Ebook: Basiswissen Stromwende - Neobooks 2,99€ - 23 Seiten
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Die Bürger sollen sich am Ausbau der Stromnetze beteiligen können. Dazu haben sich in der vergangenen Woche die Minister Rösler (FDP) und Altmaier (CDU) mit den 4 Übertragungsnetzbetreiber (Tennet, TransnetBW, 50 Hertz und Amprion) geeinigt (s.h. auch Bericht von IWR). Eine Rendite von 5% soll es geben, was sich zunächst deutlich besser anhört, als das was der durchschnittliche Steuerzahler auf dem Sparbuch erhält. Wird das Stromnetz zum Finanzprodukt? Wird zukünftig nicht nur auf geschlossene Schiffsfonds und Schrott-Immobilien das für die Rente ersparte verzockt werden können? – Ganz so schlimm ist es nicht. Aber eine Alternative zur soliden Altersvorsorge auch nicht. Beteiligung reduziert auf finanzielle Einlagen ohne Partizipation und Mitbestimmung. Rentabler scheint die Aktien der Muttergesellschaften direkt zu erwerben und damit wenigstens auf der Hauptversammlung ein Stimmrecht ausüben zu können.

Der Mannheimer Morgen erklärt in seiner Samstags-Ausgabe:

Normalerweise besorgen sich die Netzbetreiber das Geld über den Kapitalmarkt, über die Netzentgelte im Strompreis werden die Investitionen refinanziert.  (Beitrag im Morgenweb).

Blaupause für die jetzige Einigung war die Finanzierung am Anfang Juni 2013 der Westküstenleitung. blog.stromhaltig hat damals die Frage gestellt, ob das Ziel dieser Anlagen wirklich eine Bürgerbeteiligung oder eher eine Risikominimierung für die Übertragungsnetzbetreiber ist.

Da die Einkünfte aus dem Netzbetrieb von der Bundesnetzagentur kontrolliert und reguliert werden, kann ein Netzbetreiber in der Regel mit stabilen und konstanten Einnahmen rechnen. Derzeit gesteht die Netzagentur den Verteilnetzbetreibern im Durchschnitt eine Eigenkapitalrendite von sechs bis neun Prozent zu. (Quelle).

Der Letzverbraucher zahlt aktuell nur Netzentgelte auf seiner Stromrechnung an die Verteilnetzbetreiber. In welcher Höhe die Abgabe an die Übertragungsnetzbetreiber sind, ist schwer zu sagen. Eine Rendite über 5% sollte allerdings mit Sicherheit vorliegen. Besteht eine Bürgerbeteiligung, ist der Weg frei für eine direkte Umlage der Kosten für die Hochspannung, denn wer profitiert wird bei der Gegenfinanzierung nicht klagen.

Welche Projekte als Kandidaten in Frage kommen, kann auf der Seite zum Netzausbau der Bundesnetzagentur angeschaut werden. Die aktuellen Pläne entstanden als Ergebnis des Bürgerdialogs der im Herbst 2012 stattgefunden hatte. Bereits im April wurden die Ausbaupläne im Bundestag verabschiedet.

Kritik gab es bereits im Vorfeld, denn kommuniziert wurde als Notwendigkeit für den Netzausbau vor allem die Stromversorgung aus regenerativer Energie. Tatsächlich soll das Netz aber passend werden für alle Erzeugungsformen – auch Braunkohle.

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Backloading ist der Fachbegriff, der mittlerweile für alle Themen verwendet wird, bei denen etwas auf die lange Bank geschoben wird. Die Bürgerbeteiligung am Stromnetz und der damit beschleunigte Ausbau dieser Netze macht Platz für den Transport von elektrische Energie. Damit wird ein physikalisches Problem gelöst. Das ökonomische Problem, welches durch negative Strompreise gegeben ist, wird dabei nicht bereinigt, sondern viel mehr um einige Legislaturperioden nach hinten verschoben.

Besser und günstiger als ein Netzausbau würde ein konsequenter Eingriff in den Markt sein. Die Klimaziele im Markt verankern und somit den Konkurrenzkampf der Erzeugungsarten lösen. Der Netzausbau könnte damit deutlich kleiner ausfallen, wie bereits im Januar 2013 der Sonnenflüsterer feststellte.

Hypothese

Die Möglichkeit zur Finanzanlage im Stromnetz befriedet jetzt einige Ausbaugegner, da sie direkten Profit ziehen können. Dieser Profit wird umgelegt auf die Netzentgelte, wodurch der Strompreis weiter steigt. Als Sündenbock wird den EE-Anlagen verkauft, da diese zum Teil über die EEG-Umlage finanziert werden – deren aktueller Konstrukt zu negativen Börsenpreisen führt, die aber den Letztverbraucher Strom teuer machen. Ist das neue Netz dann vorhanden, dann können Braunkohle-Kraftwerke fast ungebremst betrieben werden. Überschüssige Mengen werden über den Export ins Ausland transportiert. Lokale EE-Anlagen befinden sich zu diesem Zeitpunkt schon in einem direkten Preiswettbewerb zu Braunkohle.

Die eigentliche Marktbereinigung, die über die bestehenden physikalischen Grenzen hätte herbei geführt werden können, wird zum Preis von 5% bei einer Mindesteinlage von 1.000€ ausfallen. Clever!

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  1. Pingback: Die Welt der wahlkämpfenden Strompreis Geschichtenerzähler via blog.stromhaltig.de

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