Reife Leistung des PV-Stroms, doch wer bekommt ihn?
Reife Leistung des PV-Stroms, doch wer bekommt ihn?

… oder wann kommt die Energiewende bei den Bürgern an?

Montag, 10.06.2013 – 14:00 Uhr. In Deutschland werden zu dieser Zeit rund 68 GW an Strom benötigt. Es ist ein „Naja“Wetter und so liefern weit über 1,2 Millionen Anlagen rund 20% des Bedarfes an elektrischer Energie (~13,5 GW). Die Tage zuvor waren es deutlich höhere Ergebnisse. Manchmal sogar fast die doppelte Menge bei geringerem Verbrauch. An diesen Tagen hatte der Strommix für Deutschland einen PV Anteil von deutlich über 20%. Nach Aussage des Bundesverband Solarwirtschaft kamen über das Jahr 2012 verteilt die Quote auf 4,5%. Bleibt die Frage, wohin dieser Strom geliefert wurde… Wurde Ihr Kühlschrank am Montag zur Mittagszeit per Sonnenstrom gekühlt?

Wahrscheinlich nicht. Zumindest nicht, wenn man die Geldfluss genauer anschaut. Physikalisch ist es natürlich durchaus möglich, dass Ihr Kühlschrank durch seine Energie durch die benachbarte PV-Anlage bekommen hat. Gezahlt wird allerdings etwas anderes.

Ökostrom die Dritte?

StromMix-NavigatorBereits im den Beitrag Ökostrom die Erste wurde herausgearbeitet, dass die meisten Ökostromtarife durch Wasserkraft realisiert werden. Zum Zeitpunkt als die PV-Anlagen in Deutschland 13,5 GW lieferten, kam von Laufwasser gerade einmal 2,5 GW. Wie dennoch mehr Wasserkraft „verkauft“  werden konnte, findet man unter dem Stichwort Zertifikathandel im Beitrag. Beim Beitrag Ökostrom die Zweite wurde vertieft auf das Thema Bürgerwunsch eingegangen, und die unklare Begriffsdefinition. Zusammenfassend kann man sagen, dass man mit seiner Stromrechnung für einen Strommix zahlt, der unabhängig vom physikalischen Strombezug ist (diese physikalischen Angabe findet sich im Strommix-Navigator). Das Ökostrom und dessen Bezug immer noch aktuell ist zeigt die Infografik bei Energynet, in der  erkennbar ist, dass 67% der befragten ein Interesse an einem Versorger mit Strom aus erneuerbaren Quellen – und somit auch Solarstrom – haben.

Stromkennzeichnung

Das die Letzverbraucher überhaupt wissen, welche Einspeisung mit der eigenen Rechnung bezahlt wird, ist in § 42 des Energiewirtschaftsgesetzes geregelt. Dort steht im Absatz eins, dass bei Werbung, auf der Internetseite und auf der Rechnung folgende Information vorhanden sein muss:

den Anteil der einzelnen Energieträger (Kernkraft, Kohle, Erdgas und sonstige fossile Energieträger, erneuerbare Energien, gefördert nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz, sonstige erneuerbare Energien) an dem Gesamtenergieträgermix, den der Lieferant im letzten oder vorletzten Jahr verwendet hat; spätestens ab 1. November eines Jahres sind jeweils die Werte des vorangegangenen Kalenderjahres anzugeben;

Die Stromerzeugung aus Regenerativer Energie kann dabei zum Teil zusammengefasst werden. Dennoch liefert die Kennzeichnungspflicht unter Umständen ein Indiz, ob man mit der eigenen Stromrechnung auch Anlagen in der Nachbarschaft finanziert.

Nachgefragt: Solarstrom-Anteil verschiedener Anbieter

blog.stromhaltig hat einige Anbieter angeschrieben und wollte wissen, ob sie den Anteil des Stroms aus PV-Anlagen in ihren verkauften Produkten nennen können:

Lichtblick 

das ist richtig 2012 haben wir keinen PV-Strom an unsere Kunden verkauft.

Greenpeace Energy

Momentan haben wir leider keine PV-Energie im Strommix von Greenpeace Energy. Planet Energy, unsere Kraftwerkstochter, hat bislang drei PV-Anlagen gebaut – deren Standorte finden Sie auf der Seite von Planet energy

Stadtwerke Erfurt

die Angaben für das Jahr 2011 stehen auf dieser Internetseite.

Anmerkung: Es ist der Link zu den Anlagen angegeben.

Primastrom

sie meinen sicherlich diese Übersicht für primastrom.

Anmerkung: Es ist ein XLS als Grafik mit 9,2% „sonstige Erneuerbare“ aufgeführt. Wind und Wasser sind einzeln gelistet.

Stadtwerke Heidelberg

Unser Anteil an PV am aktuell veröffentlichten Strommix ist 5,3 %.

Davon unabhängig produzieren wir aber auch Solarstrom, der aber nach den Rechenregeln zur Stromkennzeichnung nicht in unseren Energiemix einfließt. Trotzdem möchte ich Ihnen auch dazu unsere aktuellen Daten zukommen lassen: wir erzeugen derzeit mit 50 Anlagen, die eine Kapazität von 2,5 MWp haben, durchschnittlich 2.400 MWh.

An dieser Stelle wie immer ein Danke an alle, die so schnell geantwortet haben und besonders an die Stadtwerke Heidelberg, die als einziges angeschriebenes Unternehmen einen Prozentwert nennen kann. Der wichtige Punkt bei den Stadtwerken Heidelberg ist dabei der Hinweis, dass es PV-Strom gibt, der nach den Rechenregeln zur Stromkennzeichnung kein Bestandteil des Energiemixes ist.

Mit Strom eingedeckt

Um zu verstehen, weshalb es so schwierig ist eine Aussage zu bekommen, welche Menge der PV-Strom am Strommix der einzelnen Anbieter hat, muss man etwas tiefer in den Handel mit elektrischer Energie einsteigen. Stromlieferanten versuchen den Bedarf ihrer Kunden auf dem Markt einzudecken. Dazu können eigene Anlagen verwendet werden, aber auch weit entfernte Anlagen. Im Falle des Zertifikattausches muss nicht einmal eine physikalische Verbindung zwischen Erzeuger und Verbraucher bestehen. Für die privaten Haushalte ist es somit einfacher, das Standardlastprofil aus einer Quelle einzudecken, als den variablen Gang des PV-Stroms als zusätzlichen Faktor einzubeziehen. Zudem werden Lieferverträge in diesem Bereich mit einer längeren Laufzeit geschlossen.

Erzeugungsgang PV-Strom Deutschland
Erzeugungsgang PV-Strom Deutschland

Kunden mit einem individuellen Lastprofil, wie zum Beispiel Industriekunden, müssen auch individuell eingedeckt werden. Für dieses Kundensegment ist es einfacher zum Beispiel den an der Börse gehandelten Strom aus PV-Anlagen einzurechnen. Die Laufzeit ist deutlich kürzer und die Verträge liegen sehr nahe am Verbrauchszeitpunkt. Das durch Vorhandensein des PV-Stroms  größere Stromangebot ist in diesem Bereich ein Grund, warum der Börsenstrompreis zurück geht, jedoch die Letzverbraucherpreise steigen.

Vision: Kommunaler Wirtschaftskreislauf PV-Strom

Die dezentrale Erzeugung von Strom aus Photovoltaik ist zwar physikalisch in der Stromnetz integriert, allerdings nicht in den lokalen Wirtschaftskreislauf. Am einfachsten für alle Beteiligten ist es, wenn nur sowenig wie möglich Geld aus der Kommune nach außen fließt. Die meisten Solar-Anlagen sind nach dem EEG-Gefördert. Der Betreiber bekommt seine Einspeisevergütung vom lokalen Energieversorger/Stadtwerk, dieses verrechnet über die EE-Bilanz wieder aus dem großen Umlagenpot für das gesamte Bundesgebiet (EEG-Konten). Würde der Strom nun auch in der Kommune selbst wieder verkauft werden, dann besteht ein lokaler Wirschaftskreislauf.

Den Beitrag "Wo kommt eigentlich der ganze Solar-Strom hin?... - Ökostrom die Dritte offline Lesen:

4 Gedanken zu “Wo kommt eigentlich der ganze Solar-Strom hin?… – Ökostrom die Dritte

  1. Pingback: RSS2Email: solar – Google Blogsuche | Solarenergie-Info

  2. Pingback: Regionaler Energieversorger auf dem Weg zur Energiewende mit neuem Speicher-Konzept - Energieblog energynet

  3. Pingback: Nachgefragt: Grünstromwerk beantwortet die Frage, wohin der Solar-Strom kommt… via blog.stromhaltig.de

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