Vorstand Joachim Binder der Energienetz Hamburg im Bürgergespräch
Vorstand Joachim Binder der Energienetz Hamburg im Bürgergespräch

Konzessionen für die Verteilnetze haben beibei blog.stromhaltig. nicht erst seit der Frage nach den Praktiken zur Besitzstandwahrung eine Tradition. Desto mehr freut es mich heute einen Gastbeitrag von Dr. Carola Ensslen, einer der Gründungsmitglieder der Energienetz Hamburg eG, veröffentlichen zu dürfen.

Wie in vielen Kommunen in Deutschland, läuft auch in Hamburg Ende 2014 der Konzessionsvertrag für den Betrieb des Stromnetzes aus. Dies war Anlass für die Hamburgerinnen und Hamburger, einen Volksentscheid am Tag der Bundestagswahl über die Rückführung der Energienetze in die Öffentliche Hand herbeizuführen.

Energienetze in Bürgerhand

logo_energienetzhamburgUnter dem Leitbild „Energienetze in Bürgerhand: Wir kaufen unser Stromnetz!“ formierten sich außerdem im April 2013 engagierte Hamburger Bürgerinnen und Bürger, um sich am Hamburger Stromnetz – im Idealfall ein rekommunalisiertes Netz nach einem erfolgreichen Volksentscheid – zu beteiligen und so Einfluss auf Hamburgs zukünftige Energiepolitik zu nehmen. Sie gründeten die Genossenschaft „EnergieNetz Hamburg“.

Die Mitglieder der Genossenschaft wollen damit Verantwortung für die Hamburger Energiewende übernehmen und einen Beitrag zur Demokratisierung der Hamburger Energienetze leisten. Die Stromverteilnetze sind als wichtige Versorgungsinfrastruktur weit mehr als nur „Kabel und Rohre“. Sie sind ein zentrales Element der Daseinsvorsorge in Hamburg. Eine kostengünstige und zuverlässige Energieversorgung ist im Interesse der Hamburgerinnen und Hamburger. Das darf nicht einzelnen, rein gewinnorientierten Unternehmen überlassen werden. Deshalb ist es so bedeutsam, selbst mitzuentscheiden. Hierbei hilft ein wesentliches genossenschaftliches Grundprinzip: Ein Mitglied – eine Stimme. Dies verhindert, dass es zu einer Dominanz einzelner Investoren kommt, und erhöht die Akzeptanz für notwendige Infrastrukturmaßnahmen.

Vorrang für Erneuerbare Energien

EnergieNetz Hamburg will außerdem gewährleisten, dass Erneuerbare Energien Vorrang haben. Die Energiewende findet nicht nur bei der Erzeugung statt. Vielmehr geht es insbesondere darum, Stromerzeuger, Speicher und Verbraucher kommunikativ zu vernetzen (intelligente Stromnetze). Damit kann die Netzstabilität auch bei schwankendem Angebot dezentraler Erneuerbarer Energien gewährleistet werden. Für solche Maßnahmen ist aber ein Stromnetzbetreiber notwendig, der hinter der Energiewende steht und nicht nur die gesetzlichen Mindestanforderungen erfüllt. Allein schon die Verunsicherung durch die „Strompreisbremse“ zeigt, wie sehr bundespolitisches Handeln die Energiewende gefährden kann. Eine demokratisch strukturierte Genossenschaft sowie die Öffentliche Hand sind am Gemeinwohl orientiert und der Energiewende über gesetzliche Zwänge hinaus verpflichtet.

Regionale Wertschöpfung

Neben Energiewende und Infrastruktur spielt die regionale Wertschöpfung eine bedeutende Rolle. Mit dem Stromnetz können jedes Jahr Millionenbeträge erwirtschaftet werden. Derzeit kommt dieses Geld den Hamburgerinnen und Hamburgern aber nicht zugute, sondern fließt in erster Linie an die Vattenfall-Konzernmutter in Schweden. Diese Beträge könnten ökologisch und verbraucherorientiert in Hamburg eingesetzt werden. Und auch an die Menschen, die sich beteiligen, kann etwas davon zurückfließen.

Know How

Die Übernahme des Netzbetriebs ist nicht so kompliziert, wie oft dargestellt. Wichtig ist zunächst, dass bereits kompetente Personen die EnergieNetz Hamburg unterstützen, so etwa der Rekommunalisierungsspezialist Dr. Peter Becker und der Vorstand der GLS Treuhand, Lukas Beckmann. Das technische Know How wird dann über einen Kooperationspartner eingeholt. Natürlich sollen auch die jetzigen Mitarbeiter, die ihre Erfahrung zum Teil noch aus HEW-Zeiten einbringen, weiterhin für den neuen Konzessionsinhaber tätig sein. Die Übernahme des Stromnetzes soll also nicht allein gestemmt werden, sondern es geht um eine finanzielle Beteiligung der Genossenschaft bei der Netzübernahme. Vorgaben hierfür sind jedoch, dass der zukünftige Netzbetreiber die Energiewende voranbringt und idealerweise auch einen kommunalen Hintergrund hat.

Carola Ensslen
Gründungsmitglied
Energienetz Hamburg eG i.G.

Die Energie-Experten hatten diese Woche unter dem Titel Ist der Rückkauf der Energienetze in Hamburg finanzierbar? ebenfalls einen Betrag zum Energienet Hamburg.

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