Abweichungen der Prognose auszugleichen. Die Kosten, die hierfür anfallen sind die Kosten, die sich später in den Netzentgelten wiederfinden.

Gerade im untertägigen Bereich muss man feststellen, dass sich Unterdeckungen und Überdeckungen gegenseitig aufheben können. D.h. eine geplante physikalische Schieflage im Netz entsteht nicht, sondern hebt sich auf.  Gelingt dies nicht, so sind die Übertragungsnetzbetreiber berechtigt einzugreifen, um die Systemstabilität zu gewährleisten. Dieser Vorgang geschieht im Rahmen der Redispatch Maßnahmen.

Je nach Sichtweise wird das Vorhaben von mir, das Licht einzuschalten, entweder bereits in der Prognose (Vortägig), in der Ausgleichenergie (bis 15 Minuten vorher) oder der Regelenergie berücksichtigt werden. Desto später das Vorhaben dem „Plan“ entspricht, desto unsicherer werden die Preise, die der Aktion gegenüber stehen.

Der Vierte Teil dieser Serie beschäftigt sich mit den Auswirkungen der schwankenden Erzeugung und der damit verbundenen Veränderungen auf dem Markt der Ausgleichenergie.

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  2. „Ausgleichsenergie“ ist ein Buchwert und beschreibt die Über- bzw. Unterdeckung eines einzelnen Bilanzkreises. Die Zusammenfassung der Ausgleichsenergien aller Bilanzkreise einer Regelzone ergibt die physisch erforderliche Regelenergie für die Regelzone. Da sich die Bilanzabweichungen der Bilanzkreise einer Regelzone z.T. gegenseitig kompensieren ist der Bedarf an Regelenergie kleiner als die Menge an Ausgleichsenergie. Die (beweglichen?) Kosten der Regelenergie werden über die Ausgleichsenergie auf die die Bilanzkreise verteilt.

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