Nebelwolken durch Kühlung des Kraftwerkes Heilbronn
Thermisches Kraftwerk der EnBW

Wie die Energie Baden Württemberg (EnBW) in einer Pressemitteilung vom Freitag mitteilte, plant das Unternehmen die Stilllegung von insgesamt 4 konventionellen Kraftwerksblöcken. Geht es nach dem Plan des Vorstandes, so sollen Marbach 2 und 3 (Heizöl und Gas) sowie Walheim 1 und 2 (Steinkohle) stillgelegt werden. Der Kraftwerkspark des Unternehmens verkleinert sich dadurch um 668 MW.  Laut der veröffentlichten Zu- und Abbau Liste der Bundenetzagentur plant das Unternehmen bislang ein neues Steinkohle Kraftwerk im Karlsruher Rheinhafen, welches 2014 mit 842 MW ans Netz gehen soll. Parallel soll im selben Jahr das Heizkraftwerk Stuttgart-Gaisburg (55MW), welches Erdgas als Primärenergieträger verwendet, vollständig vom Netz gehen. Die durch die EnBW kontrollierten Erzeugungskapazitäten erhöhen sich damit in den kommenden Jahren um 119 MW.

Zunächst sei festgehalten, dass sich die CO2 Emission des Unternehmens durch den aktuell bekannten Zu- und Abbau verringern sollte. Die Kosten für die Stromerzeugung gehen für das Unternehmen zurück. Von daher ist die Meldung vom 5. Juli 2013 zu begrüßen. Schade ist, dass die mediale Berichterstattung auch auf Basis der Pressemitteilung einen etwas fälschlichen Anstrich bekommt.

Titel der Meldung bei n-tv
Titel der Meldung bei n-tv

Der Infotainment Kanal n-tv schlussfolgert in seiner Meldung: „Konsequenzen der Energiewende“. Nachrecherchiert wurde, dass der Abbau rund 15% des Kraftwerksparks bedeutet. Übersehen wurde hingegen der Block 8 des Kraftwerkes im Karlsruher Rheinhafen. EnBW hatte in seiner Pressemeldung den Neubau übrigens nicht vergessen.

Eigentlich hätte der neue Block des RDK (Rheinhafen-Dampfkraftwerk) bereits im Jahre 2012 ans Netz gehen sollen. Wegen technischer Probleme bei der Lieferung der Anlagenteile wurde der Termin für den Netzanschluss verschoben auf Mitte 2013. Bei der BNetzA wird nun 2014 gennant. Zusätzlich ist die EnBW am Großkraftwerk Mannheim beteiligt. In Mannheim handelt es sich ebenfalls um ein fossiles Kraftwerk, das aktuell mit dem Block 9 ein RePowering bekommt (s.h. ´Kommentar des BUND bei blog.stromhaltig).

Die Stromerzeugung in den Kraftwerken wird maßgeblich durch die Wirtschaftlichkeit mitbestimmt, die ihre Abbildung in der so genannten Merit Order findet. Die Merit Order gibt eine Reihenfolge wieder, die durch variable Kosten, im Wesentlichen die Kosten für Brennstoff und CO2, bestimmt ist und beschreibt, ab welchem Preis welches Kraftwerk zum Einsatz kommt. Erneuerbare Erzeugung wird hierbei vorrangig eingesetzt, danach werden beginnend mit den Anlagen mit den niedrigsten variablen Kosten so lange Kraftwerke hinzugeschaltet, bis die geforderte Leistung gedeckt wird. Das letzte gehandelte Kraftwerk an der Börse („Grenzkraftwerk“) bestimmt mit seinen variablen Kosten somit den Strompreis. (Hintergrund Informationen in der EnBW Pressemitteilung)

Der Grund für die bevorzugte Verwendung der erneuerbaren Erzeugungsanlagen sind die variablen Kosten. Wind, Sonne und Wasser stellen keine Rechnung. Daher rechnet sich deren Verwendung vor Kraftwerken, die zur Stromerzeugung etwas verbrennen müssen. Biogas und Biomasse sind dabei gleich zu behandeln wie fossile thermische Kraftwerke. Wie aus dem Branchenbericht „Merit-Order – Asynchrone Kriegsführung mit dem Deckungsbeitrag auf dem Schlachtfeld Stromnetz“ (Ebook/PDF, Xinxii, Dezember 2012), kann die Merit-Order Problematik für Großerzeuger eigentlich nur durch Diversifikation der Energieträger erreicht werden. Ein Nettozubau, wie bei der EnBW sorgt für eine weitere Zuspitzung der Problematik, da mehr Kapazitäten einem kleineren Markt gegenüber stehen.

Den Sockel bilden Kraftwerke mit einen variablen Kosten von nahe Null. Danach kommen die Kraftwerke in der Reihenfolge ihrer variablen Kosten.

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Veröffentlicht von Thorsten Zoerner

Seit dem Jahr 2007 beschäftige ich mich mit den Themen Stromnetz und Strommarkt. Parallel dazu entstand ein Blog, um Informationen zu den jeweiligen Themen bereitzustellen. Er ist unter blog.stromhaltig.de zu finden. Über das Thema Energiewirtschaft habe ich bislang drei Bücher veröffentlicht. In meinem 2014 erschienenen Buch zum Hybridstrommarkt beschreibe ich ein Marktdesign, das in Deutschland in das Gesetzespaket Strommarkt 2.0 aufgenommen wurde. Hierbei werden zwei Technologien des Strombezugs vereint: der Hausanschluss mit Bezug bei einem klassischen Stromanbieter und einen alternativen Bezug von erneuerbaren Energien. Die wirtschaftlichen Vorteile für ein solches Marktdesign sind erwiesen. Auch die Digitalisierung beeinflusst die Energiewirtschaft von morgen. Daher habe ich mich intensiv mit dem Thema Blockchain Technologie befasst. Blockchain ist eine Technologie, die den Austausch und die Dokumentation von Daten vereinfachen kann. Daher kann diese Technologie mithilfe der digitalen Möglichkeiten das heutige Energiesystem revolutionieren. Denn damit ist eine automatische Abgleichung von Energieerzeugung und Energieverbrauch möglich. Um zukünftige Herausforderungen und Chancen mitgestalten zu können, habe ich 2017 die Firma STROMDAO gegründet. Dort bin ich Geschäftsführer und möchte dafür sorgen, dass mithilfe der Blockchain Technologie und dem Hybridstrommarkt eine digitale Infrastruktur für die Energiewirtschaft der Zukunft aufgebaut wird. Der STROMDAO Mechanismus zur Konsensfindung für den Energiemarkt unterstützt dabei die Marktkommunikation aller beteiligten Akteure.

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